Darts-Superstar van Gerwen triumphiert erstmals in der Saarlandhalle

Darts : Die Nummer eins triumphiert in Saarbrücken

Superstar Michael van Gerwen hat die German Darts Open in der Saarlandhalle gewonnen – vor deutlich weniger Fans als im Vorjahr.

Michael van Gerwen hat es endlich geschafft. Der beste Darts-Spieler der Welt hat am Sonntag zum ersten Mal in seiner Karriere die German Darts Open in der Saarbrücker Saarlandhalle gewonnen. Im Finale setzte sich der Niederländer mit 8:3 gegen den Engländer Ian White durch. „Ich habe ihn gewinnen lassen. Irgendwann muss Michael ja mal hier gegen mich gewinnen und den Titel holen“, scherzte der 48-jährige White.

In den vergangenen beiden Jahren hatte White van Gerwen jeweils im Viertelfinale besiegt und nach Hause geschickt. „Ich bin überglücklich, dass ich endlich hier gewonnen habe. Ich weiß nicht, wann ein Turnier das letzte Mal so ausgeglichen und spannend war“, sagte der 30-jährige van Gerwen strahlend.

Während van Gerwen standardmäßig mit großem Jubel vom Publikum gefeiert wurde, spielte sich White am Samstag und Sonntag in die Herzen der Saarländer. „The Diamond“, so der Spitznahme des Engländers, schlug im Halbfinale den ehemaligen Weltmeister Rob Cross aus England mit 7:5 und unterhielt das Publikum mit einigen verrückten Aktionen. Nach dem Halbfinale taumelte White von der Bühne und täuschte einen Sturz vor. Wenig später stand er plötzlich im Wintermantel wieder auf der Bühne und animierte das Publikum. „Wir sind doch alle hier, um eine gute Zeit zu haben. Ich liebe diese kleinen Späße“, sagte White.

Späße und Animationen, die das Publikum in Saarbrücken auch gut gebrauchen konnte. Denn die Stimmung in der Halle war in diesem Jahr nicht ansatzweise so ausgelassen wie im vergangenen Jahr, als der deutsche Darts-Profi Max Hopp das Turnier sensationell gewann und die Halle im Prinzip den ganzen Sonntag Kopf stand. In diesem Jahr gab es ein paar Fangesänge und den Jubelklassiker, wenn ein Spieler das Maximum von 180 Punkten geworfen hatte. Viel mehr tat sich in der bei Weitem nicht ausverkauften Halle nicht. An allen drei Turniertagen gab es viele freie Plätze in der Halle. „Das ist nichts Ungewohntes. Im ersten Jahr war das Interesse sehr groß, da das Turnier zum ersten Mal überhaupt in Saarbrücken stattfand. Im zweiten Jahr war Max Hopp das große Zugpferd“, sagte Niclas Junker, der Pressesprecher der Professional Darts Corporation Europe, die die Europa-Tour veranstaltet.

Waren im vergangenen Jahr noch 15 000 Zuschauer an drei Tagen in der Saarlandhalle, so waren es in diesem Jahr lediglich 9000 Fans. Im kommenden Herbst wird entschieden, ob Saarbrücken auch im kommenden Jahr Austragungsort der Europa-Tour sein wird. „Dass weniger Zuschauer kamen, ist kein Ausschlusskriterium für Saarbrücken. Es geht auch um andere Dinge. Logistisch ist die Saarlandhalle zum Beispiel optimal“, sagte Junker.

Was das Niveau des Sports angeht, gab es in Saarbrücken absolute Höchstleistungen zu sehen. Am Freitag gelang dem 55-jährigen Engländer Steve Beaton mit einem sogenannten Neun-Darter das perfekte Spiel. Zum Leidwesen des Saarländers Gabriel Clemens präsentierte sich auch die Darts-Legende Raymond van Barneveld in Topform. Der fünfmalige Weltmeister aus den Niederlanden schlug den Honzrather am Freitag mit 6:3. „Es war ein tolles Gefühl, einmal gegen die Legende spielen zu dürfen. Leider hat es für mich nicht ganz gereicht“, sagte Clemens. Der 35-Jährige wurde von van Barneveld in den höchsten Tönen gelobt: „Ich bin mir sicher, dass Deutschland in Zukunft an Gabriel Clemens noch viel Spaß haben wird. Der Junge ist richtig gut. Ich muss aber auch das sehr faire Saarbrücker Publikum loben. Ich hatte damit gerechnet, dass sie nur für den Deutschen sind, aber ich bekam auch Applaus.“ Im Achtelfinale musste sich van Barneveld dann seinem Landsmann van Gerwen geschlagen geben.

Auch für den Vorjahressieger Max Hopp waren die German Darts Open in diesem Jahr nach nur einem Spiel beendet. Die deutsche Nummer eins unterlag dem Schotten John Henderson mit 3:6. Die restlichen vier deutschen Teilnehmer mussten ebenfalls nach nur einem Spiel die Heimreise antreten. Somit standen am Finaltag ohne deutsche Beteiligung die Besten der Welt auf der Bühne und lieferten sich einen spannenden Kampf nach dem anderen. „Ich glaube, das ist das beste Niveau, dass es jemals auf der Europa-Tour gab. Es sind unglaubliche Spiele“, sagte Moderator Elmar Paulke nach den Viertelfinals, die allesamt mit 6:5 endeten.

Der Honzrather Gabriel Clemens wird bei seinem Heimturnier in der Saarlandhalle euphorisch begrüßt, scheidet aber direkt in Runde eins aus. Foto: Heiko Lehmann
Bei der dritten Auflage des Darts-Turniers in Saarbrücken waren weit weniger Fans in der Saarlandhalle als in den beiden Jahren zuvor. Foto: Heiko Lehmann

Sogar Michael van Gerwen hatte als Weltranglistenerster und Überflieger der Szene mächtig Glück. Bei seinem 6:5-Viertelfinalsieg gegen den Engländer Nathan Aspinall musste van Gerwen einen Match­dart abwehren, im Halbfinale (7:6) gegen den Engländer Dave Chisnall sogar vier Matchdarts. Am Ende reichte es aber dennoch für den amtierenden Weltmeister, der in Saarbrücken seinen insgesamt 31. Titel auf der Europa-Tour einfuhr und ein Preisgeld von 25 000 Euro in die Heimat mitnehmen durfte.

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