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Das Gold-Reck als Geschenk

Rio de Janeiro. Er musste im Finale als erster Turner an das Reck. Nach bangem Warten, was die Konkurrenten nach ihm machen, hatte Fabian Hambüchen schließlich Olympia-Gold sicher. Nach dem Wettkampf kam dem Wetzlarer eine verrückte Idee. dpa-Mitarbeiter Frank Thomas

Das Deutsche Haus legte er dann doch nicht in Schutt und Asche. Doch im Chaos der Gefühle kam Fabian Hambüchen auf eine andere Idee. "Ich bin nach der Mixed-Zone mit einem kanadischen Kumpel noch mal in die Halle gegangen, um das Reck zu fotografieren. Da kam mir der Gedanke: Hey Alter, das Ding musst du kaufen", erzählte der Hesse bei der Feier seines Olympia-Siegs in Rio .


Nach Bronze 2008 und Silber 2012 gewann der Turner aus Wetzlar am Ende seiner Karriere nun auch noch olympisches Gold am Reck . Und bei Olympia-Siegern lösen sich Probleme manchmal von ganz allein. Der Hersteller des Geräts, Spieth Gymnastics, will Hambüchen das Reck schenken. Seinen Platz soll es künftig in der Trainingshalle in Wetzlar finden - als Motivation für den Nachwuchs. "Auf den Pfosten sind die olympischen Ringe, und ich werde mein Autogramm drauf setzen", sagte Hambüchen.

In Wetzlar ist der 28-Jährige aufgewachsen, die Kunstturnvereinigung Obere Lahn ist sein Verein. Seine Heimatstadt will den Olympiasieger nach seiner Rückkehr aus Rio mit einem eigenen Empfang ehren. Mit einem Spalier und rauschendem Applaus hatten Fans und Kameraden den Reck-Helden am Dienstagabend schon am Eingang des Deutschen Hauses in Rio empfangen. Hambüchen tänzelte entspannt durch die Reihen und umarmte jeden. Seine scherzhafte Ankündigung, das Haus "in einen Haufen Schutt" zu zerlegen, machte er natürlich nicht wahr. "Da sind die Emotionen mit mir durchgegangen. Meine Gefühle sind im totalen Chaos ", sagte er.

Mit einer perfekten Leistung hatte Hambüchen zuvor die Konkurrenz überrascht und das erste Gold deutscher Turner seit 20 Jahren erkämpft. "Es ist einfach nicht in Worte zu fassen, was hier abgeht. Wahnsinn", meinte er und wies in jedem Interview auf die innige, wenn auch oft kontroverse Beziehung, zu seinem Vater hin. "Das war die geilste Zeit in unserem Leben. Jetzt können wir beruhigt aufhören."

Wolfgang Hambüchen hielt sich bei der großen Party seines Sohnes dezent im Hintergrund. Doch gab er zu, dass auch er im Februar daran gezweifelt hat, ob sein Sohn angesichts der massiven Schulterschmerzen Olympia überhaupt erleben werde. Er verriet, dass auch IOC-Präsident Thomas Bach einen Anteil an der Krönung der Karriere seines Sohnes hat. "Er hat Fabian direkt angerufen und eine Vermittlung zum früheren Arzt von Bayern München, Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, angeboten. Das war im März, als er vor Schmerzen nicht mal die Kühlschranktür öffnen konnte", berichtete der Vater. Die Untersuchung trug zusammen mit der Behandlung bei Cyrus Salehi, dem "Mann mit den goldenen Händen", zum "Wunder von Rio " bei. "Er hat oft mit leeren Augen vor mir gelegen und Zweifel gehabt. Aber ich war überzeugt: Wir schaffen das", sagte Physiotherapeut Salehi.



Jetzt gilt Fabian Hambüchens Konzentration dem Abschluss des Studiums an der Sporthochschule Köln. Noch steht nicht fest, ob er die Trainerlaufbahn einschlägt oder im Sportmanagement arbeitet. Auch werde er vielleicht noch in der Bundesliga aktiv sein. "Mein Leben wird sich durch den Olympiasieg nicht verändern", sagte der 28-Jährige.