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Rückspiele stehen an
Das Achtelfinale fest im Visier

So wie er hier Gladbachs Lars Stindl davon abhält, an den Ball zu kommen, so will Lukasz Piszczek heute auch seine Gegenspieler von Atalanta Bergamo davon abhalten, Borussia Dortmund aus der Europa League zu werfen.
So wie er hier Gladbachs Lars Stindl davon abhält, an den Ball zu kommen, so will Lukasz Piszczek heute auch seine Gegenspieler von Atalanta Bergamo davon abhalten, Borussia Dortmund aus der Europa League zu werfen. FOTO: Federico Gambarini / dpa
Dortmund/Leipzig. Europa League: Dortmund hat gegen Bergamo eine gute Ausgangsposition, Leipzig gegen Neapel eine hervorragende.

„Buona sera, Achtelfinale“ oder „Arrivederci, Europa? Die Italien-Wochen in der Europa League steuern für Borussia Dortmund und RB Leipzig am heutigen Donnerstag ihrem großen Höhepunkt zu. Während sich der BVB gegen Atalanta Bergamo noch ordentlich mühen muss, damit in der nächsten Runde nicht die Küche kalt bleibt, können die Sachsen ihr Heimspiel gegen den SSC Neapel mit südländischer Gemütlichkeit und Gelassenheit angehen.


Ein Remis würde den Dortmundern in Reggio Emilia (21.05 Uhr/Sky und Sport1) reichen, um das Achtelfinal-Ticket zu lösen. Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass Bergamo in der Europa League bislang alle Heimspiele gewonnen hat. „Das wichtigste ist, dass wir Donnerstag nicht verlieren. Dass das nicht einfach wird, ist uns allen klar“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vor der Abreise am Dortmunder Flughafen.

Eine Schwächephase wie beim 3:2-Sieg im Hinspiel vor einer Woche sollte sich der BVB nicht leisten. Bergamo reicht gegen den BVB ein 1:0. Wackler kann man sich in der Dortmunder Defensive also nicht erlauben. Der Tabellenachte aus Italien nutzte die Unkonzentriertheiten der Dortmunder damals nach der Pause gnadenlos aus und schoss zwei wichtige Auswärtstore.

Eine Erfahrung, die Trainer Peter Stöger nicht noch einmal machen möchte: „Das wird uns helfen, dass wir so bestraft worden sind – in unserer Entwicklung.“ Auch Lukas Piszczek glaubt, man habe „die Stabilität gefunden“. Der Trainer gebe der Mannschaft sehr viel mit, gerade durch seine Ruhe. „Wir werden mit jedem Spiel besser“, sagte der Verteidiger. Zudem kann Stöger wieder mit Kapitän Marcel Schmelzer planen, der nach seinem Muskelfaserriss in den Kader zurückkehrt.

In Leipzig gibt man sich trotz des 3:1-Erfolgs aus dem Hinspiel in Neapel verhalten. „Wir brauchen uns im Rückspiel nicht ausruhen, denn die Jungs haben sehr viel Qualität, und da kann es dann auch schnell gehen“, sagte RB-Flügelspieler Marcel Sabitzer. Leipzig hält professionellerweise die Konzentration hoch, doch heute (19 Uhr/Sky) reicht selbst ein 0:2 zum Weiterkommen.



Ist das Achtelfinale also doch aller RB-Bekundungen zum Trotz ein Selbstläufer? „Das nicht, Neapel ist auch auswärts fähig, Tore zu schießen. Aber eigentlich sollte da nichts mehr anbrennen“, sagte der Weltmeister und ausgewiesene Italien-Kenner Sami Khedira der Leipziger Volkszeitung. Khediras leichte Warnung ist berechtigt. Mit dem im ersten Spiel gesperrten Stürmer Dries Mertens kommt Napolis wichtigste Offensiv-Waffe zurück. Auch der Italiener Lorenzo Insigne, der bei der Hinspiel-Pleite zunächst nur auf der Bank gesessen hatte, wird wohl beginnen. Dass Leipzig derweil voraussichtlich auf die Defensiv-Stabilisatoren Naby Keita (Oberschenkelverletzung) und Willi Orban (Schnittwunde) verzichten muss, dürfte zumindest Neapel gern gelesen haben.

Und dennoch: Das erste Europapokal-Achtelfinale ist zum Greifen nah. Motivation könnten auch die Szenen von vor 30 Jahren geben. In Leipzig sind sie noch genau präsent. Der Fußball-Zirkus SSC Neapel war 1988 in der Stadt – inklusive Hauptattraktion Diego Maradona. Ein tapferes 1:1 errang der 1. FC Lokomotive im heimischen Zentralstadion in der zweiten Uefa-Cup-Runde, nur, um im Rückspiel am Fuße des Vesuvs sang-und klanglos mit 0:2 auszuscheiden. Das soll diesmal anders laufen. Immerhin reicht das Rückspiel-Ergebnis von damals diesmal zum Weiterkommen.

Für Neapels kettenrauchenden Trainer Maurizio Sarri (59) baut RB Leipzig extra die Gästekabine um und richtet eine Raucherbox ein. Sogar die Rauchmelder werden ausgeschaltet. Im Hinspiel hatte Sarri die gesamte Zeit am Spielfeldrand auf einem Zigarettenstummel herumgekaut.