Das Konzept Birster

Saarbrücken. Das Wort Kontinuität ist im schnelllebigen Fußball-Geschäft vielerorts zu einem Fremdwort verkommen. Beim SV Auersmacher nicht. Bei dem Dorfverein ist zu erleben, was es bedeutet. In Person von Trainer Jörn Birster. Mit kontinuierlicher Arbeit hat er sich und dem Verein, der kontinuierlich auf ihn gesetzt hat, etwas aufgebaut

Saarbrücken. Das Wort Kontinuität ist im schnelllebigen Fußball-Geschäft vielerorts zu einem Fremdwort verkommen. Beim SV Auersmacher nicht. Bei dem Dorfverein ist zu erleben, was es bedeutet. In Person von Trainer Jörn Birster. Mit kontinuierlicher Arbeit hat er sich und dem Verein, der kontinuierlich auf ihn gesetzt hat, etwas aufgebaut.

"Dieses SVA-Paradies ist nicht zu toppen", gesteht der Erfolgstrainer ein. Dabei kennt er bisher nur zwei Clubs. Von der F- bis zur C-Jugend schnürte er für den SC Bliesransbach die Schuhe. Dann ging es nach Auersmacher. Dort stieß Birster 1989 aus der Jugend zu den Aktiven. Er spielte im Offensivbereich. "Bis Trainer Heinz Gorius mich 1994 auf die Liberoposition umgepolt hat", erzählt der Polizeioberkommissar, dessen Dienststelle in Blieskastel ist. Dort ist er Dienstgruppenleiter.

Der Höhenflug seiner Gruppe beim SVA nimmt fast beängstigende Ausmaße an. So staunten in Auersmacher viele nicht schlecht, als nun Post vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) kam. "Wir haben vom DFB die Informationen bekommen, was wir in der Regionalliga alles tun müssten", sagt das SVA-Urgestein. Der 38-Jährige schmunzelt und ergänzt: "Der Brief vom DFB geht in die Annalen des Vereins ein."

Wobei der erneute Aufstieg des Aufsteigers nicht unrealistisch scheint. Die Vorgaben für die Regionalliga schon - deshalb lässt der SVA die Bewerbungsfrist bis 15. März wohl verstreichen. Obwohl "die Mannschaft mit den Großen der Oberliga mithalten kann. Ich halte von Platz eins bis sechs alles für möglich. Der Saisonverlauf ist identisch mit dem in der Vorsaison. Ich traue den Jungs alles zu".

Auersmacher mischt die Oberliga so auf wie im Vorjahr die Verbandsliga. Mit der sagenhaften Tordifferenz von plus 96 (122:26) holte der SVA, bei dem kein Spieler älter als 29 Jahre ist, den Titel. Nach Problemen in der neuen Liga in der Defensive - bis Birster vom 2-6-2-System auf 4-2-3-1 umstellte - marschierte der SVA durch die Oberliga bis auf Rang zwei hinter dem SVN Zweibrücken und stellt wieder die beste Offensive.

Die 47 Tore sind auf viele Spieler verteilt. Auf Andreas Wellner, Jonas Hector (je 8), Valentin Solovej, David Cuccu (je 7) und Christian Hertel (6) zum Beispiel - Ausgeglichenheit ist neben Kontinuität auf der Trainerbank, wo Birster seit neun Jahren das Sagen hat, das zweite Erfolgsrezept. Kameradschaft das dritte - weshalb zwei Drittel der Spieler (Birster: "Die Hälfte kommt aus der eigenen Jugend") bereits verlängert haben. Auch Solovej, an dem Regionalligist 1. FC Saarbrücken interessiert sein soll.

Die Vertragsverlängerung des Trainers steht aus. "Ich habe vielleicht auf Grund der erfolgreichen Arbeit Perspektiven als Trainer", sagt der zum möglichen Interesse anderer Clubs: "Doch ich brauche zu einem Verein einen engen Bezug. Den habe ich in Auersmacher." Herzblut eben.

Mit Herzblut hat er sich etwas aufgebaut, was man nicht einfach aufgibt. Denn die Jugend, aus der auch er stammt, trägt ebenso zum Erfolg bei. Was sich nicht nur darin zeigt, dass in Jonas und Lucas Hector, Mathias Munz, Phillip Hoffmann und Hertel fünf Spieler der letzten drei A-Jugendjahrgänge den Sprung in die erste Mannschaft geschafft haben - die Jugend ist das Kapital eines finanziell eingeschränkten Clubs, wie der SV Auersmacher einer ist.

Dessen junge Truppe kann mit Herzblut und Mannschaftsgeist (Dorf-)Geschichte schreiben. Und müsste als Meister doch auf den Aufstieg verzichten. Kontinuität hätte eine Grenze erreicht. "Der Brief vom DFB geht in die Annalen des Vereins ein."

Jörn Birster (Foto: b & b), Trainer des

SV Auersmacher