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Frauenfußball
Das Küken sorgt für strahlende Gesichter

Halle/Saale. Horst Hrubesch beweist bei seinem erfolgreichen Debüt als Frauen-Bundestrainer sein Händchen für Talente.

Horst Hrubeschs Muster-Schül(l)erin brauchte erst einmal eine Abkühlung. Die Sonne hatte Lea Schüller an ihrem Sahnetag ordentlich zugesetzt. Mit noch immer geröteten Wangen versuchte sie, ihren Viererpack beim 4:0 (2:0) im WM-Qualifikationsspiel gegen Tschechien zu erklären. „Ich weiß auch nicht, was los war“, sagte das 20 Jahre junge Küken der Frauen-Nationalmannschaft schüchtern: „Es war einfach unglaublich.“


Interims-Bundestrainer Hrubesch mit seinem bekanntlich hervorragenden Riecher für Talente war da deutlich weniger überrascht. „Ich weiß, was Lea kann, dass sie Tempo hat und Zug zum Tor“, lobte der 66-Jährige die Senkrechtstarterin nach seinem erfolgreichen Einstand als Übergangs-Trainer der DFB-Frauen in Halle/Saale.

Während die erfahrenen Kolleginnen noch sichtlich an den Nachwehen der Steffi-Jones-Ära litten, schoss die befreit aufspielende Angreiferin der SGS Essen Deutschland an die Spitze der Qualifikationsgruppe 5. Auf dem Weg zur WM 2019 in Frankreich liegt der Olympiasieger mit zwölf Punkten aus fünf Spielen nun wieder zwei Zähler vor dem ärgsten Widersacher Island, der allerdings noch ein Spiel in der Hinterhand hat.



Vor 4564 Zuschauern stellte Schüller ihre Vielseitigkeit unter Beweis: Erst eroberte sie selbst den Ball und vollstreckte mit einem Linksschuss in die lange Ecke (4.). Nach guter Vorarbeit von Leonie Maier brauchte sie nur noch einzuschieben (31.), ehe sie das dritte Tor nach einem Eckball per Kopf erzielte (68.). Zu guter Letzt staubte Schüller nach einem Abpraller ab (79.) und steht so nach sechs Länderspielen bei fünf Toren.

Die Mitspielerinnen zeigten sich beeindruckt vom Auftritt der angehenden Wirtschaftsingenieurin. „Neben dem Platz wirkt sie eher schüchtern, auf dem Platz kann sie aber rotzfrech und abgezockt sein. Sie kann in diese neue Rolle hineinwachsen und soll weiter ihre Tore schießen“, sagte Torhüterin Almuth Schult.

Die Schüller-Gala konnte jedoch das phasenweise Fehlpass-Festival nicht übertünchen. „Man hat gesehen, dass eine gewisse Verunsicherung da ist. Einige laufen noch mit einem Rucksack herum. Das ist ein Prozess, der länger dauert“, bilanzierte Hrubesch, der die Rückkehr an die Seitenlinie genoss: „Es hat riesig Spaß gemacht. Und das waren für mich erst 60 Prozent.“ Das Team sei in der Lage, „ein ganz anderes Tempo und wesentlich klarer zu spielen, und vor allem mit mehr Sicherheit“. Vor der Flugreise am Sonntagnachmittag zur nächsten Pflichtaufgabe in Slowenien am Dienstag (16 Uhr/ZDF) forderte er daher: „Wir müssen unsere Fehler minimieren.“

Das Hrubesch-Intermezzo soll mit dem kommenden Spiel in Domzale enden. Da der Deutsche Fußball-Bund (DFB) aber nichts überstürzen will, ist der Feuerwehrmann vielleicht doch bis zum Ende der WM-Qualifikation Anfang September mit dem voraussichtlichen „Finale“ auf Island (Hinspiel 2:3) gefordert. Die sportliche Leitung um Direktor Oliver Bierhoff werde dem Präsidium „in absehbarer Zeit“ einen Vorschlag zur Neubesetzung unterbreiten, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel: „Es wäre schön, wenn das neue Trainerteam möglichst früh anfangen kann. Aber Horst Hrubesch und sein Team machen das gut, insofern gibt es keine übergroße Eile.“