Das Rätsel "Rehhakles"

Polokwane. Kapitän Georgios Karagounis hat sich schon im Namen der Mannschaft bedankt, doch Otto Rehhagel machte aus seinem wahrscheinlichen Ende als Griechen-Coach ein Mysterium. "Alles meine Privatsache. Diese Frage beantworte ich nicht", fauchte Rehhagel nach dem 0:2 der Griechen gegen Argentinien einen Reporter an

Polokwane. Kapitän Georgios Karagounis hat sich schon im Namen der Mannschaft bedankt, doch Otto Rehhagel machte aus seinem wahrscheinlichen Ende als Griechen-Coach ein Mysterium. "Alles meine Privatsache. Diese Frage beantworte ich nicht", fauchte Rehhagel nach dem 0:2 der Griechen gegen Argentinien einen Reporter an. Das Ende der Ära "Rehhakles" scheint endgültig gekommen. "Das war das 106. und letzte Spiel Rehhagels. Davon hat er 53 gewonnen in einer Glanzkarriere, die ihn bis zum Olymp von 2004 brachte", resümierte die Zeitung "Eleftherotypia", und "To Vima" dichtete: "Der Aufwiedersehen-Tango."

Der 71-Jährige gefiel sich aber auch nach dem WM-Vorrunden-Aus in Südafrika in der Rolle von "König" Otto, der über den Dingen steht - die eine Hand auf einer Wasserflasche ruhend, die andere leicht erhoben, als solle allein diese herrische Geste die neugierigen Medienvertreter zum Schweigen bringen. "Ich spreche heute hier nur über das Spiel. Ich spreche mit meiner Mannschaft. Fragen Sie mich etwas über das Spiel", forderte Rehhagel nach dem Beton-Auftritt seiner Griechen gegen die filigranen Argentinier.

Vor neun Jahren hatte der ehemalige Bundesliga-Coach die Griechen übernommen. Damals rangierte das Team auf Platz 66 der Weltrangliste. "Jetzt sind wir 13. Das war schon ein Haufen Arbeit", bilanzierte er. Nun werde man sich mit dem Präsidenten des griechischen Fußballverbandes treffen. "Und dann werden wir sehen." Sein Vertrag läuft nach der WM aus. "Auch wenn er bleibt, gehe ich", verkündete dagegen sein langjähriger Wegbegleiter, Assistent und Dolmetscher Ioannis Topalidis. "Für mich ist nach diesem Spiel Ende. Ich bedanke mich bei allen: den Fans, dem Team und dem Verband", sagte er.

2004 hatte Rehhagel die Griechen mit taktischer Finesse und deutscher Disziplin sensationell zur Europameisterschaft geführt. Eine zweite blieb ihm verwehrt. 2006 verpasste er die Teilnahme an der "Heim-WM" in Deutschland, zwei Jahre später ereilte die Griechen das EM-Aus in der Vorrunde. Bei der WM 2010 scheiterte der gebürtige Essener mit seinem Gefolge erneut in der Gruppenphase. Gegen Argentinien nutzte Rehhagels massiv kontrollierte Defensive auch nichts. "Wir sind mit folgender Marschroute ins Spiel gegangen: Wir wollten nicht wie in den letzten Spielen ein frühes Gegentor kassieren, das ist uns gelungen", bilanzierte Rehhagel.

"Wenn dies sein letztes Spiel war, wird er in der Geschichte als der Trainer bleiben, der alle Positionen, außer denen in der Abwehr, abgeschafft hat. Den Sturm hatten wir im Hotel zurückgelassen", spottete das Blatt "To Fos". Nach Spielende verharrte Rehhagel noch einige Momente mit den Händen in den Taschen an der Seitenlinie, während sein argentinischer Kollege Diego Maradona schon längst wieder auf "Knutschtour" auf dem Platz umhersprang. "In einer Liga kann man manches gut machen. Hier geht das nicht, jeder Fehler wird schwer bestraft", erklärte Rehhagel dann später in der Pressekonferenz.

Werder Bremen hatte Rehhagel in der Bundesliga zu zwei deutschen Meisterschaften (1988, 1993), zwei DFB-Pokalsiegen (1991, 1994) und 1992 zum Gewinn des Europapokals der Pokalsieger geführt. Mit dem 1. FC Kaiserslautern stieg der Trainerfuchs auf und holte 1998 direkt den Meister-Titel - ein Novum in der Bundesligageschichte.

Nur beim deutschen Rekordmeister Bayern München konnte Rehhagel nicht richtig Fuß fassen. Kurz vor dem Uefa-Cup-Finale 1996 wurde er entlassen und durch Franz Beckenbauer ersetzt. Als Kandidat auf seine Nachfolge in Griechenland handeln die heimischen Blätter bereits den Portugiesen Fernando Santos.