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Das Schweigen der Sportler

Das Schweigen der Sportler

Saarbrücken. Fast 100 Leute befinden sich im Großen Saal im Haus der Athleten an der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken, doch keiner von ihnen sagt ein Wort. Es wird nicht einmal geflüstert. Bei der deutschen Einzelmeisterschaft im Schach ist höchste Konzentration gefordert

Saarbrücken. Fast 100 Leute befinden sich im Großen Saal im Haus der Athleten an der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken, doch keiner von ihnen sagt ein Wort. Es wird nicht einmal geflüstert. Bei der deutschen Einzelmeisterschaft im Schach ist höchste Konzentration gefordert. Nur ein "Klack" ist ab und an zu hören, wenn die Spieler einen Zug machen und daraufhin auf die neben dem Brett stehende Uhr drücken, damit die Bedenkzeit des Gegners zu laufen beginnt. Klack, klack - an 22 Brettern, an denen parallel gespielt wird. Doch das sind keine normalen Schachbretter. Einige Kabel kommen am Rand heraus, davon führt ein Teil zur Uhr, der Rest verläuft über den Boden hin zum Tisch der Turnierleitung. Die Bretter erkennen automatisch, welcher Zug gemacht wurde und geben die Daten an einen Computer weiter - und der überträgt die Partien live ins Internet. "Das war eher experimentell gedacht, wir wussten noch nicht, ob das reibungslos funktioniert. Schließlich ist es das erste Mal, dass so etwas in dieser Art gemacht wird", sagt Herbert Bastian, Präsident des ausrichtenden Saarländischen Schachverbandes: "Aber es klappt alles sehr gut und übertrifft die Erwartungen bei weitem." 4000 Zugriffe werden pro Tag auf die Live-Partien verzeichnet, fast 500 Nutzer nehmen täglich an der Abstimmung über die schönste Partie teil. Sie bewerten nach Anspruch und Schönheit der Partien. Ab und an liegen da auch saarländischen Teilnehmer vorne. Die zeigen ohnehin teils überraschend gute Leistungen. Ronny Müller, Alex Hort, André Oberhofer (alle Saarbrücken) und Hendrik Tabatt (Schwarzenbach) liegen mit je 2,5 Punkten gleichauf im Mittelfeld. Der bisher Beste ist der Präsident: Nach fünf Runden liegt Bastian mit drei Punkten auf Rang 18 - einen Zähler hinter dem führenden Arik Braun (Eppingen). Und das, obwohl der Saarbrücker stark in die Organisation eingebunden ist und sich kaum vorbereiten oder Partien nachbereiten kann. Was eigentlich Usus ist in diesen Kreisen. Teilweise setzen sich die Gegner zusammen, nachdem sie vorher fast sechs Stunden gegeneinander gespielt haben, und analysieren gemeinsam, was sie gespielt haben. Dafür gibt's einen eigenen Raum, eine Etage tiefer im Haus der Athleten. Dort darf dann auch gesprochen werden. spr