Bundesligisten bleiben in Mitglieder-Hand

Frankfurt. Die "50+1"-Regel im deutschen Fußball bleibt. Die Vertreter der Bundesliga-Vereine sprachen sich auf ihrer Mitgliederversammlung in Frankfurt gestern für die Beibehaltung aus. Wie die Deutsche Fußball Liga (DFL) mitteilte, habe es nur eine Stimme für eine Abschaffung der bisherigen Regelung gegeben

Frankfurt. Die "50+1"-Regel im deutschen Fußball bleibt. Die Vertreter der Bundesliga-Vereine sprachen sich auf ihrer Mitgliederversammlung in Frankfurt gestern für die Beibehaltung aus. Wie die Deutsche Fußball Liga (DFL) mitteilte, habe es nur eine Stimme für eine Abschaffung der bisherigen Regelung gegeben. Diese kam Martin Kind (Foto: SZ), Präsident von Hannover 96, der den Antrag gegen die 50+1-Regel eingebracht hatte. Zudem gab es drei Enthaltungen. Die übrigen 32 Vertreter sprachen sich gegen eine Mehrheitsbeteiligung finanzkräftiger Investoren aus.

Kind hätte für die Satzungsänderung eine Zwei-Drittel-Mehrheit benötigt. Doch die Haltung der 36 Erst- und Zweitliga-Clubs war eindeutig. Auch in Zukunft soll die bestehende "50+1-Regel" verhindern, dass Investoren wie zum Beispiel in England mehr als 50 Prozent der Club-Anteile erwerben können.

Kind kämpft seit Jahren für eine Modifizierung und erhofft sich von einer Öffnung für externe Geldgeber mehr Chancengleichheit. Seiner Ansicht nach ist die Regelung bei von Großsponsoren unterstützten Clubs wie Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg und 1899 Hoffenheim ohnehin "praktisch außer Kraft gesetzt". Er ließ offen, ob er wie zuvor angekündigt, bis vor den Europäischen Gerichtshof ziehen wird, um sein Ansinnen durchzusetzen. "Wir werden jetzt in Ruhe nachdenken. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass das ein guter Vorschlag ist. Die Bundesliga ist unterkapitalisiert. Ihre Wettbewerbsfähigkeit ist eingeschränkt", erklärte Kind.

Laut DFL-Satzung muss bei einer Ausgliederung des Spielbetriebs in eine Kapitalgesellschaft der Mutterverein die Stimmenmehrheit behalten. Bisher gab es eine Ausnahmeregelung für Leverkusen und Wolfsburg, da Bayer und Volkswagen die Werkclubs seit Jahrzehnten unterstützen. In Hoffenheim hält SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp 49 Prozent.

Die Mitgliederversammlung des Ligaverbandes stimmte außerdem einstimmig einem entsprechenden Beschluss des Ligavorstandes zur Wiedereinführung des Supercups vor Saisonbeginn zu. Letztmals hatte es 1996 den Vergleich zwischen Meister und Pokalsieger gegeben. Damals besiegte Borussia Dortmund den 1. FC Kaiserslautern mit 4:3 im Elfmeterschießen. dpa

Meinung

Zeitspiel abseits des Platzes

Von SZ-Redakteur

Michael Kipp

Der Ligaverband hat für den Erhalt der "50+1"-Regel gestimmt. Vom Tisch ist das Thema deshalb aber noch lange nicht. Denn die Entscheidung ist beim näheren Hinsehen nahezu lächerlich. Vereine wie Leverkusen, Hoffenheim und Wolfsburg halten sich eh nicht an die Regel, stimmen aber dennoch gegen sie: Das riecht nach Bananenrepublik. Und die stinkt Hannovers Chef Martin Kind. Er wird wohl Klage bei einem EU-Gericht einreichen - und wird Recht bekommen, wie auch die DFL wissen müsste. Daher war der heutige Tag nichts anderes als "Zeitspiel". Ein Tag der Entscheidung war er nicht.