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Fußball-Regionalliga
Das Tor passt zu Morabits Karriere

Smail Morabit ist erst seit Mitte Juli bei der SV Elversberg, findet sich aber immer besser zurecht. Der ehemalige Zweit- und Drittliga-Profi erzielte am vergangenen Wochenende sein erstes Tor für die SVE.
Smail Morabit ist erst seit Mitte Juli bei der SV Elversberg, findet sich aber immer besser zurecht. Der ehemalige Zweit- und Drittliga-Profi erzielte am vergangenen Wochenende sein erstes Tor für die SVE. FOTO: Andreas Schlichter
Elversberg. Der Franzose erlebte bislang Höhen und Tiefen. Jetzt ist der Stürmer beim Regionalligisten SV Elversberg gelandet. Heiko Lehmann

59 Spiele in der 2. Bundesliga für den 1. FC Heidenheim und den VfL Bochum, 149 Spiele in der 3. Liga für Eintracht Braunschweig, Rot-Weiß Erfurt, Heidenheim und FSV Frankfurt. Smail Morabit hat einiges erlebt im Profifußball. In der vergangenen Woche erzielte er das kurioseste Tor seiner Fußball-Karriere – im Trikot des Regionalligisten SV Elversberg. Beim Stande von 1:1 markierte Morabit beim TSV Steinbach die 2:1-Führung für die SVE (Endstand 3:1) – ein Lupfer im Sitzen mit dem schwachen linken Fuß über den Torhüter und einen Abwehrspieler hinweg.



„So ein Tor habe ich noch nicht gemacht. Bislang war eine verunglückte Flanke ins Tor das kurioseste“, sagt der 29-Jährige und erklärt: „Du hast in dem Moment gar keine Zeit zu überlegen. Der Ball lag vor mir, ich kam nur mit dem linken Fuß dran und musste ihn irgendwie über meinen Gegenspieler bekommen“, sagt der Stürmer.

Seine Karriere verlief ähnlich kurios. Mit 17 Jahren zog sich Morabit, damals noch bei seinem französischen Heimatverein US Forbach aktiv, eine schwere Knieverletzung zu. Seine Mannschaftskameraden wechselten zu französischen Topclubs wie dem FC Metz oder AS Nancy. Er nicht. „Ich hatte damals mit Fußball abgeschlossen und wollte noch ein bisschen kicken, aber in erster Linie Geld für meine Familie verdienen“, sagt der 29-Jährige. Morabits Jugendtrainer Jean-Paul Wundrack (heute Trainer bei Landesligist SC Altenkessel) stellte den Kontakt zum damaligen Oberligisten SF Köllerbach her, wo Morabit im Jahr 2007 einen Vertrag als Spieler unterschrieb und zudem in der Spielbank in Saarbrücken arbeiten konnte. „Im ersten Training wusste der Trainer damals gar nicht, wer ich bin. Ich konnte kein Wort Deutsch. Mitspieler mussten alles für mich übersetzen“, erinnert sich der 1,78 Meter große Torjäger.

Morabit erzielte sofort Tore, und plötzlich kannte ihn in Köllerbach jeder. Im Spiel gegen den 1. FC Saarbrücken kassierten die Köllerbacher eine 0:7-Klatsche, und Morabit sah nach 30 Minuten die Rote Karte. „In der zweiten Halbzeit saß ich auf der Tribüne, plötzlich kam ein Berater zu mir und drückte mir seine Karte in die Hand. Ich dachte zuerst, der will mich veräppeln“, blickt er zurück. Aber der Berater meinte es ernst, und bereits 2008 ging es für Smail Morabit in den Profifußball.

Zunächst ging er für den Drittligisten Eintracht Braunschweig auf Torejagd. Es folgten Rot-Weiß-Erfurt (58 Spiele, 15 Tore) und der 1. FC Heidenheim (91 Spiele, 15 Tore), wo er maßgeblichen Anteil am Heidenheimer Aufstieg in die 2. Bundesliga hatte. Nach Höhen und Tiefen in einer nicht geplanten Profikarriere hielt sich Morabit im Sommer, nach dem Abstieg des FSV Frankfurt aus der 3. Liga, beim FC Saargemünd fit – bis die SVE anrief. „Das war wieder so etwas, das aus heiterem Himmel kam. Die Gespräche waren sehr gut, und ich konnte auch wieder in meine Heimat ziehen. Und ich habe gespürt, dass ich das mit der SVE machen muss, deshalb habe ich auch einen Zweijahresvertrag unterschrieben“, sagt der Franzose.



Ohne richtige Vorbereitung kickte der 29-Jährige plötzlich mit bei der SVE, die unterirdisch mit fünf Spielen ohne Sieg in die Saison gestartet war. „Ich wusste, dass mit dieser Mannschaft noch viel passieren wird. Allerdings ist fast die ganze Mannschaft neu – und der Trainer auch. So etwas braucht Zeit“, sagt Morabit. Nach drei Siegen in Folge ist die SV Elversberg nun auf Klettertour in Richtung Tabellenspitze.

An diesem Samstag (14 Uhr) geht es zuhause gegen Ulm – mit Morabit, der, wie er selbst sagt, noch nicht 100 Prozent fit ist. „Das kommt noch, da mache ich mir keine Gedanken. Im Fußball ist es ohnehin manchmal besser, sich keinen großen Kopf zu machen. Ich mache mir Gedanken um meine Gesundheit und um meine Familie, alles andere wird mit harter Arbeit kommen“, sagt der Stürmer im Spätsommer einer außergewöhnlichen Karriere.