Das neue deutsche Dreisprung-Wunder

Belgrad · Gold für Kristin Gierisch, Bronze für Max Heß – die deutschen Dreispringer glänzten bei der Hallen-EM in Belgrad. Insgesamt holten die deutschen Leichtathleten neun Medaillen.

 Bronzemedaillengewinner Max Heß sprang in der Qualifikation deutschen Hallenrekord mit 17,51 Metern. Foto: Hoppe/dpa

Bronzemedaillengewinner Max Heß sprang in der Qualifikation deutschen Hallenrekord mit 17,51 Metern. Foto: Hoppe/dpa

Foto: Hoppe/dpa

Die Olympia-Enttäuschung ist abgehakt, die WM-Saison kann kommen: Angeführt von den siegreichen Kristin Gierisch und Cindy Roleder haben die deutschen Leichtathleten bei der Hallen-Europameisterschaft eine ordentliche Show abgeliefert. Zwar blieben die DLV-Asse am letzten Tag ohne dritten Titel. Aber Dreispringer Max Heß und 3000-Meter-Läufer Richard Ringer sowie Claudia Salman-Rath im Weitsprung sammelten mit jeweils Bronze noch einmal fleißig Medaillen. Insgesamt holte das deutsche Team damit neun Mal Edelmetall in Belgrad.

Während Dreispringerin Gierisch und Hürdensprinterin Roleder souverän die Titel gewannen, musste sich Top-Favorit Heß gestern mit Dreisprung-Bronze zufriedengeben. Der 20 Jahre alte Chemnitzer landete bei 17,12 Meter und konnte damit nicht mehr an seine Gala-Form aus der Qualifikation anknüpfen, als er mit 17,52 Metern groß aufgetrumpft hatte. Die neue deutsche Rekordweite hätte im Finale locker für Gold gereicht. Am Ende konnte sich das Super-Talent aber auch über Bronze freuen. "Ich habe Bronze gewonnen, nicht Gold oder Silber verloren", sagte Heß.

Nur wenige Minuten zuvor war Richard Ringer (Friedrichshafen/8:01,01 Minuten) auf den dritten Platz über 3000 Meter gelaufen. Salman-Rath, eigentlich Mehrkämpferin, sorgte mit persönlicher Bestleistung von 6,94 Meter bei den Spezialistinnen für eine Überraschung - am Ende fehlten drei Zentimeter zu Silber.

Am Samstag hatte Gierisch für ein absolutes Glanzlicht gesorgt und ausgelassen über Gold gejubelt, und Konstanze Klosterhalfen (1500 Meter) sowie Stabhochspringerin Lisa Ryzih feierten ihren Silber-Coup. Nur Kugel-Koloss David Storl konnte sich nicht richtig über Bronze freuen. Der 26-Jährige verlor seinen Titel an den starken Polen Konrad Bukowiecki. Dem Leipziger reichten 21,30 Meter nur zum dritten Rang, sein erst 19 Jahre alter Rivale trumpfte mit Weltjahresbestleistung von 21,97 Metern auf. "Es ist noch nicht so, wie ich es mir vorstelle. Die Technik ist noch nicht so auf der Höhe", sagte Polizeimeister Storl, der gerade Vater geworden ist.

Gierisch war davor ein ganz besonderer Coup gelungen - als erste Deutsche überhaupt holte sie Gold im Dreisprung. "Es ist ein Traum. Das ist ein unglaubliches Gefühl", sagte die 26 Jahre alte Chemnitzerin, die mit starken 14,37 Metern den Titel holte.

Mit neun Medaillen, davon zwei aus Gold, war der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) damit deutlich besser als vor zwei Jahren in Prag, als es einmal Gold, dreimal Silber und zweimal Bronze gab. Insgesamt war es ein außerordentlich erfolgreicher Auftritt für die deutschen Leichtathleten in Serbien, zumal sich auch bisher nur den Experten bekannte Talente wie Klosterhalfen ins Rampenlicht katapultierten. Die Mittelstrecken-Hoffnung belohnte sich mit ihrem couragierten Auftritt, Silber über 1500 Meter bedeutete für die Leverkusenerin den bisher größten Erfolg der noch jungen Karriere. Die 20-Jährige musste sich nach persönlicher Bestleistung von 4:04,45 Minuten nur Topfavoritin Laura Muir (Großbritannien) geschlagen geben. Die Europarekordlerin lief in 4:02,39 Minuten Meisterschaftsrekord. Im Stabhochsprung konnte die ehemalige Zweibrückerin Ryzih kurz von Gold träumen und verbesserte ihre Bestleistung auf 4,75 Meter.