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Cookson gewinnt den Machtkampf

Cookson gewinnt den Machtkampf

Herausforderer Brian Cookson hat sich bei der Präsidiumswahl des Radsport-Weltverbandes UCI gegen Amtsinhaber Pat McQuaid durchgesetzt. Der 62 Jahre alte Brite bekam am Freitag die Mehrheit der Stimmen.

Am Ende eines skandalösen Tages hat Pat McQuaid für die Fehler seiner Amtszeit bezahlt und den Posten als Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI verloren. Der 64 Jahre alte Ire unterlag seinem Gegenkandidaten Brian Cookson bei der Wahl am Rande der Straßenrad-Weltmeisterschaft in Florenz. Cookson, der Boss des britischen Verbandes, wurde im majestätischen Palazzo Vecchio zum zehnten UCI-Chef der Geschichte gekürt.

Die Entscheidung im historischen Salone del Cinquecento, dessen Wände von Gemälden Leonardo da Vincis und Michelangelos geschmückt sind, fiel knapp aus. Cookson, der den überwiegenden Teil der traditionellen Radsport-Nationen hinter sich vereint hatte, erhielt bei der geheimen Wahl lediglich sechs Stimmen mehr als sein Widersacher.

Von den 42 Wahldelegierten, zu denen auch der Deutsche Toni Kirsch zählte, votierten 24 für Cookson und 18 für den bisherigen Amtsinhaber, der vor allem aus Afrika und Asien Zuspruch erhalten hatte. Der Entscheidung war zuvor grundlegender Einfluss auf die Zukunft des Radsports zugeschrieben worden. "Ich bedanke mich für das Vertrauen und wünsche Pat alles Gute, was auch immer er jetzt machen wird", sagte Cookson strahlend.

Der Wahl ging ein fast schon lächerlicher Streit um die bestehende Satzung voraus. Ein bislang unbekannter Vorschlag der Türkei und Barbados sorgte für Unverständnis. Demnach sollte der Amtsinhaber automatisch zur Wiederwahl zugelassen werden, ohne eine Nominierung zu benötigen. Obwohl dieser Trick nicht zum Erfolg führte, trat McQuaid an. Er verwies auf seine Schweizer Nominierung, die im August abgelehnt worden war. Dies sei jedoch nicht fristgemäß erfolgt.

Rechtssachverständige erklärten dann, warum auch McQuaids Nominierungen von Marokko und Thailand zu akzeptieren und mit dem UCI-Statut konform seien. Das rief wieder Protest hervor und war ein weiterer Beleg dafür, wie vehement McQuaid um seinen Thron kämpfte. Irgendwann beendete Gegenkandidat Cookson das Trauerspiel - und erklärte mit fester Stimme: "Es reicht, gehen wir zur Wahl."

Mit der Abwahl von McQuaid endete auch eine Schlammschlacht zwischen den beiden Bewerbern, die sich gegenseitig mit verschiedenen Vorwürfen zu schaden versuchten. Beide stellten die Integrität des jeweils anderen in Frage. Letztlich entschied die lange Mängelliste McQuaids über die UCI-Zukunft. Vor allem im Zuge des Falls Lance Armstrong war der Ire schwer ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Auch der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hatte sich Cookson zugewandt. "Ich wünsche mir so etwas wie einen Neuanfang", sagte BDR-Präsident Rudolf Scharping. Von Cooksons Ernennung verspricht sich der Radsport nun eine Zeitenwende. Der 62-Jährige will Vertrauen in den über lange Zeit systematisch dopingverseuchten Sport zurückgewinnen. Die Organisatoren rechnen mit 1,5 Millionen Zuschauern. Florenz wird zum WM-Finale an diesem Sonntag beim Straßenrennen der Männer aus allen Nähten platzen. Noch dazu, weil ein Heimsieg auf der Tagesordnung stehen soll. Auf dem härtesten WM-Parcours der vergangenen Jahre machen sich die Italiener Vincenzo Nibali, der die Tour de France ausließ, den Giro gewann und Platz zwei bei der Vuelta belegte, sowie Filippo Pozzato berechtigte Hoffnungen.

Die Liste ihrer aussichtsreichen Herausforderer ist lang. Der Zeitfahr-Dritte Fabian Cancellara spekuliert ebenso auf den ganz großen Coup wie die Spanier mit Alejandro Valverde, Titelverteidiger Philippe Gilbert (Belgien), Peter Sagan (Slowakei) oder die britischen Toursieger Bradley Wiggins und Christopher Froome.

In diese Phalanx gehört kein deutscher Profi. "Top Fünf - das wäre wohl zu hoch gegriffen", meint John Degenkolb ganz bescheiden. Der WM-Vierte von 2012 will sich in den Dienst der nominellen Kapitäne im deutschen Team, Dominik Nerz und Fabian Wegmann, stellen. Ihm käme die Jokerrolle zu, wenn es im Finale zu einem Sprint aus einer kleineren Gruppe kommen sollte und Degenkolb dabei wäre. Die nur sechsköpfige Equipe des Bundes Deutscher Radfahrer wäre mit einem Top-Zehn-Platz auf dem hammerharten Kurs von Lucca nach Florenz über 272,3 Kilometer vermutlich gut bedient.

Zum Thema:

Auf einen BlickLisa Klein aus Lauterbach hat bei der Radsport-WM in Florenz im Straßenrennen der Juniorinnen am Freitag den elften Platz belegt. Die 17-Jährige, die im ersten Jahr bei den Junioren fährt, lag vor der letzten Runde auf dem 82,85 Kilometer langen Kurs auf Platz sieben, verpasste dann aber im Sprint eine Platzierung unter den ersten Zehn nur knapp. Weltmeisterin wurde Amalie Dideriksen aus Dänemark. red