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DFB-Pokal
Das Aus – nur 91 Tage nach dem Triumph

Die Ulmer Nico Gutjahr und Felix Nierichlo (von links) freuen sich mit Torschütze Steffen Kienle und Mitgliedern des Trainerstabs über das 1:0.
Die Ulmer Nico Gutjahr und Felix Nierichlo (von links) freuen sich mit Torschütze Steffen Kienle und Mitgliedern des Trainerstabs über das 1:0. FOTO: dpa / Sebastian Gollnow
Ulm. DFB-Pokalsieger Eintracht Frankfurt scheitert in der ersten Runde überraschend am Südwest-Regionalligisten Ulm. sid

Nach dem zweiten Desaster innerhalb von sechs Tagen besaßen die Spieler von Eintracht Frankfurt immerhin noch den Anstand, auf die Kurve ihrer Anhänger zuzugehen. Unmut bekamen sie von dort aber nicht zu hören – das Entsetzen über das 1:2 (0:0) beim Südwest-Regionalligisten SSV Ulm 1846 Fußball war offenkundig so groß, dass es eine lähmende Wirkung hatte. 91 Tage nach dem grandiosen Triumph im DFB-Pokal sind Eintracht Frankfurt und seine Fans schon wieder am Boden zerstört.


Erst das 0:5 im Supercup gegen den FC Bayern, den im Pokalfinale so grandios besiegten Rekordtitelträger – nun die Blamage beim Ligakonkurrenten der Saar-Clubs Saarbrücken, Homburg und Elversberg. Als erster Pokalsieger seit 22 Jahren ist Frankfurt schon beim ersten Schritt zur Titelverteidigung gescheitert. „Gegen den FC Bayern kann man verlieren“, sagte der neue Frankfurter Trainer Adi Hütter: „Dass wir hier verlieren, ist enttäuschend, da braucht man nicht um den heißen Brei rumzureden.“

Nein, beschönigen wollten sie bei der Eintracht nun in der Tat nichts. Danny Da Costa etwa sagte: „Es gibt kaum ein Wort, das beschreiben kann, wie schlecht wir uns angestellt haben.“ Der genervt wirkende Sportdirektor Bruno Hübner betonte mehrfach, wie „enttäuschend“ das Ausscheiden sei, dass „man bei einem Viertligisten nicht verlieren darf“ und dass „man das nicht schönzureden braucht“. Trainer Hütter sagte mit leiser Stimme: „Dass ich mir das anders vorgestellt habe, ist wohl allen klar.“



Die Eintracht hatte jede Menge Pech: Bei Schüssen von Luka Jovic (37. Minute) und Juan De Guzmann (65.) stand der Pfosten im Weg, den Treffern von Jovic (40.) und Sebastien Heller (60.) versagten die Schiedsrichter um Timo Gerach wegen Abseits die Anerkennung. Im Fall von Jovic wohl zu Unrecht. Sportvorstand Fredi Bobic aber wollte das nicht als Ausrede gelten lassen. „Für mich gab es zu wenig Wille und Galligkeit, diese Tore zu machen“, sagte er.

Auch Makoto Hasebe monierte die Einstellung, er habe, sagte er, „keine Leidenschaft“ gesehen. Hübner versicherte, schon beim Bundesliga-Auftakt am kommenden Samstag beim SC Freiburg „werden wir ein anderes Gesicht zeigen“. Aber welches? Die Eintracht wirkt, Stand jetzt, nicht homogen, das Gerüst ist nach Abgängen wie jenen von Kevin-Prince Boateng, Lukas Hradecky oder Marius Wolf instabil. „Wir müssen eine neue Mannschaft aufbauen. Das geht alles nicht von heute auf morgen“, sagte Hütter, der als Nachfolger von Niko Kovac direkt brutal unter Druck steht – gerade aufgrund der gewachsenen Erwartungshaltung aus der Vorsaison.

Der Ulmer Trainer Holger Bechthaler, bislang bei der U19 von Red Bull Salzburg beschäftigt, ist da weiter: Seine Mannschaft wirkte nach bereits vier Spielen in der Regionalliga Südwest sehr homogen. Die Tore für den früheren Bundesligisten, der seit dem Abstieg 2000 einen Lizenzentzug und drei Insolvenzen hinter sich hat, die letzte erst im Jahr 2014, erzielten Steffen Kienle (48.) und Vitalij Lux (75.). Goncalo Pacienca (90.) verkürzte nur noch.

Es war übrigens nicht die erste Sensation in Ulm: Bei ihrer letzten Pokal-Teilnahme vor mittlerweile 17 Jahren hatten die Gastgeber als Fünftligist den damaligen Erstligisten 1. FC Nürnberg besiegt. Das ist einmalig in der Geschichte des Wettbewerbs. Fast so einmalig wie das Frankfurter Scheitern.

Trainer Adi Hütter ist nach seinem Pflichtspieldebüt für Eintracht Frankfurt bedient.
Trainer Adi Hütter ist nach seinem Pflichtspieldebüt für Eintracht Frankfurt bedient. FOTO: dpa / Sebastian Gollnow