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Das Leiden der Aussortierten

Hamburg. Sie haben keine Chance mehr in ihren Clubs, müssen zum Teil sogar gesondert trainieren und sollen eigentlich abgeschoben werden: Die aussortierten Profis in der Fußball-Bundesliga haben es nicht leicht. sid

Paul Scharner hat Schmerzen. Den Innenverteidiger des Hamburger SV hat es an der Wade erwischt - ein Muskelfaserriss. Doch die Ursachen für die Beschwerden liegen in der Psyche. Sagt Scharner. Er gehört wie Hoffenheims Ex-Nationaltorwart Tim Wiese zu der illustren, aber auch geächteten Gesellschaft der Aussortierten in der Fußball-Bundesliga.

Scharner ist völlig frustriert. "Es ist ein Horror. In Hamburg habe ich das Empfinden, kein Vertrauen und keine reelle Chance bekommen zu haben. Das ist für einen Sportler nicht verkraftbar, und somit sitzt die Entscheidung des HSV, ohne mich zu planen, in meiner Wade", sagt der 33-Jährige. Sein Vertrag läuft noch bis Sommer 2014, dennoch hat er in Hamburg keine Perspektive: "Das Gefühl von fehlendem Vertrauen sucht sich ein Ventil."

Von fehlendem Vertrauen kann auch Tim Wiese ein Lied singen. Kurz vor dem Start der Saisonvorbereitung Ende Juni bekam der 31-Jährige die bittere Gewissheit, dass er bei 1899 trotz eines hochdotierten Vertrags bis 2016 kein Spiel mehr machen wird. Trainer Markus Gisdol steckte den früheren Bremer, der bereits zum Ende der abgelaufenen Saison nach einigen Fehltritten suspendiert worden war, in die neu gegründete "Trainingsgruppe 2". Dort arbeitet der Torhüter nicht alleine an seiner Fitness. Gisdol sortierte gleich sieben Profis aus - darunter sind auch der Schweizer Nationalspieler Eren Derdiyok, der erfahrene Verteidiger Matthieu Delpierre und Tobias Weis, der sogar einmal für Deutschland ran durfte.

"Angesichts der Größe unseres Kaders war diese Zweiteilung notwendig. Nur so können wir zielgerichtet arbeiten", sagt Gisdol, in dessen Planung insgesamt 27 Spieler zur "Trainingsgruppe 1" gehören: "Ich weiß, dass dies für die Spieler, die in der zweiten Gruppe trainieren, keine leichte Situation ist."

1899 sucht nun nach Abnehmern für die hochbezahlten Profis, die mit dem eigens eingestellten Trainer Sascha Koch arbeiten und die in ihrer schwierigen Situation nicht den Humor verlieren. Wenn wir nicht auf das offizielle Foto dürfen, dann machen wir eben unser eigenes Mannschaftsbild, dachten sich die Mitglieder der Gruppe 2 und grinsten freundlich in die Kamera. Seit Montag hat immerhin einer von ihnen wieder eine sportliche Perspektive. Der ghanaische Mittelfeldspieler Afriye Acquah, der im Winter für 2,5 Millionen Euro nach Hoffenheim gewechselt war, geht auf Leihbasis zu seinem Ex-Klub FC Parma.

Damit ist er einen Schritt weiter als die chancenlosen Almog Cohen (Nürnberg), Anthony Annan (Schalke), Malik Fathi (Mainz) und Ibrahim Sissoko, der beim VfL Wolfsburg ebenfalls ein klares Signal erhalten hat: Dem Mittelfeldspieler wurde keine Rückennummer zugeteilt. Der aufgeblähte Kader, den Felix Magath hinterlassen hatte, ist auf dem besten Weg, auf Normalgröße zu schrumpfen.

Dies soll auch beim Hamburger SV geschehen, wo Robert Tesche und Gojko Kacar sogar nur noch mit der U23 trainieren dürfen. Auch Slobodan Rajkovic und Michael Mancienne stehen auf dem Abstellgleis - und eben Paul Scharner. Doch der Österreicher hat sich mit seinem Schicksal noch lange nicht abgefunden: "Ich kämpfe um meine Chance. Das kann auch unangenehm werden. Ein Paul Scharner, regierender FA-Cup-Sieger, gibt nie auf, nicht einmal einen Brief! Mit Garantie."