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Das Prinzip Rangnick

Ralf Rangnick, der Sportdirektor des Erstligisten RasenBallsport Leipzig, zog sich vor dem Bundesliga-Auftakt gegen 1899 Hoffenheim aus der Öffentlichkeit zurück. Foto: Woitas/dpa
Ralf Rangnick, der Sportdirektor des Erstligisten RasenBallsport Leipzig, zog sich vor dem Bundesliga-Auftakt gegen 1899 Hoffenheim aus der Öffentlichkeit zurück. Foto: Woitas/dpa FOTO: Woitas/dpa
Leipzig. Ralf Rangnick erlebt das erste Bundesliga-Spiel seines Vereins RB Leipzig ausgerechnet in Hoffenheim. Dort hatte er bereits all das schon mal aufgebaut, was nun in Leipzig Erfolg hat. Zurückblicken möchte er nicht. dpa-Mitarbeiter Gerald Fritsche

Ralf Rangnick lebt im Hier und Heute - und für die Mannschaft von RB Leipzig . Über die Vergangenheit möchte der Sportdirektor des Bundesliga-Aufsteigers nicht mehr sprechen. Vor dem Debüt der Sachsen im Oberhaus an diesem Sonntag bei der TSG Hoffenheim zog sich der 58-Jährige aus der Öffentlichkeit zurück.


Zweimal von unten nach oben

Dabei hätte Rangnick sicher einiges zu erzählen. Von 2006 bis 2011 leitete er die Geschicke in Hoffenheim, katapultierte den Verein in zwei Jahren von der damals drittklassigen Regionalliga in die Bundesliga. Und etablierte nicht nur die TSG im Oberhaus, sondern auch ein modernes Spielsystem. Das setzt vorrangig auf talentierte, noch formbare Spieler, die ein kraft- und laufintensives Pressing praktizieren.



Um diese zu finden, legte Rangnick ein weltweit funktionierendes Scoutingnetz aus. Fällt dort ein Kicker auf, der fußballerisch die Voraussetzungen erfüllt, landet so mancher in Rangnicks Team. Es sei denn, die Gehaltsvorstellungen gehen ins Unermessliche. Doch auch das gehört zum "Prinzip Rangnick": Es benötigt jede Menge Startkapital. Dafür hatte er in Hoffenheim SAP-Gründer Dietmar Hopp , in Leipzig Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz. An beiden Standorten entstanden millionenschwere Trainings- und Ausbildungsstätten. Beide Clubs setzen viel Geld für Top-Leute im Umfeld ein: Trainer, Ärzte, Betreuer, Wissenschaftler. Nichts wird unter Rangnick dem Zufall überlassen. Auch nicht die Nachwuchsarbeit.

Über all das möchte der Macher möglichst weitgehend frei entscheiden. Das kann er jetzt in Leipzig in seiner Funktion als Sportdirektor - als Trainer in Hoffenheim war es nur bedingt möglich. Woraus er seine Konsequenzen zog und sein Amt 2011 abgab. Gegen seinen Willen wurde nämlich damals Luiz Gustavo zum FC Bayern München transferiert.

Um das "Prinzip Rangnick" auch in Leipzig - an die neue Zeit und die andere Umgebung angepasst - zum Erfolg werden zu lassen, holte der Fußballlehrer viele ehemalige Hoffenheimer nach Sachsen. Trainer, Physiotherapeuten, Spielbeobachter und die Integrationsbeauftragte wechselten den Club. Und auch zwei ehemalige Rangnick-Kicker aus Hoffenheim-Zeiten sind jetzt in Leipzig als Führungsspieler dabei: Kapitän Dominik Kaiser und Abwehrmann Marvin Compper. Und dass auch Davie Selke eine Hoffenheim-Vergangenheit hat, allerdings ohne den direkten Rangnick-Einfluss, vergessen viele.

Nun kehrt er an seine alte Wirkungsstätte zurück. Ob Rangnick tatsächlich keinen Gedanken mehr an die alte Zeit verschwendet, bleibt offen. Fest steht: Der Rangnick von heute unterscheidet sich schon von jenem, der 2011 ging. Compper sagte schon vor Wochen dazu: "Seine Charakterzüge bleiben dieselben, aber wenn man wie Ralf Rangnick viele verschiedene Situationen durchlebt hat, weiß man, was auf einen zukommt. Er ist auf jeden Fall gelassener geworden." Wie gelassen er wirklich ist, wird sich am Sonntag gegen seinen alten Verein sicher beobachten lassen.