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Fußball-Bundesligist muss auswärts leiden
Nürnberger Pleiten zeigen Kräfteverhältnis in der Bundesliga

FCN-Trainer Michael Köllner hat für seinen verkniffenen Gesichtsausdruck derzeit allen Grund.
FCN-Trainer Michael Köllner hat für seinen verkniffenen Gesichtsausdruck derzeit allen Grund. FOTO: dpa / Jan Woitas
Leipzig. Michael Köllner zuckte ratlos mit den Schultern, als er die nächste schlechte Botschaft für die leidgeprüften Fans des 1. FC Nürnberg verkündete. „Ausschließen?“, entgegnete der Trainer des Bundesliga-Aufsteigers nach dem peinlichen 0:6 (0:4) bei RB Leipzig auf Nachfrage. sid

Nein, dass der Club im weiteren Saisonverlauf ein neuerliches Debakel erleben werde, „kann ich nicht ausschließen“.


Zum zweiten Mal innerhalb von zwölf Tagen hatte der Aufsteiger auswärts zum Schützenfest geladen. Dem 0:7 bei Borussia Dortmund folgte am Sonntagabend ein verdientes halbes Dutzend in Leipzig. 13 Gegentore in zwei Spielen – zumindest in der Fremde ist der Club derzeit nicht erstligareif.

Halbherzig in den Zweikämpfen, fahrig in der Spieleröffnung – am Ende war Nürnberg mit den sechs Treffern von Kevin Kampl (3.), Yussuf Poulsen (7.), Marcel Sabitzer (21./55.) und Nationalspieler Timo Werner (32./59.) noch gut bedient. Angesichts des verschossenen Elfmeters von Werner (63.) und dem Pfostentreffer von RB-Kapitän Willi Orban (69.) hätte die Niederlage leicht noch höher ausfallen können.



Für Köllner war der Klassenunterschied schlichtweg ein Beleg für die ungleichen Kräfteverhältnisse in der Bundesliga. Man müsse auch bewerten, was die andere Mannschaft für Spieler auf dem Platz habe. „Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Die haben ein x-faches unseres Etats“, sagte der 48-Jährige und ging noch weiter. „Wir merken, dass der ein oder andere Spieler an seine Grenzen kommt. Das ist völlig normal“, sagte Köllner: „Wenn sie diese Grenze nicht hätten, dann hätten sie schon vor fünf Jahren in der Bundesliga gespielt.“ Auch müsse man für alles, was in den letzten Jahren in Nürnberg schiefgelaufen sei, bezahlen. „Es war klar, dass wir mit dem überraschenden Aufstieg eine Hypothek zu tragen haben“, sagte er.

Sorgen um seinen Job muss sich Köllner trotz der Debakel (noch) nicht machen. „Er macht einen sensationellen Job, da braucht sich keiner Gedanken zu machen, das wird sich auch bis zum Ende der Saison nicht ändern“, sagte FCN-Sportvorstand Andreas Bornemann. Ob das Treuebekenntnis bei einer anhalten Krise Bestand haben wird, bleibt abzuwarten. Mit acht Punkten und Tabellenplatz zwölf ist Nürnberg noch im Soll. „Es ist wichtig, dass wir die Moral in der Mannschaft aufrechterhalten“, sagte Köllner. Zumindest der Spielplan meint es gut mit dem Club. Auswärts muss der 1. FC Nürnberg in der Bundesliga erst wieder Anfang November antreten.