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„Bruderliebe steht hinten an“

„Bruderliebe steht hinten an“

Beide sind außer Form, doch das zweite Duell gegen den eigenen Bruder setzt neue Kräfte frei: Der Mönchengladbacher Raffael und der Herthaner Ronny freuen sich auf das Wiedersehen auf dem Rasen an diesem Samstag.

Edeltechniker gegen Scharfschütze, Vorzeigeprofi gegen Lebemann: Die ungleichen Raffael und Ronny liefern sich am 14. Spieltag ihren zweiten brasilianischen Bruder-Kampf in der Fußball-Bundesliga. "Die Bruderliebe muss Samstag hinten anstehen", sagte der Mönchengladbacher Raffael , 29, vor dem Spiel gegen Hertha BSC an diesem Samstag (15.30 Uhr). Der ein Jahr jüngere Ronny steht etwas stärker unter Druck, schließlich geht es für ihn mit den Berlinern nicht nur um Punkte gegen den Abstieg, sondern auch um Revanche für das verlorene erste Bruder-Duell (0:3) vor einem Jahr. Er habe "noch eine Rechnung offen", betont der Linksfuß: "Beim letzten Aufeinandertreffen gelang Raffael ein Tor. Dieses Mal bin ich an der Reihe."

Ob ihm Trainer Jos Luhukay aber die Chance gibt, von Beginn an gegen seinen Bruder zu glänzen, ist ungewiss. Ronnys letzter Startelf-Einsatz liegt lange zurück: Sein Auftritt am sechsten Spieltag bei der 0:1-Niederlage gegen den FC Augsburg war ganz schwach, die Zweifel an seiner allgemeinen Bundesliga-Reife sind wieder größer geworden. Doch auch Bruder Raffael ist von seiner Top-Form weit entfernt. Seit sieben Liga-Spielen wartet der dribbelstarke Offensivspieler auf einen Torerfolg, zudem machen ihm Knieprobleme zu schaffen. Auch wegen Raffaels Krise ist der Mönchengladbacher Motor mit drei Niederlagen in Serie ins Stottern gekommen. Raffael aber ist sich sicher: "Gegen Hertha werden wir uns aus der Krise schießen." Und er selbst will wieder vorangehen: "Ich will endlich wieder treffen."

Vater Caetano ist zu Besuch in Berlin - und wird am Samstag in Mönchengladbach wohl auf der Tribüne sitzen. Wie immer wünscht er sich ein Unentschieden. Das war schon damals so, als Raffael und Ronny in Brasilien als Kinder gegeneinander gespielt haben. "Wir haben fast immer in verschiedenen Mannschaften gestanden", sagt Raffael : "Wenn wir ab und an einmal in einem Team spielten, hatten die anderen sowieso keine Chance." Die Karriere der hoch veranlagten Brüder , die von 2010 bis 2012 gemeinsam bei Hertha spielten, verlief recht unterschiedlich. Während Raffael für Topclubs wie Mönchengladbach oder Schalke 04 auflief und mit dem FC Zürich Schweizer Meister wurde, scheint Ronny nicht das Optimum aus seinem Talent herauszuholen. Seit seinem Wechsel nach Berlin im Jahr 2010 macht der Mittelfeldspieler immer wieder auch mit Gewichts- und Einstellungsproblemen von sich reden. Einzig in der Aufstiegssaison 2012/2013 zeigte Ronny konstant starke Leistungen, mit 18 Toren verdiente er sich einen neuen Vertrag, der bis 2017 gilt.

In der Bundesliga kommen Ronnys Stärken, der harte Schuss und die gute Technik, deutlich weniger zum Tragen, weil seine Schwächen offenbart werden. Ihm fehlen ein paar Prozente in Sachen Antritt und Zweikampfhärte.