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Cymers Leistungskurve zeigt nach oben

Saarbrücken. Torwart Ricco Cymer reift beim 1. FC Saarbrücken immer mehr zum großen Rückhalt. Der junge Schlussmann genießt vor dem Derby gegen die SV Elversberg die Stimmung bei großen Spielen wie zuletzt in Mannheim. Patric Cordier

Es läuft die 77. Minute im Carl-Benz-Stadion. Wieder rollt ein Angriff des SV Waldhof Mannheim auf das Tor des 1. FC Saarbrücken zu. Hassan Amin flankt von der linken Seite, in der Mitte rauscht Benedikt Koep heran, könnte leicht einköpfen. Doch FCS-Torwart Ricco Cymer kommt im richtigen Moment aus seinem Kasten, lenkt den Ball mit den Fingerspitzen über den Kopf des Stürmers. Eine klasse Parade aus dem 2:0 des FCS beim Tabellenführer an Ostermontag, die unterstreicht, dass Cymer immer mehr zum sicheren Rückhalt beim Tabellendritten der Regionalliga Südwest heranreift.



"Es gibt diese Momente, da holst du dir als Torwart das notwendige Selbstvertrauen", sagt Cymer. "Beispielsweise in Nöttingen, als ich kurz vor Schluss einen Ball abwehre und wir im Gegenzug den Siegtreffer machen." Die Leistungskurve des 21-jährigen gebürtigen Heilbronners zeigt nach oben. Längst ist er zum wichtigen Bestandteil der FCS-Achse mit dem neuen Abwehrchef Steven Zellner, Mittelfeldmotor Manuel Zeitz und den Stürmern Kevin Behrens und Patrick Schmidt geworden. "Steven bringt unglaubliche Ruhe in unser Spiel, Manuel ist überall, ein echter Antreiber. Kevin ist irgendwie durchgeknallt, aber so wichtig für die Mannschaft. Und Patrick? Da denkst du oft, er spielt nicht mit und dann macht er sein Tor", lobt Cymer seine Mitspieler und kann sich kaum bremsen. "Auch Mario Müller und Sascha Wenninger machen das richtig gut. Alexandre Mendy hat zum richtigen Zeitpunkt seine Form gefunden. Jeder hat seinen Anteil. Wir haben einen Lauf, es greift ein Rädchen ins andere."

Cymer studiert nebenbei Sportbusiness am IST-Studieninstitut. Eine gute, wenn auch nicht ganz einfache Ablenkung vom Tagesgeschäft. "Es ist schon schwierig mit dem Lernen. Und zu Prüfungen muss ich immer nach Düsseldorf oder Frankfurt", erzählt der 21-Jährige von seinem Spagat. "Bislang habe ich erst eine Klausur verpasst. Läuft also."

Seine Reifeprüfung im Tor steht ihm jetzt bevor. Gerade auch, weil der Umstellungsprozess von der Jugendabteilung der TSG Hoffenheim zum "real existierenden Erwachsenenfußball" in Saarbrücken etwas gedauert hat. "In Hoffenheim ging es um die saubere technische Ausführung", sagt er, "hier um das Ergebnis."

Jetzt ist er angekommen und genießt es. "Als ich in Mannheim rauskam und das gellende Pfeifkonzert gehört habe, habe ich erst einmal geschluckt", sagt der Deutsch-Pole, "aber es ist einfach toll, Fans und Stimmung erleben zu dürfen. Dafür spielen wir Fußball. Es ist ein unfassbares Gefühl. Und wer am Samstag nicht nach Völklingen kommt, dem ist eh nicht mehr zu helfen."



Dass es an diesem Samstag um 14 Uhr im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion nicht nur gegen den Tabellennachbarn geht, sondern auch gegen seinen künftigen Konkurrenten Daniel Batz, stört Saarbrückens Nummer eins nicht. "Konkurrenzkampf gehört dazu, der Verein muss sich gut aufstellen. Ich kenne Batz gar nicht", sagt Cymer gelassen. "Ich mache mir da keine Gedanken. Ich konzentriere mich auf mein Spiel und meine Leistung." Mit Batz und Markus Obernosterer tragen zwei Spieler das SVE-Trikot, die ab Sommer beim Lokalrivalen spielen.

Saarbrückens Serie von fünf siegreichen Spielen in Folge (Liga und Pokal) haben die Brust breit werden lassen. "Wir haben uns das verdient, wo wir stehen. Wir sind die Jäger. Und das macht deutlich mehr Spaß, als gejagt zu werden", sagt der FCS-Schlussmann, "wir haben keinen Druck, sondern freuen uns einfach auf ein Fußballfest."