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Das Maßband ist immer dabei

Frankfurt. Gestern Vormittag hat für das deutsche Davis-Cup-Team eine neue Zeitrechnung begonnen. Mit Teamchef Michael Kohlmann und Berater Niki Pilic soll gegen Frankreich die Überraschung gelingen. sid-Mitarbeiterin Ulrike Weinrich

Um kurz vor neun stand Niki Pilic gestern als Erster auf dem Court der Frankfurter Fraport-Arena und stellte seine Professionalität mit einem Handgriff in die Jackentasche unter Beweis. "Ich habe immer ein Maßband dabei", sagte der 75-Jährige schmunzelnd und brachte das Netz vor dem ersten Training eigenhändig in die korrekte Position.

Das Maßband aus dem Hause Pilic war so etwas wie das Symbol der neuen Zeitrechnung, die für das Davis-Cup-Team vor dem Erstrundenduell gegen Frankreich ab Freitag in Frankfurt-Höchst begann. Der neue Teamchef Michael Kohlmann, der saarländische Co-Trainer Dirk Dier und Berater Pilic standen während der dreistündigen Übungseinheit gemeinsam auf dem Hartplatz.

"Die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut, der Teamgeist auch. Jeder ist glücklich, für Deutschland spielen zu dürfen", berichtete Pilic, mit dessen Hilfe der Überraschungscoup gegen die Franzosen um Gilles Simon und Gael Monfils gelingen soll. Und Pilic spricht einem wie dem Orscholzer Benjamin Becker aus der Seele. "Als ich mit Tennis angefangen habe, hatten wir unsere goldene Zeit im Davis Cup. Für mich war es schon immer ein Traum und auch Ziel, in der Mannschaft zu sein", sagte Becker.

Pilic gefallen diese Worte. Er - 1988, 1989 und 1993 als deutscher Teamchef drei Mal Davis-Cup-Sieger - will in dem "sehr, sehr schweren Duell" eine besondere Stärke zum großen Plus werden lassen: "Meine Erfahrung." Vielleicht auch deshalb suchte er zuletzt schon das Gespräch mit Philipp Kohlschreiber , der in der Vergangenheit nicht immer als pflegeleicht galt. Die vorherigen und entlassenen Teamchefs Carsten Arriens und Patrik Kühnen können davon ein Lied singen.

Pilic will aber nicht in der Vergangenheit kramen, sondern setzt zu einhundert Prozent auf den Weltranglisten-28., der nach einer Virus-Infektion immer noch leicht angeschlagen ist. "Philipp ist ein sehr wichtiger Mann in diesem Team. Er geht positiv an die Sache heran", sagte Pilic.

In einigen Vier-Augen-Gesprächen hat der Kroate dem Augsburger zu vermittelt versucht, "dass man nur im Davis Cup zum Helden werden kann". Pilic weiß, wovon er redet. 2005 wurde er zum vierten Mal Davis-Cup-Sieger, dieses Mal mit Kroatien, 2010 saß er auf der Bank der Serben und führte Novak Djokovic und Co. zum ersten Triumph im bedeutendsten Mannschafts-Wettbewerb im Tennis. "Im Jahr darauf hat Novak seine beste Saison auf der Tour gespielt", erzählte Pilic: "Der Davis Cup kann eben besondere Dinge bewirken."

Teamchef Kohlmann ist einfach nur froh, einen wie Pilic als Ratgeber an seiner Seite zu haben. "Niki ist mit Herz und Seele dabei. Er wird auch in Sachen Aufstellung eingebunden", kündigte der 41-jährige Kohlmann an. Pilic stellte aber klar, "dass Michael letztlich die Nominierung" vornehme.

Der neue und mit Namen versehene Mannschaftsanzug steht Pilic, immer noch rank und schlank, übrigens bestens. Auch an die schwarze Kapuze hat sich der 1,91 Meter große Tennisexperte gewöhnt. Gestern lehnte er lässig an der Bande auf Höhe des Netzes und beobachtete das Training von Kohlschreiber, Becker, Jan-Lennard Struff und Andre Begemann. Dabei suchte Pilic immer wieder das Gespräch mit Kohlmann, Dier und Sportdirektor Klaus Eberhard. "Es ist schön, wieder dabei zu sein, und ein Kompliment für mich, dass ich gefragt wurde", sagte Pilic - und tastete sicherheitshalber noch mal nach dem Maßband.