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Brebacher Finanz-Schock

Brebacher Finanz-Schock

Brebach. "Wir mussten hier jahrelang eine Scharade spielen. Das war aber nötig, um den Verein zu retten." Das sagte Rainer Loth (Foto: Iris Maurer), der neue Vorsitzende des Fußball-Saarlandligisten SC Halberg Brebach. Loth und die neue Vorstandsmannschaft sind kürzlich bei der ersten ordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins seit 2005 ins Amt gewählt worden

Brebach. "Wir mussten hier jahrelang eine Scharade spielen. Das war aber nötig, um den Verein zu retten." Das sagte Rainer Loth (Foto: Iris Maurer), der neue Vorsitzende des Fußball-Saarlandligisten SC Halberg Brebach. Loth und die neue Vorstandsmannschaft sind kürzlich bei der ersten ordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins seit 2005 ins Amt gewählt worden.

368 000 Euro Schulden

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Der 69 Jahre alte Unternehmer, der zwischen 1986 und 1991 Schatzmeister beim 1. FC Saarbrücken war, legte gegenüber den Mitgliedern erschreckende Zahlen offen: "Im Jahr 2005 beliefen sich die erkannten Verbindlichkeiten des Vereins auf 162 000 Euro, 2007 waren es schon 241 000, der Gipfel waren wenig später 368 000 Euro." Diese Summe sei aus Nachforderungen von Steuern und Sozialabgaben, vor allem aber durch Kredite und Vorgriffe auf Sponsoreneinnahmen entstanden. Mit dem Geld sei wohl hauptsächlich der Spielbetrieb finanziert worden.

"Seit 2007 fahren wir einen Konsolidierungskurs", berichtet Loth über die Arbeit, die sich bislang im Hintergrund abgespielt hat, "mit Hilfe eines Sponsors konnten wir den Schuldenberg fast um die Hälfte abtragen". Aktuell drücken den Verein Forderungen von rund 120 000 Euro.

Die Schuld am Stand der Finanzen gibt Loth nicht Vorgänger Robert Conen. "Den Verein gäbe es gar nicht mehr, wenn ich nicht die Steuernachforderungen aus der Zeit meiner Vorgänger aus eigener Tasche bezahlt hätte", sagt Conen: "Zu meiner Zeit wurden keine Kredite aufgenommen." "Conen wurde nur benutzt", sagt Loth: "Hier wurde jahrelang den persönlichen Zielen eines egozentrischen Trainers freier Lauf gelassen." Gemeint ist Günter Erhardt, mittlerweile Trainer des Regionalligisten SV Elversberg. Erhardt war mehr als 15 Jahre der starke Mann in Brebach und für die sportlichen Erfolge wie die Aufstiege in die Oberliga oder das Erreichen des DFB-Pokals 2000 maßgeblich verantwortlich.

"Ich war als Trainer nur Angestellter des Vereins", wehrt sich Erhardt, "ich konnte also nie und habe nie irgendwelche Verträge unterschrieben. Ich kann nichts dafür, wenn der Verein Jahre lang keinen Kassierer hat. Meine Familie und ich haben sehr viel Zeit ehrenamtlich in den Aufbau der Jugendabteilung gesteckt. Aber das wird hier wohl vergessen".

Der Ex-Vorsitzende Conen lobt Erhardt als kompetentesten Mitarbeiter des Vereins, der Neu-Vorsitzender Loth widerspricht energisch: "Erhardt hatte mit der Jugendarbeit nichts am Hut, er hat sich nur um die Mannschaft gekümmert, in der seine Söhne spielten. Als der Erfolg der Jugendspielgemeinschaft kam, hat er talentierte Spieler nach Elversberg weggelockt." Alexander Ernst und Jannik Schliesing sind nach Elversberg gewechselt, Johannes Britz und Sebastian Lück werden im Sommer folgen. "Lück und Britz sind für die Oberliga-Mannschaft vorgesehen", sagt Erhardt, "deren Trainer ist Dominik Jung und mit dessen Planungen habe ich nichts zu tun. Ich habe andere Sorgen." Jung war unter Erhardt in Brebach Trainer der zweiten Mannschaft und der A-Jugend.

Schuldenstand beherrschbar

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Der heutige Halberg-Trainer Bernd Eichmann war jederzeit über die finanzielle Lage des Vereins informiert. "Er wird auch in der kommenden Saison unser Trainer sein. Bernd ist ein wichtiger Baustein in unserem Konzept", erklärt Loth und ergänzt: "Der Schuldenstand ist beherrschbar. Wir wollen es bis zum Ende unserer Amtszeit am 30. Juni 2011 schaffen, dass der Verein bis auf das langfristige Darlehen für den Clubhausausbau (Anm. d. Red.: unter 50 000 Euro) schuldenfrei ist." Der Club sei derzeit in seiner Existenz nicht mehr gefährdet.