Fußball: Das große Ziel WM treibt Demirbay an

Fußball : Das große Ziel WM treibt Demirbay an

Nationalspieler ist Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld der TSG Hoffenheim. Selbstvertrauen hatte er schon immer.

Kerem Demirbay ist aus der Mannschaft des Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim nicht mehr wegzudenken. Der in Herten geborene und in Gelsenkirchen aufgewachsene Sohn türkischstämmiger Eltern ist sich für keine Arbeit zu schade – aus gutem Grund. „Es geht in dieser Spielzeit in vielerlei Hinsicht um extrem viel, und ich bin sehr motiviert. Die Weltmeisterschaft ist natürlich ein großes Ziel. Und ich kann beeinflussen, ob ich dabei sein werde oder nicht – und zwar mit konstant guten Leistungen im Verein in allen Wettbewerben“, sagte der Mittelfeldspieler: „Ich will da unbedingt mitspielen“, meinte der 24-Jährige bei der Pressekonferenz vor dem Europa-League-Heimspiel gegen den türkischen Vizemeister Istanbul Basaksehir (bei Redaktionsschluss noch nicht beendet).

Obwohl Demirbay erst zwei Länderspiele (ein Tor) absolviert hat, glaubt er an seine WM-Chance. Der Confed-Cup-Sieg hat den früheren Junioren-Nationalspieler der Türkei angefixt. „Wenn man solche Triumphe feiert, pusht das einfach ungemein“, sagte Demirbay.

Mit der Türkei hätte Demirbay dieses Niveau derzeit nicht erreicht. Schließlich hat sich die Nationalmannschaft – für die sich Demirbay kurz vor dem Confed Cup fast entschieden hätte – nicht für die Endrunde qualifiziert. Allerdings sah es vor rund einem Jahr auch noch nicht danach aus, dass aus Demirbay ein ernsthafter WM-Kandidat werden könnte. Der Junge aus dem Ruhrgebiet kam im Sommer 2016 als Zweitliga-Spieler (1. FC Kaiserslautern, Fortuna Düsseldorf) in den Kraichgau – und wurde dort erst von Trainer Julian Nagelsmann zu einem Top-Spieler geformt.

Verwundert über diese rasante Entwicklung ist Demirbay („Ich bin von Natur aus selbstbewusst“) allerdings nicht. „Ich muss gestehen, dass ich auch in der zweiten Liga nie daran gezweifelt habe, diesen Weg gehen zu können“, sagt der laufstarke Spielmacher, der nach dem Abgang von Sebastian Rudy zum Dreh- und Angelpunkt im TSG-Mittelfeld geworden ist.

Sein großes Selbstbewusstsein stand Demirbay vor zwei Jahren allerdings im Weg. Nachdem er im Anschluss an einen Platzverweis einen frauenfeindlichen Spruch in Richtung von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus („Ich finde, Frauen haben im Männerfußball nichts zu suchen“) losgelassen hatte, wurde Demirbay zu einer „Erziehungsmaßnahme“ verdonnert. Er musste ein Mädchen-Fußballspiel als Schiedsrichter leiten. Dabei trug er aber einen Schal und einen hellen Designermantel – das brachte ihm dann erneut Kritik ein.