„Bye Bye Jürgen“

Jürgen Klinsmann muss sein Amt als US-Nationaltrainer abgeben. Nach enttäuschenden Auftritten in der Qualifikation drohen die USA die WM 2018 zu verpassen. Der Nachfolger könnte ein alter Bekannter sein.

Barack Obama hatte so eine Vorahnung. "Ist nicht so gut gelaufen in Costa Rica, oder?", fragte der scheidende US-Präsident Jürgen Klinsmann beim Abendessen in illustrer Runde in Berlin. "Nein, Mister President, es lief gar nicht gut", musste der deutsche Nationaltrainer der US-Fußballer am Rande des Dinners bei Bundeskanzlerin Angela Merkel antworten. Vier Tage später nun wurde Jürgen Klinsmann entlassen.

Null Punkte aus zwei Spielen

Das Ende der Ära des 52 Jahre alten Ehrenspielführers des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) beim US-Verband hatte sich nach den vergangenen Tiefschlägen angedeutet. In der entscheidenden Qualifikationsrunde Nord- und Mittelamerikas zur WM 2018 verloren die US-Boys erst gegen den Erzrivalen Mexiko 1:2, dann in Costa Rica richtig deftig mit 0:4. Das von Klinsmann selbst ausgerufene Fernziel, in knapp zwei Jahren in Russland ins WM-Halbfinale zu kommen, schien utopisch. Die USA sind in ihrer Qualifikationsgruppe nach den beiden Niederlagen mit null Punkten Tabellenletzter. Nur die ersten drei Mannschaften qualifizieren sich direkt, der Vierte hat noch die Chance über die Playoffs. Derzeit haben Costa Rica (6 Punkte), Mexiko (4) und Panama (4) die besten Aussichten. Auch Honduras (3) und Trinidad & Tobago (0) liegen in der Tabelle noch vor den US-Amerikanern.

Der Verband "zieht den Stecker des Klinsmann-Experiments" schrieb das Magazin Sports Illustrated, das bereits nach der Costa-Rica-Pleite gefordert hatte: "Es ist Zeit zu gehen." Klinsmann, da waren sich die großen US-Medien am gestrigen Dienstag einig, ist als US-Trainer gescheitert, von seinen großen Versprechen nicht mehr viel übrig.

Branchenüblich ganz anders las sich die Stellungnahme von Verbandsboss Sunil Gulati. Der dankte dem früheren Bundestrainer, der 2009 als Trainer bei Bayern München gescheitert war, "für seine Arbeit und Hingabe in den vergangenen fünf Jahren". Klinsmann habe alle im US-Fußball herausgefordert und zu "neuem Denken" angestachelt. "Dank seiner Anstrengungen sind wir gewachsen", sagte Gulati.

Klinsmann war seit 2011 im Amt und führte sein Team unter anderem ins Achtelfinale der WM 2014. Ein Jahr zuvor hatte er mit den USA vor heimischen Publikum den Gold Cup gewonnen. Im vergangenen Jahr scheiterte das Team bei der Kontinentalmeisterschaft im Halbfinale an Jamaika. Bei der Copa América im Sommer im eigenen Land schieden die USA im Halbfinale gegen Vize-Weltmeister Argentinien aus.

Gute Gesamtbilanz

Hoch angerechnet wird Klinsmann sein unermüdliches Ringen um mehr Aufmerksamkeit für den Fußball, der in den USA hinter American Football, Baseball und Basketball lange Randsportart war. "Soccer" wurde mit Klinsmann als Nationaltrainer , dessen Bilanz mit 55 Siegen bei 27 Unentschieden und nur 16 Niederlagen am Ende so schlecht gar nicht war, deutlich beliebter. "Es gab nie eine bessere Zeit für den Fußball in unserem Land", sagte Verbands-Chef Gulati, der den Zeitpunkt von Klinsmanns Entlassung - wie Sky Austria berichtet muss auch Co-Trainer Andreas Herzog gehen - taktisch günstig wählte. Das nächste Spiel steht erst am 24. März 2017 gegen Honduras an, vier Tage später müssen die USA in Panama antreten.

Nachfolger wird Vorvorgänger Bruce Arena werden, das gab der Verband gestern bekannt. Das spricht nicht unbedingt dafür, dass der US-Verband den progressiven "Klinsmann-Weg" weitergehen will.

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