Carlsen auf den Spuren von Kasparow

Carlsen auf den Spuren von Kasparow

Nach seinem WM-Triumph erhielt Magnus Carlsen Lob von Schach-Ikone Garri Kasparow. Fünf Siege fehlen dem Norweger noch, um mit seinem früheren Mentor und Trainer gleichzuziehen. Doch ein neuer Gegner wächst heran.

Bei Champagner und Häppchen aus der norwegischen Heimat ließ es sich Magnus Carlsen gut gehen. Zwei Stunden stieß der 23-Jährige in Sotschi mit seinem Tross und einigen Journalisten auf den WM-Triumph an - für einen Schachspieler ausschweifend lang. Die vor ihm liegenden Aufgaben hatte der neue und alte Weltmeister klar vor Augen. "Zwei geschafft, noch fünf vor mir", sagte der Norweger und bezog sich damit auf seinen Mentor und früheren Trainer Garri Kasparow . Die russische Schach-Ikone hatte den Titel ab 1985 sieben Mal gewonnen. Carlsen wurde bekannt, als er im zarten Alter von 13 Jahren dem Russen ein Remis abtrotzte.

Die Antwort Kasparows auf Carlsens Ankündigung ließ nicht lange auf sich warten. "Ich wünsche Magnus das Allerbeste", teilte der heute 51-Jährige mit - und lobte dann seinen früheren Schützling: "Gratulation für seine erfolgreiche Titelverteidigung und für seinen großen Sieg. Es war mehr oder weniger so zu erwarten. Carlsen ist stärker und stabiler." Gegner Viswanathan Anand habe zum Ende einer Partie hin doch Schwächen. Das war auch in der vorentscheidenden und spektakulären sechsten Partie des WM-Duells in der russischen Olympia-Stadt Sotschi so gewesen. Mit dem 26. Zug machte Carlsen einen fatalen Fehler, der ihm eigentlich die Partie hätte kosten müssen. Doch sein 21 Jahre älterer Herausforderer sah den Patzer zu spät und verlor. Anstatt in Führung zu gehen, lag Anand zurück und konnte den Rückstand im Verlauf der WM nicht mehr aufholen.

"Ich kann sagen, dass ich stolz bin, in Sotschi gespielt zu haben", teilte der 42 Jahre alte Anand nach der Niederlage mit. Der "Tiger von Madras" war zwar einem Sieg näher als noch beim letzten WM-Duell im vergangenen Jahr, doch wieder reichte es nicht. Die ganz große Zeit scheint für den Inder abgelaufen zu sein.

Im kommenden Jahr soll ein neuer Star Carlsen fordern. Gemeint ist der um ein Jahr jüngere Fabiano Caruana. Der Italiener ist in diesem Jahr in der Weltrangliste auf Rang zwei gestürmt und hätte Carlsen fast als Nummer eins abgelöst. Viele Schach-Fans hoffen auf ein Duell. Für Kasparow dürfte der Sieger dann wieder Carlsen heißen. Der Russe verfolgt die Duelle der WM-Aspiranten nach wie vor mit großem Interesse und begleitet sie mit manchem Kalauer. Als Anand gegen Carlsen mit der so genannten "Berliner Verteidigung" verlor, frotzelte er: "Eine Berliner Mauer zu errichten, ist nur etwas für Russen." Vor 14 Jahren hatte Landsmann Wladimir Kramnik mit einer solchen Variante in London Kasparow den WM-Titel abgenommen.

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