"Das ist sportliche Zuhälterei"

Düsseldorf. Die Branche der Spielerberater ist ins Zwielicht geraten. Michel Platini, Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa) beklagt "Kinderhandel" und "sportliche Zuhälterei". Vereine verurteilen öffentlich die Abzockermentalität der ungeliebten Vermittler, sitzen aber im selben Boot und machen sich zum großen Teil gemein mit der Branche

Düsseldorf. Die Branche der Spielerberater ist ins Zwielicht geraten. Michel Platini, Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa) beklagt "Kinderhandel" und "sportliche Zuhälterei". Vereine verurteilen öffentlich die Abzockermentalität der ungeliebten Vermittler, sitzen aber im selben Boot und machen sich zum großen Teil gemein mit der Branche. Nationale und internationale Verbände bekommen den Wildwuchs der wegen explodierender Honorare in Verruf geratenen Szene nicht in den Griff. Innerhalb der Branche ist man angesichts steigendem Konkurrenzdruck und öffentlicher Anklagen zerstritten. "Die Branche genießt einen schlechten Ruf, und das ist richtig so", sagt Jörg Neubauer. Wie Roger Wittmann mit der Firma Rogon und Lars-Wilhelm Baumgartens mit Stars & Friends gehört er zu den größten, einflussreichsten und als seriös geltenden Spielerberatern Deutschlands. Baumgarten ist lizenzierter Spielerberater und Schatzmeister der 2007 gegründeten Deutschen Fußballspieler-Vermittler-Vereinigung (DFVV). Baumgarten und seine 52 Kollegen bei Stars & Friends agieren europaweit. Er sagt zwielichtigen Gestalten der Branche den Kampf an: "Es gibt zu viele schwarze Schafe, ganz klar. Es gibt Leute, die sind nur aufs schnelle Geld aus. Denen muss man das Handwerk legen. Wir haben die DFVV gegründet, um von dem Hinterstübchen-Image wegzukommen." Als Rechtsanwalt braucht Neubauer keine Lizenz des Weltverbands Fifa, der in seinen Statuten seit 2008 verbindliche Regelungen für Berater- und Vermittlertätigkeit verankert hat. Laut Holger Hieronymus von der Deutschen Fußball Liga (DFL) müssen die Fifa-Vorgaben bis 31. Dezember 2009 von Mitgliedsverbänden umgesetzt werden. "Wir arbeiten mit dem DFB und der DFVV an Inhalten, um klare Regelungen zu schaffen. Das ist auch dringend erforderlich, weil es so nicht weiter gehen kann", sagt Hieronymus: "Im Moment ist es fast unmöglich, unseriösen und nichtlizenzierten Beratern auf die Schliche zu kommen. Wir beschäftigen ja keine Detektive." Zudem seien nicht alle Clubs "sehr kooperativ". Der DFL und dem Deutschem Fußball-Bund (DFB) sind die in die Höhe geschossenen Honorare, vor allem der unseriösen Berater ohne Lizenz, lange ein Dorn im Auge. DFL-Präsident Reinhard Rauball sorgte für Aufsehen, als er konkrete Zahlen nannte. Die 36 Vereine der 1. und 2. Bundesliga, die in der Vorsaison 171 Millionen Euro an Transfersummen aufbrachten, gaben zusätzlich 58,8 Millionen für Berater aus. "Das Verhältnis zwischen Provisionen und Ablösesummen empfinde ich als grotesk", geißelte der Jurist die "Entwicklung in die völlig falsche Richtung". Laut Baumgarten sind Beteiligungen an Ablösesummen "eher die Ausnahme": "Üblicherweise bekommen Berater als Provision einen frei verhandelbaren Prozentsatz vom Jahresgehalt des Spielers. Das Honorar wird vom Verein bezahlt." Die Höhe sei unterschiedlich: "Meist streben die Berater zehn bis zwölf Prozent an, die Clubs wollen nur sechs bis neun Prozent zahlen. Dann trifft man sich irgendwo." Neubauer und Baumgarten plädieren für mehr Transparenz, sehen aber eine Mitschuld der Vereine. "Man kann sich von Clubseite nicht über Berater beklagen und dann nichts dagegen tun", betont Neubauer.

HintergrundTrotz Einführung der 3. Liga ist die Zahl arbeitsloser Profis im deutschen Fußball nicht gesunken. "Wir haben eine Quote von zehn Prozent", sagt Ulf Baranowsky von der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV). 60 vereinslose Profis nehmen gerade am VDV-Trainingslager in Gelsenkirchen teil, um sich fit zu halten, darunter Alessandro Caruso und Pascal Formann (beide früher 1. FC Saarbrücken) und Simon Goldhammer, der gerade bei der SV Elversberg gehen musste. dpa