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Cross-Meister sucht Rennstall

Cross-Meister sucht Rennstall

St. Wendel. Es war ein großer Schritt, den die Verantwortlichen des Radsportvereins FC Rheinland-Pfalz/Saar zu Beginn der neuen Saison mit der Professionalisierung ihrer U23-Mannschaft wagten. Zu groß, wie sich herausstellte. Nach drei Monaten ist der FCR über seine eigenen Ambitionen gestolpert (wir berichteten)

St. Wendel. Es war ein großer Schritt, den die Verantwortlichen des Radsportvereins FC Rheinland-Pfalz/Saar zu Beginn der neuen Saison mit der Professionalisierung ihrer U23-Mannschaft wagten. Zu groß, wie sich herausstellte. Nach drei Monaten ist der FCR über seine eigenen Ambitionen gestolpert (wir berichteten). "Wir mussten die Handbremse ziehen und unsere Continental-Lizenz zurückgeben", erklärt Siegfried Fröhlich, Vorsitzender des Radsportvereins mit Sitz in Partenheim bei Mainz. Grund war eine Deckungslücke von 25 000 Euro im von Fröhlich mit 130 000 Euro bezifferten Jahresetat. Betroffen von der Lizenz-Rückgabe sind auch die saarländischen Fahrer Sascha Weber und Moritz Bleymehl. Zunächst sah es so aus, als würde Weber weiter im Trikot des FCR starten. Fröhlich wollte um den St. Wendeler herum eine verschlankte U23-Straßen-Mannschaft aufbauen, in dem dieser sich Tempo-Härte für seine Cross-Saison im Winter holen sollte - allerdings als Elite-Fahrer. Als solcher ist Weber beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) lizenziert. Zur Erklärung: Fahrer mit Continental-Lizenz sind quasi Halbprofis, vergleichbar mit Vertragsamateuren im Fußball, die für ihre Tätigkeit eine finanzielle Aufwandsentschädigung bekommen. Elite-Fahrer sind dagegen reine Amateursportler. Weber, deutscher U23-Meister und Weltmeisterschafts-Fünfter im Radcross, will unter diesen Voraussetzungen nicht weiter für den FCR starten. Er fürchtet Rückschritte in seiner Entwicklung. "Das ist schade, denn ich hätte Sascha gerne gehalten", sagt Fröhlich, der denkt, dass es für den St. Wendeler schwierig wird, ein neues Continental-Team zu finden. Denn Weber sei nun mal kein Straßen-, sondern Cross-Fahrer. Und diese werden in der Radsportfamilie gemeinhin als Stiefkinder behandelt. Die Tatsache, dass im Februar die Wechselfrist abgelaufen ist, macht die Suche nach einem neuen Rennstall nicht leichter. Nichtsdestotrotz hat Fröhlich einer Vertragsauflösung zugestimmt. "Reisende soll man nicht aufhalten", findet der Rechtsanwalt. Zur abgelaufenen Wechselfrist sagt Weber: "Ich habe mit Bundestrainer Patrick Moster gesprochen, und er will mit dem BDR Gespräche führen, dass ich trotz der abgelaufenen Frist ohne Sperre wechseln kann." Einen neuen Club hat er freilich noch nicht. Bis sich etwas anderes findet, will er wieder für das Stevens-Racing-Team seines Heimatvereins RSC St. Wendel starten. Bei Bleymehl, dem zweiten Saarländer, sieht es laut Fröhlich so aus, "dass er wohl zum RV Schwalbe Trier wechselt". Und wie geht es mit dem FC Rheinland-Pfalz/Saar weiter? Der FC hat sieben Fahrer unter Vertrag, jedoch haben nur vier eine Elite-Lizenz. Um an Elite-Rennen teilnehmen zu dürfen, muss ein Club aber mindestens sechs lizenzierte Fahrer haben. "Wir verhandeln mit dem Trierer Radsport-Team Physiodom. Die haben auch nur vier Elite-Fahrer. Daher hoffe ich, dass wir uns in den kommenden Tagen einigen", sagt Fröhlich, der also an einer Art Fahrgemeinschaft bastelt. Welchen Namen diese tragen wird, ist ihm egal. Forderungen könne er eh keine stellen, "denn unsere momentane Situation ist mit einer bedingungslosen Kapitulation vergleichbar".