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Fußball-Bundesliga
Das Derby der Enttäuschten

Der Hamburger SV braucht dringend Siege: Das weiß auch Aaron Hunt vor dem Derby gegen seinen Ex-Club Werder Bremen genau.
Der Hamburger SV braucht dringend Siege: Das weiß auch Aaron Hunt vor dem Derby gegen seinen Ex-Club Werder Bremen genau. FOTO: dpa / Patrick Seeger
Hamburg/Bremen. Das Nordderby zwischen Werder Bremen und dem HSV hat Brisanz. Vor allem die Gäste stehen unter Druck.

Seit nun schon 100 Tagen wartet Fußball-Bundesligist Hamburger SV auf einen Sieg. Zum Jubiläum droht dem Tabellen-Vorletzten ausgerechnet beim ungeliebten Nordrivalen Werder Bremen der nächste Tiefschlag. Mit einem Erfolg im Derby der Enttäuschten kann sich der HSV nicht nur selbst helfen, sondern die Bremer wieder tief in den Abstiegskampf hineinziehen. „Es ist ein wichtiges Spiel, bei dem alles passieren kann. Wir müssen mit kühlem Kopf rangehen, aber mit heißem Herzen“, sagte Hamburgs Feuerwehrmann Bernd Hollerbach.


Für den HSV wäre eine Niederlage an diesem Samstag (18.30 Uhr/Sky) im Weserstadion wohl noch schlimmer als das Scheitern im Jahr 2009. Damals zermalmten die Bremer binnen 19 Tagen die Hoffnungen der Hamburger gleich in drei Wettbewerben. Wie tief die beiden Konkurrenten abgerutscht sind, zeigt dieser Blick zurück in jene Zeit, als Werder und der HSV noch europäisch spielten. Seit einigen Jahren geht es bei den Nordderbys fast durchgängig um den Klassenverbleib.

Für den HSV ist der Druck besonders groß. Bei sechs Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz hilft den seit dem 26. November (3:0 gegen 1899 Hoffenheim) auf einen Sieg wartenden Hamburgern nur ein Erfolg, um im Kampf gegen den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte nicht schon fast aussichtslos zurückzufallen. Auch wenn Hollerbach davon nichts wissen will: „Bei einer Niederlage haben wir immer noch zehn Spiele.“ Als Profi hatte der 48-Jährige öfter an der Weser gewonnen. Allerdings ist er selbst sehr viel länger als sein Club ohne Erfolgserlebnis. Den letzten Sieg feierte er mit dem späteren Absteiger Würzburger Kickers in der 2. Liga beim 3:0 über den VfB Stuttgart am 18. Dezember 2016. Von Mai 2017 bis Januar 2018 hatte Hollerbach keinen Job.

Allen miesen Serien zum Trotz kommt Aaron Hunt das Prestigeduell bei seinem Ex-Club gerade recht, um den Negativlauf zu beenden. „Es ist die große Chance, etwas geradezurücken“, sagte der Spielmacher, der zehn Jahre das Werder-Trikot getragen und in 285 Pflichtspielen 51 Tore erzielt hat.

Anno 2018 geht es in Bremen und eine Woche später im Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 um die letzten Chancen auf Erstliga-Zugehörigkeit. Hunt übt sich in Zweckoptimismus. „Ich bin überzeugt, dass wir aus unserer Situation herauskommen. Ich bin noch nie in meiner Karriere abgestiegen und dabei soll es auch bleiben“, erklärte der Routinier.



Der 31-Jährige räumt vor dem Auftritt an alter Wirkungsstätte ein, dass der anhaltende Existenzkampf den Profis aufs Gemüt schlägt. „Die Abstiegsangst ist in den Köpfen und belastet vor allem die jüngeren Spieler. Da helfen nur Erfolgserlebnisse“, erklärte Hunt.

Davon hatten zuletzt die Bremer einige mehr. Dennoch will Werder-Trainer Florian Kohfeldt auch bei einem Heimsieg gegen den HSV nichts von einer Vorentscheidung wissen. „Der Abstiegskampf geht danach weiter, egal wie die Partie am Samstag ausgeht“, sagte er. Sein Mitleid mit den Hamburgern hält sich in Grenzen. Ob ihm der der HSV im Fall des Abstiegs fehlen würde? „Am allermeisten würde mir Werder Bremen in der Liga fehlen“, sagte Kohfeldt.