1. Sport
  2. Saar-Sport

Christians ReifesprungIm "Schlangen-Tempo" zu EM-Silber über 1500 Meter

Christians ReifesprungIm "Schlangen-Tempo" zu EM-Silber über 1500 Meter

Barcelona. Die deutschen Leichtathletik-Asse haben am Super-Sonntag der Europameisterschaften den Montjuic von Barcelona gestürmt und die EM-Bilanz von Göteborg deutlich übertroffen

Barcelona. Die deutschen Leichtathletik-Asse haben am Super-Sonntag der Europameisterschaften den Montjuic von Barcelona gestürmt und die EM-Bilanz von Göteborg deutlich übertroffen. Zum Auftakt des letzten Wettkampftages hatte die Sprintstaffel der Männer das Dutzend voll gemacht - am Ende der Titelkämpfe feierte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) die Traumbilanz von 16 Medaillen (4 Gold/6 Silber/6 Bronze).

Christian Reif eroberte im Weitsprung das vierte Gold für die aufstrebenden Deutschen. Vor vier Jahren hatte das EM-Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) nur zehnmal Edelmetall aus Schweden mitgebracht. Mit Silber für Diskus-Weltmeister Robert Harting, Bronze für Hochsprung-Ass Ariane Friedrich sowie zwei Staffelmedaillen krönte die DLV-Mannschaft das furiose Finale. Die Frankfurterin wurde mit 2,01 Metern Dritte und war enttäuscht.

Mit fabelhaften 8,47 Metern krönte Weitspringer Christian Reif aus Speyer, der in Saarbrücken lebt und trainiert, gestern den sensationellen EM-Triumph in der Sandgrube von Barcelona. Reif ist der sechste deutsche Weitsprung-Europameister seit 1934 und der erste seit Dietmar Haafs EM-Sieg 1990. "Mir fehlen die Worte", sagte Reif. "Eine Goldmedaille ist schon der Hammer, und dann auch noch 8,47. Ich bin sehr sehr zufrieden."

Harting hatte Pech und verpasste sein insgeheim erhofftes erstes EM-Gold nur um die halbe Armlänge von 40 Zentimetern. Trotz einer starken Sechser-Serie und 68,47 Meter verlor der 25 Jahre alte Berliner die WM-Revanche gegen Vizeweltmeister Piotr Malachowski: Der Pole gewann mit der Weite von 68,87.

80 Minuten zuvor hatte die Sprintstaffel der Männer über 4 x 100 Meter das deutsche Medaillen-Dutzend voll gemacht. Tobias Unger, Marius Broening, Alexander Kosenkow und Martin Keller mussten sich in 38,44 Sekunden nur den Franzosen mit dem neuen Sprintkönig Christophe Lemaitre (38,11) und Italien (38,17) geschlagen geben. Der 20-Jährige holte sein drittes Gold und ist damit der erfolgreichste Athlet dieser EM. Doch auch ein dritter Platz kann glücklich machen. "Wir sind super happy. Schön, dass es geklappt hat. Wir wollten unbedingt eine Medaille", sagte Startläufer Unger.

Eine große Überraschung schaffte zum Abschluss die deutsche 4 x 400-Meter-Staffel der Frauen. Fabienne Kohlmann, Esther Cremer, Janin Lindenberg und Claudia Hoffmann mussten sich in 3:24,07 Minuten nur Russland geschlagen geben und holten damit die Silbermedaille. dpa

Barcelona. Sie kommen immer wieder aus dem Nichts, die deutschen Läufer. Auch Carsten Schlangen hatte bei der Leichtathletik-EM keiner auf dem Zettel. "Es war total surreal. Im Bus fielen alle Scheuklappen runter. Das lief ab wie im Film", sagte der 29-Jährige von der LG Nord Berlin, nachdem er sensationell am Freitagabend auf den Silberrang vorgeprescht war.

Der in Meppen geborene angehende Architekt profitierte dabei vom "Schlangen-Tempo" im Finale, in dem ihm 3:43,52 Minuten zum größten Erfolg seiner Karriere reichten. "Ich habe mir gewünscht, dass es so ein taktisches Rennen wird", sagte Schlangen. Den Spanier Arturo Casado (3:42,74 Minuten) konnte er trotz seines starken Endspurts nicht mehr einholen, dafür aber dessen Landsmann Manuel Olmedo.

Dass das Unmögliche möglich sein kann, hatte ebenfalls im Olympiastadion von 1992 in Barcelona schon Dieter Baumann bewiesen, der den Afrikanern über 5000 Meter davon gelaufen war. Vier Jahre später in Sydney gelang dies Nils Schumann (800 Meter).

Die Lauf-Karriere von Carsten Schlangen, der erst mit 26 mit dem Leistungssport begann, war bis zur EM keine Erfolgsstory. Auch das vergangene Jahr ähnelte mehr einem Hindernisrennen. Sein EM-Debüt 2006 in Göteborg war blamabel, und auch bei der Heim-WM in Berlin schied er sang- und klanglos im Vorlauf aus. Wie sich später herausstellte, war dies aber auch einem Ermüdungsbruch geschuldet.

"Nach der Frustration und der Verletzung habe ich mich gefragt, ob es noch Sinn macht", sagte der deutsche Meister. Hinzu kam, dass seine Trainingsgruppe bei der LG Nord Berlin vor der Auflösung stand und sein damaliger Ausrüster den Vertrag kündigte. Vorbild in dieser Krise war sein Freund Jan Fitschen, der 2006 unerwartet 10 000-Meter-Europameister wurde und fast vier Jahre verletzungsbedingt in der Versenkung verschwand, sich aber wieder für die EM qualifizierte und Zwölfter wurde. "Ich habe aus den Rückschlägen gelernt", meinte Schlangen nach seiner taktischen Reifeprüfung im Silber-Lauf. Außerdem überraschte er mit einer beachtlichen Spurtfähigkeit auf der Zielgeraden.

Bis zu Olympia 2012 in London will er weiterlaufen. Dort und auch bei der WM 2011 in Daegu/Südkorea hängen Medaillen wohl unerreichbar hoch. "Ins Finale bei Olympia oder WM zu kommen, ist doch auch etwas für einen deutschen Läufer", meinte Schlangen, der von einer Lauf-Krise nichts hören will. "Ich sehe das nicht so dramatisch." dpa

Flieg, Diskus, Flieg! Robert Harting zeigte im Finale der EM in Barcelona eine beeindruckende Wurfserie, musste sich aber am Ende doch dem Polen Piotr Malachowski geschlagen geben. Foto: dpa