Bronze für Geschwister Lisa und Alexander Karst aus Saarbrücken bei deutscher Meisterschaft

Karst-Geschwister : Tanzend die eigenen Grenzen testen

Die Geschwister Lisa Maria und Alexander Karst haben bei der deutschen Meisterschaft in der Kombination Platz drei belegt. Das Paar von Schwarz-Gold Casino Saarbrücken wurde in den deutschen B-Kader berufen.

Das Gebäude in der Straße des 13. Januar in Saarbrücken wirkt unscheinbar. Hinter den Fenstern eines Asia-Marktes ist es dunkel. Nur im oberen Stockwerk brennt Licht. Drinnen führt eine schmale Treppe nach oben bis vor eine Tür. Dahinter – eine Überraschung: Der Raum ist hell erleuchtet. Aus Lautsprechern klingt lateinamerikanische Musik. Auf dem Parkettboden tanzen Paare Argentinischen Tango an einer Spiegelwand entlang.

Für Alexander Karst hat hier alles angefangen. Vor zwölf Jahren begleitete er als 14-Jähriger seine Mutter zu einem Tanzkurs, den sie gab. Er gefiel ihm so gut, dass er selbst anfing. „So kam das eigentlich, ganz spontan“, erzählt er. Der Tanzsport liegt seiner Familie im Blut.

Vater Michael war Tänzer, Formationstrainer und Vorsitzender der Tanzsport-Abteilung von Saar 05 Saarbrücken. Heute ist er Präsident des Saarländischen Landesverbands für Tanzsport. Und Alexanders Schwester Lisa Maria Karst wirbelt schon fast ihr halbes Leben lang übers Parkett. Die 22-Jährige tanzt seit zwei Jahren mit ihrem 26 Jahre alten Bruder. Das ist eine relativ kurze Zeit, in der die beiden aber schon zahlreiche Erfolge aufzuweisen haben.

Gerade hat das Paar von Schwarz-Gold Casino Saarbrücken als süddeutscher Meister an der deutschen Meisterschaft in der Kombination, also über zehn Tänze in Standard und Latein, teilgenommen – und die Bronzemedaille gewonnen. Nach den Titelkämpfen in Klein-Nordende wurden die Saarlandmeister in den B-Kader des Deutschen Tanzsport-Verbandes berufen.

Der Erfolg ist das Ergebnis harter Arbeit. Tagsüber sind die Geschwister beruflich eingespannt, weshalb sie sich abends zum Training treffen. Alexander Karst arbeitet im Management von Abercrombie & Fitch in Zweibrücken und macht seinen Master in Prävention und Gesundheitsmanagement. Außerdem unterrichtet er Standard-Tanz. „Ich gehe arbeiten, dann arbeiten, dann zum Training“, sagt er – und lacht. Lisa Maria Karst studiert Mathematik. Auch sie gibt nebenher Kurse.

Für die Karst-Geschwister bedeutet Tanzen Ausgleich zum Alltag. „Hier hat man seine eigene Welt und kann auch mal abschalten“, erklärt Alexander Karst. Seine Schwester stimmt ihm zu und ergänzt: „Ich finde es sehr interessant, beim Tanzen den eigenen Körper kennenzulernen und die Grenzen zu testen.“ Dieses spezielle Körpergefühl sei schwer in Worte zu fassen. „Es geht um Kontakt, um Führung, aber auch um Sich-führen-lassen“, setzt Alexander Karst an. Seine Tanzpartnerin springt ein und erklärt: „Es geht um Aktion, Reaktion. Man muss sich auf den Partner fokussieren. Seine Körperhaltung strahlt ja schon sehr viel aus. Und auch allein die Hand – wo sie langgeht, das spürt man als Dame, wie viel Druck er einem gibt, wie viel Zug und so.“ Häufig unterschätze man die Fitness, die für den Tanzsport wesentlich sei, fügt ihr Bruder hinzu: „Der Rest ist dann quasi die Kunst, die man daraus macht, um es leicht aussehen zu lassen.“

Und es sieht leicht aus, als die beiden eine Viertelstunde später in perfekter Synchronität über das Parkett gleiten. Immer wieder führen sie die gleiche Abfolge von Schritten vor. Mal schneller, mal langsamer – je nach dem Rhythmus der Musik. Schnell wird klar, dass hier jede noch so kleine Regung zählt und zum richtigen Zeitpunkt stattfinden muss. Dafür braucht man Disziplin. „Talent ist hilfreich, aber es geht auch mit Ehrgeiz und Disziplin über einen anderen Weg. Talent alleine reicht nicht aus“, sagt Lisa Maria Karst. Die tanzenden Geschwister sind mit allen drei Gaben ausgestattet.

Mehr von Saarbrücker Zeitung