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Fußball: Clubs haben keine Lust mehr auf das „Affentheater“

Fußball : Clubs haben keine Lust mehr auf das „Affentheater“

In der Bundesliga wächst die Unzufriedenheit über das bis 31. August geöffnete Transferfenster. England stimmt darüber ab.

Hans-Joachim Watzke hat genug. Am 1. August, spätestens am 8. August, müsse künftig Schluss sein mit dem Theater. „Die Fans freuen sich im Sommer, auf Deutsch gesagt, nicht auf die ganze Transferscheiße, sondern auf Fußball“, schimpfte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund, und deshalb: „Wenn die Liga losgeht, muss es nur noch um Fußball gehen“ – und nicht um „dieses Affentheater“.

Watzke ist mit seiner Forderung nicht alleine. Max Eberl etwa, Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach, hält es für „Betrug am Zuschauer, wenn er Dauerkarten kauft, und plötzlich sind die besten Spieler weg“. Aktuelle Meinung – nicht nur in der Bundesliga: Nach Saisonbeginn sollten keine Transfers mehr möglich sein. Und das, sagt Watzke, „muss die Uefa zusammen mit der ECA (Clubvereinigung, Anm. der Red.) regeln“. Ein frommer Wunsch?

Das Thema Transferschluss ist kein neues. Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, seit 2008 auch Vorsitzender der ECA, hatte bereits vor zwei Jahren angeregt, die aktuellen Regelungen zu überdenken. „Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden, dass in der Zukunft vielleicht der Transfermarkt geschlossen ist, wenn die Saison beginnt“, sagte er damals. Die Hoffnung, dass dies klappen könnte, ist allerdings gering.

Die ECA, deren Chef Rummenigge noch bis 5. September ist, hält eine Vorverlegung des Transferschlusses für unrealistisch, solange die europäischen Ligen nicht zeitgleich mit ihrer Saison beginnen. Außerdem wollen die Clubs die Qualifikationsspiele für Champions League und Europa League abwarten, ehe sie die Kaderplanung abschließen. Schwierig, da Einigkeit unter den mittlerweile mehr als 200 ECA-Mitgliedern herzustellen.

Durchaus möglich aber, dass das Thema an diesem Donnerstag bei einer Vorstandssitzung der ECA am Rande der Auslosung zur Champions League in Monaco zur Sprache kommt – wegen der englischen Clubs. Die Eigentümer der Premier League wollen am 7. September darüber abstimmen, ob der Transferschluss vorverlegt werden soll – auf eine Woche vor Saisonbeginn. 14 von 20 Clubs müssten zustimmen.

Eine Vorverlegung des Transferschlusses wäre sogar im Interesse der Fifa. Der Fußball-Weltverband schreibt in seinen Statuten über das Transferfenster im Sommer allerdings nur unverbindlich: „Die erste Registrierungsperiode beginnt am Schluss der Spielzeit und endet im Normalfall vor Beginn der neuen Spielzeit.“ Heißt: Ginge es nach der Fifa, sollten die Clubs ihre Planung vor Saisonbeginn abgeschlossen haben. Eine Vorschrift ist das nicht.

Beschließt eine Liga eine Änderung des Transferschlusses, wird er zwölf Monate später wirksam. Die ganze Sache hat allerdings einen Haken: Sollten sich etwa die Clubs der englischen Premier League nun auf einen Transferschluss eine Woche vor Saisonbeginn einigen (in diesem Jahr wäre es der 4. August gewesen), heißt dies, dass es danach nur innerhalb der Premier League oder vom Ausland in die Premier League keine Transfers mehr geben darf.

In England schließt das Transferfenster derzeit um 23.59 Uhr am 31. August, zeitgleich mit der französischen Ligue 1, 5:59 Stunden nach der Bundesliga, 59 Minuten nach der italienischen Serie A. In der spanischen Primera Division darf bis zum 1. September, 23.59 Uhr, transferiert werden – die Vereine der türkischen Süper Lig haben bis 8. September, 23.59 Uhr, Zeit. Zumindest diese Ligen müssten sich einigen. Oder kurz gesagt: Die „Transferscheiße“ (Watzke) wird wohl noch ein bisschen weitergehen.