Bundesliga-Profis aus dem Saarland unterstützen „Vereine vor“

Kostenpflichtiger Inhalt: Fußball : Bundesliga-Profis aus dem Saarland unterstützen „Vereine vor“

Präsidentschafts-Bewerber Klein und seine Gruppe erhalten prominente Fürsprecher. Knapp 40 Anträge für außerordentlichen Verbandstag liegen vor.

(cor) Nicht ganz zwei Wochen ist es her, dass Thorsten Klein, der ehemalige Sprecher der saarländischen Landesregierung, seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten des Saarländischen Fußballverbandes (SFV) angekündigt und sein Team der Gruppe „Vereine vor“ präsentiert hat. Seither sind er und seine Mitstreiter unterwegs, um Überzeugungsarbeit zu leisten und die notwendige Anzahl von Unterstützer-Unterschriften zu bekommen. Nach Kleins Schätzung braucht man etwa 150, um einen außerordentlichen Verbandstag des mit 100 000 Mitgliedern größten Einzelsportverbands des Landes einzuberufen. Aktuell liegen knapp 40 Unterschriften vor. Klein nennt die Zahl angesichts der noch laufenden Sommerferien „erstaunlich“.

„Ich wurde in den letzten Tagen von völlig fremden Menschen angesprochen. Auch Leute, mit denen ich schon länger keinen Kontakt hatte, haben angerufen, gefragt, wie sie helfen können. Ich habe zuletzt abends mehrere Stunden nur E-Mails beantwortet“, sagt Klein: „Der SFV braucht sehr schnell wieder ein handlungsfähiges Präsidium. Und natürlich werden im Vorfeld des nächsten ordentlichen Verbandstags im Juni 2020 die Kreistage zusammenkommen. Bei denen möchten wir übrigens erstmals Rechenschaft über unsere Arbeit ablegen und den Dialog vertiefen.“

Kleins Unterstützer kommen aus ganz unterschiedlichen Gruppen des Fußballs – und so unterschiedlich sind ihre Motive, den mit der Gruppe „Vereine vor“ verbundenen Neuanfang im Verband zu befürworten. „Ich finde es wichtig, dass Verband und Vereine gemeinsam und enger zusammenarbeiten. Das Ziel der engen Zusammenarbeit muss sein, dass wir im Saarland wieder Profifußball erleben dürfen“, sagt etwa Mike Frantz, Saarbrücker in Diensten des SC Freiburg. Auch dessen Profi-Kollege Florian Ballas (Dynamo Dresden) unterstützt Klein: „Weil der SFV neue Impulse braucht, damit der Amateurfußball wieder die nötige Aufmerksamkeit und Unterstützung bekommt, die er verdient hat. Wir alle haben unseren Ursprung dort.“ Als prominenster Unterstützer gehört Ex-Nationalspieler Philipp Wollscheid dem Team „Vereine vor“ an.

Auch aus den Vereinen hierzulande kommt Zustimmung. Benjamin Heinrichs vom SV Rissenthal erhofft sich „einen Qualitätsgewinn für den gesamten Amateurfußball an der Saar“. Thomas Rupp vom 1. FC Riegelsberg erklärt: „Ich habe mich über die Seilschaften innerhalb des SFV oftmals geärgert. Etwas frisches Blut und neue Ideen würden dem Verband gut zu Gesicht stehen.“

Aber tragen die Vereine nicht eigentlich den Verband als ihre Dachorganisation und damit auch zumindest eine Mitschuld an der jetzt von ihnen kritisierten Situation? Über Jahre wurden immer wieder die gleichen Personen in die entsprechenden Ämter gewählt – meistens ohne Gegenkandidaten. Die Teilnahme an Verbandstagen war für viele Vereinsvertreter mehr lästige Pflicht als die Chance mitzugestalten. „Mein Eindruck ist, dass sich in letzter Zeit viel angestaut hat. Wir wollen aber ganz bewusst nicht zurückschauen, sondern setzen auf Gemeinsamkeit und richten den Blick nach vorne“, sagt Klein.

Durch die aktuelle öffentliche Diskussion erwartet er keine Spaltung des Saarfußballs: „Ich bin eher in Sorge, wenn aus der derzeitigen Spitze des SFV frei heraus eingestanden wird, man erreiche die Vereine nicht mehr. Das zeigt nämlich in erster Linie eine offenkundig weite Entfernung vom Vereinsfußball als unserer Basis. Wir wollen dagegen vernetzen und unsere Mitglieder einbinden. Vom Vorsitzenden bis zum Platzwart, von den Kreisvorsitzenden bis zu den Klassenleitern, Hauptamt und Ehrenamt.“

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