| 21:14 Uhr

Finanzskandal beim LSVS
Das Konzept lässt viele Fragen offen

Der Eingang zum Sportlertreff, der Mensa an der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken.
Der Eingang zum Sportlertreff, der Mensa an der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Der Sanierer des Landessportverbandes stellt den Fachverbänden sein Papier zur Verfügung. Die Zeit drängt. Von Mark Weishaupt, Kai Klankert und Stefan Regel
Mark Weishaupt

Die Zeit rinnt unaufhaltsam. In weniger als einer Woche muss der Gesamtvorstand des Landessportverbandes für das Saarland (LSVS) über das Sanierungskonzept abstimmen, das LSVS-Konsolidierungsberater Michael Blank erarbeitet und dem das Präsidium des LSVS bereits zugestimmt hat. Ein Konzept, dessen Inhalt harte Einschnitte vorsieht, unter anderem Dutzende Entlassungen von Mitarbeitern beinhaltet und die Schließung der Sportlermensa, dem Herzstück der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken, vorsieht.


Der Druck auf die Personen, die in die Entscheidung am kommenden Donnerstag, 21. Juni, mittelbar oder unmittelbar involviert sind, ist mit den Händen zu greifen. Ein Termin jagt den nächsten, weil bis spätestens zum Quartalsende am 30. Juni Entscheidungen fallen müssen. Hier läuft eine Frist für Kündigungen ab.

Am Mittwochabend etwa tagte die von der saarländischen Landesregierung eingesetzte „Lenkungsgruppe“ mit dem so genannten „kleinen Krisenstab“. In dieser Runde sitzen die Staatssekretäre Jürgen Barke (SPD, Wirtschaft), Christian Seel (CDU, Innen) sowie die Fraktionschefs Alexander Funk (CDU) und Stefan Pauluhn (SPD) mit den Anwälten Michael Blank und Günter Staab (Berater der Rechtsaufsicht) an einem Tisch.

Am heutigen Freitag wird Konsolidierer Blank sich mit Präsidenten einzelner Sportfachverbände aus dem LSVS treffen. Viele Verbände waren unter der Woche der Aufforderung des Saarländischen Leichtathletik-Bundes gefolgt und hatten ihn in seinem Vorstoß unterstützt. Der SLB hatte am Montag von Blank binnen zwei Tagen das Sanierungskonzept schriftlich angefordert, um ausreichend Zeit zur Vorbereitung zu haben. Kurz vor Ablauf der Frist erhielten die Verbände am Mittwoch ein 15-seitiges Papier. Das bestätigte Monika Schwarz, die Vizepräsidentin Kinder und Jugend des SLB, gestern der Saarbrücker Zeitung.

Einige Verbandsvertreter waren, weil berufstätig, in der Kürze der Zeit gestern noch gar nicht in der Lage gewesen, die 15 Seiten intensiv zu studieren. Andere wollen sich erst nach Rücksprache mit Fachleuten und ihren jeweiligen Fachverbands-Präsidien äußern. Bernd Zimmer, Präsident der Saarländischen Triathlon-Union, hat heute um 14 Uhr zusammen mit Martin Bartels, dem Präsidenten des Saarländischen Schwimmbundes, einen Termin an der Sportschule mit Blank. Zimmer hat sich das Konzept angeschaut, will sich aber nicht detailliert dazu äußern, „um kein zusätzliches Öl ins Feuer zu gießen“. Nur so viel: „Ich gehe gut vorbereitet dahin und werde ganz, ganz viele Fragen haben.“



Bartels hingegen hatte noch keine Zeit, in die 15 Seiten reinzuschauen: „Ich kann daher nichts sagen und will mir selbst ein Bild machen.“ Stefan Louis, der Präsident des Saarländischen Karate-Verbandes, konnte sich das Konzept „etwas grober anschauen“. Was er darin las, war eine Analyse, die „den aktuellen Sachstand aufschlüsselt und grob die Maßnahmen aufführt“. Auch für ihn sind noch viele Fragen offen.

Entschieden werden soll am kommenden Donnerstag unter anderem über Kündigungen, etwa des Personals der Mensa, die als einer der größten Verlustbringer gilt mit einem Jahresdefizit von 745 000 Euro. Die geplante Schließung der Einrichtung sorgt für gewaltige Diskussionen. Pikantes Detail am Rande: Nach SZ-Informationen sollen Teile der Einnahmen der Mensa, etwa Essen aus Lehrgängen an der Sportschule oder bereitgestellte Getränke in Tagungsräumen, intern gar nicht über die Kasse der Mensa abgerechnet worden sein, also in der von Blank vorgelegten Zahl fehlen. Dementsprechend wäre das Minus der Mensa deutlich geringer.