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Chancenlose Weltmeister

Chancenlose Weltmeister

Für die deutschen Weltmeister gab es bei der Weltfußballer-Wahl nichts zu holen. Der Argentinier Lionel Messi ist als fünfmaliger Titelträger das Maß aller Dinge – und wird es wohl noch eine Zeitlang bleiben.

Bastian Schweinsteiger hatte es gut gemeint, Joachim Löw alles versucht: Doch trotz der Stimmen aus der Heimat gab es für die deutschen Weltmeister bei der Weltfußballer-Gala in Zürich nichts zu holen - gegen die Superstars Lionel Messi und Cristiano Ronaldo wird auch 2016 wenn überhaupt nur die Mischung aus EM-Titel und Triple helfen. Am Montagabend blieb so nur eine spezielle deutsche "Trophäe", die aber außer Konkurrenz lief.

"Es ist ja sowieso bald nicht mehr zu verstecken", sagte Ex-Nationalspielerin Celia Sasic grinsend, als Weltfußballer Messi längst alle Autogramme geschrieben und Verlierer Ronaldo den Saal eingeschnappt verlassen hatte. Die Baby-Ankündigung der Vize-Weltfußballerin auf der großen Bühne im Kongresshaus war aus deutscher Sicht der Höhepunkt eines titellosen Abends.

Dabei hatte Bundestrainer Löw pflichtbewusst seine drei Stimmen für Manuel Neuer , Thomas Müller (beide Bayern München) und Toni Kroos (Real Madrid ) abgegeben, auch DFB-Kapitän Schweinsteiger (Manchester United ) stimmte für Neuer und Müller, die dritte Wahl des Manchester-Profis war aber der Brasilianer Neymar. Der "Lohn": Müller wurde mit 2,21 Prozent Sechster vor Neuer (1,97). Kroos bekam als 21. knapp ein Drittel eines Prozentpunktes (0,2931). Und das als Weltmeister . Der überragende Messi, der seinen fünften (!) Goldenen Ball abholte, kam auf 41,33 Prozent.

"Messi spielt jedes Jahr auf einem unvorstellbaren Niveau", sagte Bayern Münchens Trainer Pep Guardiola, der Barca-Kollege Luis Enrique den Vortritt bei der Wahl zum Welttrainer lassen musste, aus der Ferne: "Er schießt jedes Jahr 40, 50 Tore." Das gelingt den Bayern-Stars eben nicht.

Dass dazu nicht viel gesagt wurde, lag schlichtweg daran, dass keiner da war. Der Vorjahresdritte Neuer, der immerhin als bester Torwart und einziger Nationalspieler in der Weltauswahl steht, blieb wie Guardiola lieber im Trainingslager in Katar und ließ sich durch Bayern-Ikone Paul Breitner vertreten. Die Show gehörte allein den Megastars. "Es ist sehr schwer, das in Worte zu fassen", sagte Messi im schwarzen Smoking und dankte ausdrücklich dem Fußball an sich, "dem Sport, den ich seit meiner Kindheit liebe". Den fünften Ballon d'Or, der den 28-Jährigen wahrscheinlich endgültig unsterblich macht (der 30-jährige Ronaldo hat "nur" drei), widmete Messi seinen Teamkollegen.

"Leo V" - Leo, der Fünfte, titelte die spanische Sporttageszeitung "Marca" gestern. Und bald der Sechste? Ein Ende des Messi-Triumphzuges ist nicht abzusehen. "Ich weiß es nicht", sagte der Weltfußballer auf die Frage, wie lange er den Goldenen Ball noch gewinnen wolle: "Jetzt genieße ich erst einmal diesen hier. Am Ende ist alles, was ich will, mehr Titel mit Barcelona zu gewinnen. Es gibt viele Spieler, die den Ballon d'Or gewinnen können. Von meiner Seite aus mache ich weiter wie bisher." Eine bittere Nachricht aus deutscher Sicht. Selbst Barack Obama wollte das Erfolgsrezept von Carli Lloyd wissen. "Carli, was hast Du denn gegessen? Ich will das machen, was Du machst", sagte der US-Präsident, als er der US-Nationalmannschaft telefonisch zum WM-Triumph gratulierte. Mit ihrem Hattrick binnen 13 Minuten im WM-Finale am 5. Juli gegen Japan (5:2) machte Lloyd sich unsterblich. Dass sie ihren dritten Treffer auch noch von der Mittellinie erzielte, passte zu dieser magischen Nacht von Vancouver. Die Experten waren sich schon damals einig, dass die 33-Jährige die Auszeichnung als Weltfußballerin 2015 bereits in der Tasche hatte. Am Montagabend wurde sie schließlich als beste Spielerin des Planeten geehrt.

"Es ist der Traum eines jeden Fußballprofis, hier zu sein", sagte Llyod: "Das ist eine unglaubliche Ehre." Dabei hatte Lloyd, die in der US-Liga für Houston Dash spielt, bei der WM überhaupt nicht ins Turnier gefunden. Erst als Nationaltrainerin Jill Ellis sie vom defensiven Mittelfeld in die Offensive versetzte, blühte Lloyd auf. Im Viertelfinale gegen China erzielte der Kapitän den 1:0-Siegtreffer, im Gigantenduell im Halbfinale gegen Deutschland (2:0) verwandelte sie den Foulelfmeter zum 1:0 (69.) - um dann im Endspiel auf sensationelle Art und Weise den Unterschied auszumachen.

Danach hatte Lloyd auch den goldenen Ball als beste Spielerin des Turniers und den silbernen Schuh als zweitbeste Torschützin (sechs Treffer, eine Vorlage) im Gepäck. Die Rolle als strahlender Superstar überlässt Lloyd aber lieber anderen. Die Spielerin, die die USA schon in den Olympia-Finals 2008 und 2012 zu Gold schoss, spricht öffentlich fast ausschließlich über Fußball, wirkt zuweilen wie besessen, ständig vom Ehrgeiz getrieben. Bereits wenige Minuten nach dem WM-Triumph rief Lloyd ihren Mentor James Galanis an. "Ich habe gerade die WM gewonnen", sagte sie: "Aber ich höre nicht auf. Ich will noch einen WM-Titel." Das sagt eigentlich alles über die neue Weltfußballerin.