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Darts: Gabriel "Gaga" Clemens startet bei German Open in Saarlandhalle

Darts-Profi Gabriel Clemens : „Es ist schon irre, was gerade alles passiert“

Gabriel Clemens startet erstmals bei den German Open in Saarbrücken. Als Darts-Profi hat er 14 Kilo abgenommen und viele neue Unterstützer.

Mit der Teilnahme an der Darts-WM hat sich Gabriel Clemens im vergangenen Dezember einen Traum erfüllt. Auch wenn er trotz Match-Darts äußerst knapp in der zweiten Runde gegen den Schotten John Henderson ausschied, war es für den besten saarländischen Darts-Spieler ein unglaubliches Erlebnis. Doch nach dem Traum ist vor dem Traum. „Ich möchte wieder zur WM. Das war alles unfassbar. Ich werde alles geben, um mich noch einmal zu qualifizieren“, sagt „The German Giant“, so der Spitzname des 1,95-Meter-Hünen seit der WM.

Ein Traum der mittleren Kategorie geht für den 35-Jährigen am kommenden Wochenende in Erfüllung. Clemens hat sich erstmals für die German Darts Open (Freitag bis Sonntag) in der Saarlandhalle qualifiziert. In den beiden vergangenen Jahren hatte sich „Gaga“, wie ihn im Saarland alle rufen, nicht für das Turnier in Saarbrücken qualifizieren können. „Das war echt bitter. Da ist ein ganz großes Turnier quasi vor meiner Haustüre, und ich hatte die Quali nicht geschafft. Gott sei Dank hat es in diesem Jahr funktioniert“, sagt Clemens.

Im vergangenen Jahr war der Honzrather noch Halbprofi und arbeitete drei Tage pro Woche als Industriemechaniker. Die starken Ergebnisse und das Preisgeld weckten in dem 35-Jährigen den Mut, voll auf Darts zu setzen. Seit dem 1. Februar ist Gaga nun Vollprofi. Und die Ergebnisse können sich weiter sehen lassen. Im März zog der Saarländer zum dritten Mal in ein Finale der Profitour ein. Allerdings verlor er auch das dritte Finale auf der Tour. „Ein Finale zu spielen, ist immer etwas Besonderes. Beim Darts spielt die Erfahrung eine enorme Rolle“, weiß der Saarländer und meint: „Ich werde schon noch ein Turnier gewinnen. Stress mache ich mir aber keinen.“ Warum auch: 43 000 Euro hat der Honzrather in diesem Jahr bereits auf der Pro-Tour eingespielt.

Längst haben auch saarländische Unternehmen den „German Giant“ als Werbefläche entdeckt. Schließlich ist der 35-Jährige regelmäßig im TV oder bei Online-Übertragungen zu sehen. Ein Arzneimittel-Unternehmen hat ihm in Reisbach einen kompletten Trainingsraum eingerichtet, ein Autohaus stellte ihm einen nagelneuen Ford Kuga zur Verfügung.

„Es ist schon irre, was gerade alles passiert. Es macht mich stolz, dass mich so viele unterstützen wollen. Am Flughafen haben mich sogar schon Fans erkannt“, sagt Clemens etwas schüchtern. „Es waren Engländer, die zu einem Turnier reisten. Sie sind auf mich zugekommen. Wir haben Fotos gemacht und uns unterhalten“, erzählt der Saarländer von seinem Leben als Profi.

Ähnlich wie Fußball-Nationalspieler Jonas Hector aus Auersmacher hängt Gaga seine Erfolge nicht gerne an die große Glocke – anscheinend eine spezielle, saarländische Eigenart. Wenn morgens der Wecker seiner Freundin und Managerin Lisa klingelt und diese zur Arbeit muss, steht Clemens auch auf. „Ich halte nichts davon, bis in die Puppen zu schlafen. Dann kriegt man ja nichts mehr geschafft und schläft abends nicht ein“, erklärt der Hüne.

Früher hat Gaga eine Stunde pro Tag trainiert. Seit er Profi ist, sind es drei Stunden täglich – morgens und mittags je eine Einheit. „Es gibt auch mal Tage, an denen ich keine Lust auf Darts habe. Aber es hilft ja nichts, dann wird trotzdem trainiert. Im Prinzip ist es wie jeder andere Beruf auch.“ Gagas Training beinhaltet noch viel mehr als nur Pfeile auf die Scheibe werfen. „Ich mache regelmäßig Sport und ernähre mich gesünder. Ich habe in diesem Jahr bereits 14 Kilogramm abgenommen. Bis Jahresende sollen weitere 20 Kilo runter“, sagt er zielstrebig.

Vielleicht kommen bis Jahresende auch Siege auf der Profitour dazu. Gegen fast alle Topstars hat Gabriel Clemens schon gewonnen – bis auf einen. Gegen den Niederländer Michael van Gerwen, Weltmeister, Nummer eins der Welt und absoluter Überflieger im Darts hat Gaga noch nie gespielt. Die Auslosung hat beide bislang immer getrennt. „Irgendwann werde ich schon noch gegen ihn spielen. Aber daran denke ich nicht. Ich bereite mich jetzt ordentlich auf das Turnier in der Saarlandhalle vor. Und dann werden wir mal sehen, wie weit ich komme“, sagt der 35-Jährige mit einer stoischen Ruhe, als wenn es das Normalste der Welt wäre, vor 3000 Fans Darts zu spielen. Das erste Spiel auf der Bühne in der Saarlandhalle wird Clemens am Freitag bestreiten. Wer sein Gegner ist und ob er am Nachmittag oder am Abend spielt, steht am Donnerstagabend fest.

Der neue Trainingsraum des „German Giant“ Gabriel Clemens. Foto: Heiko Lehmann

Für alle drei Turniertage gibt es für die Nachmittags- und Abendveranstaltungen noch Karten über die Internetseite www.pdc-europe.tv