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Olympische Winterspiele 2018
Das Dorf ist eröffnet, die Athleten können kommen

Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), eröffnete gestern das olympische Dorf in Pyeongchang.
Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), eröffnete gestern das olympische Dorf in Pyeongchang. FOTO: dpa / --
Pyeongchang. Erste Sportler beziehen Unterkünfte in Pyeongchang. Eine Woche vor dem Olympiastart sind 75 Prozent aller Eintrittskarten verkauft.

Mit einer Zeremonie im kleinen Rahmen ist am Donnerstag in Anwesenheit von IOC-Präsident Thomas Bach das olympische Dorf in Pyeongchang eröffnet worden, wo ab dem Freitag kommender Woche bis zum 25. Februar die Winterspiele stattfinden. Neben dem olympischen Dorf in der Bergregion gibt es in Gangneung ein zweites Athleten-Dorf, in der östlichen Küstenstadt werden die Eis-Wettbewerbe ausgetragen.


„Wir können jetzt schon sagen, dass dieses olympische Dorf eines der besten ist, wenn nicht das beste“, sagte Bach bei hervorragenden äußeren Bedingungen mit strahlend blauem Himmel und Temperaturen um den Gefrierpunkt. Organisations-Chef Lee Hee Beom fügte bei der Zeremonie vor Ehrengästen, Freiwilligen und Medienvertretern hinzu: „Das ist ein Platz, an dem alle Athleten entspannen können.“

Insgesamt können die beiden Athletendörfer etwa 6800 Aktive und Betreuer beherbergen. Rund 2900 Sportler aus mehr als 90 Ländern werden zu den Spielen vom 9. bis 25. Februar in Südkorea erwartet. Als erste Deutsche wurden acht Eisschnellläufer um die fünfmalige Olympiasiegerin Claudia Pechstein in Südkorea erwartet.



Südkorea sieht sich für sein zweites Ringe-Spektakel gut gerüstet. Vor 30 Jahren hatten die Sommerspiele 1988 in Seoul das Land erst richtig bekannt gemacht. Die Winterspiele sollen nun nicht nur den Schneetourismus fördern, sondern auch die Leistungskraft des Landes zur Schau stellen. Der Spiele-Slogan „Passion.connected“ (Leidenschaft.verbunden) klingt modern. Südkorea ist eines der am besten vernetzten Länder der Erde.

Vor allem aber sollen es auch „Olympische Spiele des Friedens“ werden, wie die Regierung und die Organisatoren immer wieder betonen – auch bei der Feier im Athletendorf. Grund dafür ist die Teilnahme Nordkoreas, die quasi erst in letzter Minute zustande kam. Die Zusage hat die Angst vor einer Eskalation im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm zum großen Teil verdrängt – zumindest vorerst. Nach den zwölf Eishockeyspielerinnen für eine gemeinsame Eishockeymannschaft mit Südkorea schickte Nordkorea am Donnerstag weitere zehn Athleten und Athletinnen.

Die Olympia-Macher versprechen erstklassige Sportstätten und kurze Anfahrtswege. Umgerechnet mehr als zehn Milliarden Euro lässt sich das Land die Spiele kosten, wenn Infrastrukturmaßnahmen wie der Bau einer neuen Trasse für einen Hochgeschwindigkeitszug zwischen der Westküste und der Provinz Gangwon eingerechnet werden. Das ist im Vergleich zu den Ausgaben im Umfang von etwa 50 Milliarden Euro für die Winterspiele von Sotschi vor vier Jahren zwar gering, für Südkorea war es trotzdem eine große finanzielle Herausforderung.

Für die zwölf Olympia-Sportstätten, darunter sechs neu gebaute Anlagen, gab es aber nach anfänglichen Verzögerungen schon in den vergangenen Monaten regelmäßig Lob vom Internationalen Olympischen Komitee. Seinen Gästen will Südkorea Spiele der Superlative vorführen. Genau 2925 Athleten aus 92 Ländern haben nach Angaben des OK ihre Teilnahme an den Wettkämpfen bestätigt – so viele wie noch nie bei Winterspielen.

Die Begeisterung im Land für die Spiele war lange Zeit verhalten, zumal Südkorea nicht als enthusiastisches Wintersportland bekannt ist. Doch das Interesse wurde stärker, je näher die Spiele heranrückten. Nach Angaben des Organisationskomitees fanden bis Mittwoch 799 000 Eintrittskarten (74,8 Prozent) einen Abnehmer.