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Das lange Warten des FCS ist vorbei

Kostenpflichtiger Inhalt: Proficlubs im Saarland dürfen wieder trainieren : Das lange Warten des FCS ist vorbei

DFB-Pokal-Halbfinalist darf wie die SVE und der FCH wieder auf den Platz. Trainer Kwasniok winkt derweil ein neuer Vertrag.

Eigentlich hätte an diesem Dienstag das wohl größte Spiel des 1. FC Saarbrücken in der jüngeren Vereinsgeschichte stattfinden sollen. DFB-Pokal-Halbfinale gegen Bayer Leverkusen – es wäre das „Spiel des Lebens“ für die Akteure des Fußball-Regionalligisten gewesen. Doch die Corona-Krise hat den deutschen Pokal lahmgelegt – und die Spieler des FCS dazu verurteilt, sich selbstständig fit zu halten.

So gesehen ist es vermutlich sogar von Vorteil, dass das Spiel nicht am ursprünglich festgesetzten Termin stattfindet. Denn der Bundesligist vom Rhein trainiert schon seit dem 1. April wieder – zwar nur in Kleingruppen, aber immerhin. Marcus Mann, der Sportdirektor des FCS, sagt: „Jeder, der einmal Fußball gespielt hat, weiß, dass ein Mannschaftstraining oder ein Training auf dem Platz nicht mit einem Lauf im Wald zu vergleichen sind. Es macht nachher einen Unterschied, ob ich drei Wochen auf dem Platz war oder wie Leverkusen schon seit 1. April.“

Deswegen hat der FCS vor einigen Wochen bereits einen entsprechenden Antrag an das Ministerium für Inneres und Sport gestellt. „Wir kennen die Vorkehrungen der Bundesligisten und können diese selbst auch umsetzen. Wir haben sieben Kabinen, vier Plätze. Spieler könnten zuhause duschen. Auch hygienemäßig sind wir vorbereitet“, sagt Mann, der am Montag mit Saarlands Innen- und Sportminister Klaus Bouillon in Kontakt stand. Der sagte seine Unterstützung zu.

Und am Montagnachmittag gab Ministerpräsident Tobias Hans dann bekannt, dass die Proficlubs im Saarland aufgrund des Pokalspiels wieder trainieren dürfen. Dies gelte dann auch für die SV Elversberg und den FC Homburg. „Wir wollen für sportliche Chancengleichheit sorgen – deshalb müssen auch die FCS-Spieler wieder gemeinsam trainieren können. Natürlich unter strengsten hygienischen Schutzauflagen“, wird Hans in einer Pressemitteilung zitiert. Die Sondergenehmigung sei durch die Rechtsverordnung zur Eindämmung der Corona-Pandemie im Saarland gedeckt und begründe sich in der Ausübung beruflicher Tätigkeit von Berufssportlern.

Raphael Schäfer, sportpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion und Unterstützer der am Montag von der Stadt erteilten Ausnahmegenehmigung für die rund 20 olympischen Spitzensportler, die an der Saarbrücker Sportschule seit Montag wieder trainieren dürfen, hatte zuvor den Flickenteppich „im Sport, „wer wo wie trainieren darf“ als „unfair“ kritisiert: „Wir brauchen hier eine bundeseinheitliche Lösung.“

Aufgrund des Verbots von Großveranstaltungen müsste das Halbfinale als Geisterspiel im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion stattfinden. „Es könnte uns als Verein ja vierfach treffen mit DFB-Pokal und den Aufstiegs-Chancen unserer Ersten, Zweiten und der U19“, sagt FCS-Vizepräsident Dieter Ferner kopfschüttelnd: „So schlechte Menschen waren wir doch nicht, dass es bei uns so reinhaut.“ Nach Meinung des 71-Jährigen wird das DFB-Pokalspiel stattfinden (spekuliert wird mit einem Termin Ende Mai), „unter der Voraussetzung, dass die 1. und 2. Liga wieder spielen werden. In den Klassen darunter glaube ich da übrigens nicht daran.“

Eine Telefonkonferenz der Südwest-Regionalligisten am vergangenen Freitag habe laut Mann „nichts Neues ergeben, weil es ja auch keine neue Fakten gab. Ich rechne nicht damit, dass in den nächsten 14 Tagen eine Entscheidung fallen wird.“ Vom Vorschlag der SV Elversberg, eine neue zweigleisige 3. Liga zu schaffen, hat Mann gelesen: „Ich kenne den Vorschlag im Detail noch nicht, finde es aber gut, wenn man sich damit auseinandersetzt. Egal wie: Letztlich wäre es nur fair und nachvollziehbar, wenn wir aufsteigen.“ An Spekulationen, wie die Saison beendet wird und ob es Ab- und Aufsteiger geben wird, will sich FCS-Vize Ferner nicht beteiligen. „Man könnte uns auch direkt in die 2. Liga stecken“, scherzt er.

Nicht nur beim FCS laufen zum Saisonende am 30. Juni Verträge aus, auch der von Trainer Kwasniok würde sich nur im Falle des Aufstiegs verlängern. „Die Situation ist für beide Seiten schwierig. Wir werden in der kommenden Woche ein Gespräch führen“, sagt Ferner und gibt ein deutliches Signal: „Ich kann mir gut vorstellen, mit ihm liga-unabhängig weiterzuarbeiten.“