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Fußball
Bitterböser Abschied vom Bieberer Berg

 Winter-Neuzugang Ihab Darwiche soll die Homburger Offensive deutlich verstärken. Da hakte es in der ersten Saisonhälfte in den Spielen gegen tiefstehende Gegner.
Winter-Neuzugang Ihab Darwiche soll die Homburger Offensive deutlich verstärken. Da hakte es in der ersten Saisonhälfte in den Spielen gegen tiefstehende Gegner. FOTO: Andreas Schlichter
Homburg. Beim FC Homburg hofft Ihab Darwiche auf einen Neustart. Bei Kickers Offenbach lief es im letzten halben Jahr alles andere als rund. Von Ralph Tiné

Dass der FC Homburg als Aufsteiger nach mehr als der Hälfte der Saison auf Tabellenplatz sechs der Fußball-Regionalliga Südwest überwintert, ist grundsätzlich eine beachtliche Leistung. Allerdings könnten die Grün-Weißen noch ein gutes Stück näher hinter Spitzenreiter Waldhof Mannheim lauern. Denn die zehn Punkte Rückstand auf Platz eins resultieren vor allem aus häufigen Punktverlusten gegen defensiv eingestellte Gegner aus den unteren Tabellenregionen.


Mit der Verpflichtung von Ihab Darwiche wollen die Homburger an diesem Problem ansetzen. „Natürlich ist die Verpflichtung auch eine Reaktion darauf, dass wir uns bisher gegen tiefstehende Gegner schwer getan haben“, sagt Jürgen Luginger. Der Cheftrainer erklärt, was er sich von dem neuen Mann erwartet: „Wir brauchen Spieler, die 1:1-Situationen suchen und lösen können – auch in engen Räumen. Ihab hat den Mut dazu.“

15 Treffer und 17 Torvorlagen hat der Deutsch-Libanese in 66 Spielen für Kickers Offenbach verbucht, bevor er Ende Januar zum FCH wechselte. Trotz der mehr als ordentlichen Bilanz knirschte es im Gebälk zwischen dem Spieler und dem neuen OFC-Trainer Daniel Steuernagel und -Sportdirektor Sead Mehic gewaltig. „Ich wollte schon im Sommer weg, aber da hat mich der Verein nicht gelassen. Ich hatte schon damals gemerkt, dass es nicht mehr passt – weder mit dem Sportdirektor, noch mit dem neuen Trainer. Mir wurde einiges versprochen, was nicht eingehalten wurde, so dass ich mich nicht mehr wohlgefühlt hatte“, erläutert der 25-Jährige.



Wie groß der Frust beim Spieler war, zeigte sich auch in einem mittlerweile gelöschten Facebook-Beitrag an die OFC-Fans, in dem sich Darwiche nach seinem Abgang am Bieberer Berg über den Umgang seines Ex-Vereins mit ihm beschwerte. „Ich hatte mich per Facebook an die Öffentlichkeit gewandt, weil ich wusste, wenn ich ein Interview in der Offenbacher Presse gebe, wird die Hälfte weggelassen“, erklärt er seinen Schritt. Die OFC-Verantwortlichen konterten die Vorwürfe des Spielers, der ihnen unter anderem „amateurhaftes Verhalten“ vorgehalten hatte, wiederum über die Presse damit, dass sich Darwiche unprofessionell verhalten habe.

Ab sofort will Darwiche die Querelen in Offenbach hinter sich lassen und in Homburg neu durchstarten: „Ich hatte in Offenbach trotz allem eine schöne Zeit. Jetzt hoffe ich, dass ich in Homburg eine noch geilere Zeit haben werde.“

Hoffnung darauf macht ihm nicht zuletzt Co-Trainer Joti Stamatopoulos, der vor seinem Wechsel nach Homburg im vergangenen Sommer in gleicher Funktion beim OFC gearbeitet und der entscheidenden Anteil am Wechsel des Offensivmannes ins Saarland hatte. „Ich weiß, was ich mit Joti habe. Wir kennen uns sehr gut. Deshalb wusste ich, dass es hier passen wird“, sagt Darwiche.

„Ich war schon überrascht, dass er in Offenbach nicht die Einsatzzeit bekam, die ein Spieler mit seiner Qualität haben müsste. Ihab passt menschlich und fußballerisch sehr gut in unsere Mannschaft. Er ist für jeden Spaß zu haben. Aber wenn es darauf ankommt, ist er voll fokussiert“, sagt Stamatopoulos über seinen alten und neuen Schützling. Sportlich ist Darwiche sowohl in der offensiven Zentrale als auch auf den Außenpositionen einsetzbar. Sein ideales Terrain sieht er selbst auf der rechten Außenbahn: „Da habe ich als Linksfuß die meisten Möglichkeiten.“ Wo ihn Trainer Luginger vorsieht, wird womöglich die Generalprobe an diesem Samstag (14.30 Uhr) beim luxemburgischen Meister und Europa-League-Teilnehmer F91 Düdelingen zeigen.

Die Eingewöhnung beim FCH sei ihm zumindest alles andere als schwer gefallen. „Die anderen haben mir sofort ihre Hilfe angeboten. Man fühlt sich hier nicht fremd“, sagt Darwiche, der abseits vom Fußball lieber „mit meinen Jungs unterwegs“ ist, als zuhause vor der Playstation zu hocken. Privat hat der in Mülheim an der Ruhr geborene Spieler seine Heimat in Schöneck gefunden. Dort wohnt er Tür an Tür mit Teamkollege Patrick Lienhard.