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Wintersport
Das sind die Konkurrenten der Deutschen

Der Pole Kamil Stoch geht als Titelverteidiger in die Vierschanzentournee. Kann er sich in diesem Winter nach bisher durchwachsenen Ergebnissen im Weltcup so steigern wie vergangene Saison?
Der Pole Kamil Stoch geht als Titelverteidiger in die Vierschanzentournee. Kann er sich in diesem Winter nach bisher durchwachsenen Ergebnissen im Weltcup so steigern wie vergangene Saison? FOTO: Patrick Seeger / dpa
Oberstdorf. Die Favoriten bei der Vierschanzentournee im Formcheck. Heute geht es in Oberstdorf mit der Qualifikation los.

Im Winter-Wunderland Oberstdorf strahlte Richard Freitag wie ein Schneekönig, mit kindlicher Vorfreude blickte Deutschlands bester Skispringer seiner ersten Vierschanzentournee als Top-Favorit entgegen. „Was für ein schönes Winterwetter hier. Der Start könnte nicht besser sein“, sagte der 26-Jährige beim Blick auf die Schneemassen und grinste breit unter seinem mittlerweile opulenten Schnurrbart: „Jetzt kann es endlich losgehen.“


Ein halber Meter Neuschnee hat die Marktgemeinde zur Freude des Weltcup-Spitzenreiters pünktlich zur Qualifikation heute (16.30 Uhr/ARD und Eurosport) in ein weißes Prachtidyll verwandelt. Ideale Voraussetzungen für einen grandiosen Auftakt am Schattenberg – und die vermeldet auch Freitag selbst: „Ich bin in einer starken, stabilen Form und sehe dem Ganzen mit einem Lächeln entgegen. Wir haben alles für eine gute Tournee getan. Jetzt lasse ich mich überraschen, was die Tage bringen“, sagte der dreifache Saisonsieger.

Selten waren die Chancen auf den ersten deutschen Gesamtsieg seit Sven Hannawald 2001/02 so gut wie bei der 66. Auflage des Wintersport-Klassikers – zumal auch der Weltcup-Zweite Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler seit Wochen in Form sind. „Wir stellen auf dem Papier den Top-Favoriten. Sollte der nicht stechen, haben wir noch einen. Und sollte der nicht stechen, gibt es noch einen Joker“, sagte Bundestrainer Werner Schuster: „Es wird ein heißer Kampf.“ Der 48 Jahre alte Österreicher Schuster, der die deutschen Skispringer aus einem Tief zurück in die Weltspitze geführt hat, ist noch bis zum Ende der Saison 2018/19 an den Deutschen Skiverband gebunden, der DSV würde gerne verlängern.

Aber die Deutschen haben viele Konkurrenten, wir stellen sie vor:



Stefan Kraft (Österreich/24) – Beste Tournee-Platzierung: 1. (2014/15): die Nummer eins Österreichs. Und wenn man ehrlich ist, auch die einzige Option des einst verwöhnten Team Austria. Michael Hayböck schwächelte zuletzt, Rückkehrer Gregor Schlierenzauer ist nur noch ein Abziehbild großer Zeiten, der Rest bestenfalls Mittelmaß. Also muss es der Doppel-Weltmeister richten. „Krafti“ ist mit seiner ganzen Klasse neben Titelverteidiger Kamil Stoch der stärkste Herausforderer der DSV-Adler.

Kamil Stoch (Polen/30) – Beste Tournee-Platzierung: 1. (2016/17): Die Polen lieben ihren König Kamil, beschert der Doppel-Olympiasieger von Sotschi ihnen doch regelmäßig Feiertage. Im Vorjahr war Stoch bis zur Tournee in mäßiger Form, holte dann aber mit nur einem Tagessieg in Bischofshofen den Gesamterfolg. Nun wirkt er gefestigter – ihn zu schlagen wird schwer.

Peter Prevc (Slowenien/25) – Beste Tournee-Platzierung: 1. (2015/16): Vor zwei Jahren war er Peter, der Große. Nun ist er das große Rätsel. Nicht eine Top-10-Platzierung gab es im Olympia-Winter bislang für den Slowenen, er wirkt müde und kraftlos, ihm scheint sein Fluggefühl abhanden gekommen zu sein - fraglich, ob er es zeitnah wiederfindet. Die Krise hat die ganze Familie erfasst: Der eine Bruder (Domen), im Vorjahr noch als Wunderkind gefeiert, belegte bei seinem Weltcup-Comeback in Engelberg Platz 28 und 29, der andere (Cene) ist in dieser Saison überhaupt noch nicht gesprungen.

Simon Ammann (Schweiz/36) – Beste Tournee-Platzierung: 2. (2008/2009 und 2010/11): Im Skispringen sind acht Jahre eine „Simiade“. 2002 wurde Ammann Doppel-Olympiasieger, 2010 wiederholte er dieses seltene Kunststück. Und 2018? Da wären Siege des stets freundlichen Schweizers ein mittleres Wunder, bei Olympia wie bei der Tournee. Ammann hat zwar mittlerweile seine Landung halbwegs im Griff und kassiert nur noch mäßige Abzüge, dafür fehlt es ein wenig an der Weite.

Daniel Andre Tande (Norwegen/23) – Beste Tournee-Platzierung: 3. (2016/17): Tande griff schon im Vorjahr nach dem Tourneesieg - doch dann verabschiedete sich im finalen Durchgang in Bischofshofen die Bindung seines rechten Skis. Tande vermied einen schweren Sturz und rettete sich auf das Gesamtpodium, war damit aber unter Wert geschlagen. Diesmal scheint mehr möglich: Unter den starken Norwegern ist er der stärkste.

Johann Andre Forfang (Norwegen/22) – Beste Tournee-Platzierung: 6. (2015/16): Einer der besten Skiflieger der Welt, der allerdings zu oft unter dem Radar fliegt: Forfang hat bislang erst einen Weltcup gewonnen (Titisee-Neustadt 2016), zu wenig für einen Mann seiner Klasse. Wenn bei ihm allerdings einmal der Knoten dauerhaft platzen sollte, darf sich die Konkurrenz warm anziehen.