1. Sport
  2. Saar-Sport

Bundesliga will den WM-Jackpot für sich nutzen

Handball : Bundesliga will den WM-Jackpot nutzen

Die erfolgreiche Heim-WM ist ein Segen. Die HBL-Verantwortlichen hoffen auf mehr Zuschauer und neue Sponsoren.

Die Stimmung in der Ligazentrale in Köln könnte derzeit kaum besser sein. Im täglichen Kampf um Sponsoren, Zuschauer und Talente ist die erfolgreiche Heim-WM der deutschen Handballer für die Bundesliga (HBL) und ihre Clubs ein Jackpot. Wenn das Turnier an diesem Sonntag vorbei sein wird, geht die Arbeit für sie erst richtig los.

„Insgesamt ist diese WM eine Super-Geschichte, ein bisschen wie ein Traum“, sagt Ligaboss Uwe Schwenker. Er und HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann hoffen durch die „tollen Auftritte“ der deutschen Mannschaft vor einem Millionenpublikum auf vollere Hallen, neue Geldgeber und frischen Schwung für die Nachwuchsarbeit.

„So ein Turnier hilft, gerade wenn die Mannschaft performt, wie sie es in den vergangenen 14 Tagen getan hat. Wir nehmen den Rückenwind gerne mit“, sagt Bohmann. Man könne durch den Erfolg leichter in die Schulen gehen und Kinder für die Sportart begeistern. Zudem helfen die Auftritte im Bereich der Digitalisierung, in den die HBL ohnehin schon viel investiert.

Eine wichtige Aufgabe sehen Bohmann und Schwenker im „Persönlichkeits-Marketing“ der Nationalspieler. „Wir haben eine Vielzahl an nahbaren, tollen Typen mit Profil und Charakter“, sagt Schwenker und nennt Spieler wie Andreas Wolff, Hendrik Pekeler und Jannik Kohlbacher als Beispiele. Bohmann versichert: „Das werden wir nach der WM stark pushen. Die Spieler sind in aller Munde, und wir werden die Shootingstars weiter hochhalten, den Schwung wollen wir mitnehmen.“

Dabei geht es nicht nur um die deutschen Stars. Insgesamt 34 und damit mehr als die Hälfte aller Spieler in den beiden WM-Halbfinals verdienen ihr Geld in der Bundesliga. Bohmann betrachtet das Wirken von Vereinen und Ligaverband aber „eher als einen Marathon“ – statt als Sprint. „Wir werden jetzt nicht mit einer einzelnen Aktion die Welt aus den Angeln heben.“ Nachhaltigkeit lautet in diesem Zusammenhang das Zauberwort. Eine Nachhaltigkeit, auf die nach dem Wintermärchen 2007 zu wenig Wert gelegt wurde. „Es nützt alles nichts, wenn man keine Strategien hat und nicht entsprechend danach handelt“, sagt Bohmann und betont dabei, dass „unsere langfristige Strategie nicht auf die WM aufbaut“.

Schwenker gibt sich keinen großen Illusionen hin. Die vielen Millionen vor dem Fernseher, die Euphorie in den Hallen und die große Präsenz vor allem auch in den sozialen Medien freuen ihn. Und natürlich sei man auch besser vorbereitet, weil die Führungsgremien von DHB und HBL deutlich breiter und professioneller aufgestellt sind als beim WM-Triumph vor zwölf Jahren. Von der inzwischen reibungslosen Zusammenarbeit der Verbände ganz zu schweigen. Doch einen Hype, sagt Schwenker, „den wird es nicht geben. Wenn es nach der WM zur Tagesordnung übergeht, findet vieles wieder im regionalen und lokalen Bereich statt.“

Auch der Gang in die großen Städte gestaltet sich schwierig. Zwar waren die Hallen in München, Berlin, Köln und Hamburg proppenvoll – doch regelmäßigen Bundesliga-Handball wird es in den Metropolen, außer in Berlin, in absehbarer Zeit nicht geben. „Klar würden uns zwei, drei zusätzliche große Standorte guttun, aber man muss die Hallen auch regelmäßig voll bekommen“, sagt Schwenker. Bohmann verweist auf die vielen mittelgroßen Städte wie Kiel oder Mannheim: „Metropolen sind wichtig, der Handball steht aber auch zu seinen Wurzeln.“

Fest steht: Zumindest kurzfristig wird die WM das Geschäft beleben. Bohmann bestätigt, dass es zurzeit „deutlich mehr Anfragen“ von potenziellen Geldgebern gebe. Auch in Sachen Namenssponsor für die Liga, einer ab Sommer vakanten Position, „gibt es Gespräche“. Der bisherige Platzhirsch DKB bleibt dem Ligaverband zwar erhalten, wechselt aber auf ein anderes Level.