Das Drama von Genua

Genua. Irgendwann schwiegen die Massen im Stadio Marassi. Die Anhängerschaft von Sampdoria Genua wollte nicht wirklich wahrhaben, dass der deutsche Fußball als Spielverderber gekommen war. In einem wahren Drama rettete sich Werder Bremen in die Verlängerung und erzwang letztlich eine 2:3 (0:2)-Niederlage, die zum Weiterkommen in die Champions League reicht

Genua. Irgendwann schwiegen die Massen im Stadio Marassi. Die Anhängerschaft von Sampdoria Genua wollte nicht wirklich wahrhaben, dass der deutsche Fußball als Spielverderber gekommen war. In einem wahren Drama rettete sich Werder Bremen in die Verlängerung und erzwang letztlich eine 2:3 (0:2)-Niederlage, die zum Weiterkommen in die Champions League reicht. Die Hanseaten hatten einen 3:1-Vorsprung in das Playoff-Rückspiel gebracht - und schienen ihn an diesem schwülen Sommerabend im Golf von Genua nach Toren von Giampaolo Pazzini (9. und 14.) und Antonio Cassano (85.) schon komplett verspielt zu haben, ehe der eingewechselte Markus Rosenberg die Verlängerung erzwang (90.+3.). Schlussendlich war es der peruanische Torgarant Claudio Pizarro, dessen Fernschuss einen achtstelligen Betrag wert war und das fanatische Publikum ruhig stellte (100.).Danach sah es lange nicht aus. Was war nur anfänglich in die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf gefahren? Sie hatten doch gewusst, dass die Spielstätte im Herzen der Hafenstadt die wohl lauteste Institution des Apennin darstellt, und doch ließen sich die Gäste von der imposanten Kulisse ebenso beeindrucken wie von der aggressiven Gangart Genuas. Es dauerte keine 14 Minuten, da ließ sich Irrwisch Pazzini als Doppeltorschütze feiern. Die Bremer Abwehr übte sich jeweils in unerklärlicher Passivität. Die Gäste gewannen kaum einen Zweikampf - die Halbherzigkeit eines Tim Borowski grenzte fast an Arbeitsverweigerung, die Außenverteidiger Petri Pasanen und Clemens Fritz standen neben sich und weit weg von ihren Gegenspielern. Und als Cassano auch noch kur vor Schluss mit einem Konter das 3:0 glückte, schien alles verloren.Doch in der dritten Minute der Nachspielzeit schlugen die Gäste zurück: Markus Rosenberg, eigentlich in der Sommerpause zum Verkauf stehend, setzte einen Fernschuss an, der unhaltbar ins Eck rauschte. Damit war das Hinspielresultat egalisiert - und Schaaf hatte mit seinen Einwechslungen Erfolg. Zuvor war nämlich der Schwede für Sandro Wagner gekommen, der überraschend das Vertrauen erhalten hatte, doch überfordert wirkte. Erst mit der überfälligen Hereinnahme von Marko Arnautovic (61.) und eben Rosenberg (72.) wirkte Werder gefährlicher. Mit dem glücklichen Weiterkommen kann Werder Einnahmen in der Größenordnung des Özil-Verkaufs (etwa 15 Millionen Euro) verbuchen - und in der Gruppenphase vielleicht für weitere Dramen sorgen. hel