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"Das coolste Rennen von allen"

Nürburgring. Ein Sonntagmorgen zwischen Hoher Acht und Brünnchen. Langsam schieben sich die ersten Sonnenstrahlen durch die Bäume. Der Duft von Kaffee und frisch gebackten Eiern mit Speck liegt in der Luft. Plötzlich zerreißt ein aufheulender Motor die Idylle Von SZ-Redakteur Peter Wilhelm

Nürburgring. Ein Sonntagmorgen zwischen Hoher Acht und Brünnchen. Langsam schieben sich die ersten Sonnenstrahlen durch die Bäume. Der Duft von Kaffee und frisch gebackten Eiern mit Speck liegt in der Luft. Plötzlich zerreißt ein aufheulender Motor die Idylle. Keine zehn Meter entfernt glüht ein Porsche das Kurvengeschlängel der Nordschleife hinunter - eine Corvette donnert im Millimeter-Abstand hinterher. Für echte Motorsport-Fans kann es keinen schöneren Morgen geben.



Am Wochenende nach Christi Himmelfahrt geht's wieder rund in der Grünen Hölle: Fast schon traditionell pilgern rund 200 000 Zuschauer zum 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife. Es ist eine Traditionsveranstaltung mit Kultcharakter: Seit Montag schon sind die ersten Zelte rund um die Strecke aufgebaut - viele Fans verbringen hier ihren Jahresurlaub. Es ist ein Mix aus Partystimmung und packendem Motorsport, der die Fans in seinen Bann zieht. Und auch die Fahrer. Seit Jahren schon kommen Australier und Neuseeländer um die halbe Welt geflogen, um bei dem Langstrecken-Klassiker mitzufahren. In diesem Jahr sind erstmals sogar Fahrer aus Costa Rica, Panama und El Salvador am Start. Den Sieg aber machen andere unter sich aus: Rennlegenden wie Hans-Joachim Stuck, DTM-Champions wie Timo Scheider und Mattias Ekström (alle Audi) oder der dreifache Tourenwagen-Weltmeister Andy Priaulx (BMW).

Und dann ist da noch der gebürtige Homburger Timo Bernhard. Er hat den Klassiker zuletzt dreimal in Folge gewinnen können und geht mit seinen Teamkollegen Marc Lieb, Romain Dumas und Marcel Tiemann wieder an den Start - in einem 480 PS starken Porsche 911 GT3 RSR. "Zum vierten Mal hintereinander zu gewinnen, wäre ein Traum", gibt der Porsche-Werksfahrer zu. "Doch die Änderungen im technischen Reglement haben unser Auto erheblich eingebremst. Vor allem auf den Bergauf-Stücken spürt man den Leistungsverlust deutlich. Es wird nicht einfach."

In der Tat dürfte das Rennen in diesem Jahr so spannend werden wie lange nicht mehr. Insgesamt sind fast zwei Dutzend Hersteller am Start - die in den vergangenen Jahren erfolgreiche Porsche-Armada trifft auf Audi, Aston Martin, BMW, Dodge Viper, Ford GT, Opel, Nissan und viele weitere Gegner. "Ich denke, es gibt mindestens zwei Handvoll Autos, die vorne fahren können. Am Ende wird es darauf ankommen, dass man gut durchkommt und bei Überrundungsmanövern keine Fehler macht", sagt DTM-Meister Timo Scheider, der sich ein Auto mit Mattias Ekström und Marco Werner teilt. Das Trio gilt als einer der Haupt-Herausforderer von Bernhard.

Im Gegensatz zu den 24 Stunden von Le Mans konnte Audi den Langstrecken-Klassiker in der Eifel noch nie gewinnen. Diese Scharte wollen die Ingolstädter nun auswetzen. Das Mittel zum Zweck: vier rund 500 PS starke Audi R8. "Sicherlich gehören wir zum Kreis der Favoriten", sagt Hans-Joachim Stuck, der sich mit Ex-DTM-Pilot Marcel Fässler und den vielfachen Le-Mans-Siegern Frank Biela und Emanuele Pirro auf einem anderen Audi abwechselt. Warum der 58-Jährige immer noch die Finger nicht vom Lenkrad lassen kann? "Für mich gibt es einfach kein cooleres Rennen als dieses", sagt Stuck. Und Teamkollege Biela schwärmt: "Die Nordschleife ist einfach immer eine Herausforderung und macht immer Spaß - egal, wie oft man schon da gewesen ist. Egal, wie alt man ist." Die Fans sehen das nicht anders.