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"Brauchen das Quäntchen Glück"

"Brauchen das Quäntchen Glück"

Es geht auf die Zielgerade der Saison - warum hat Hamilton diesmal am Ende die Nase vorn? Norbert Haug: Wenn wir es wüssten, müssten wir nicht fahren. Alle im Team arbeiten hart und voller Konzentration daran, dass Lewis am Ende einen Bonus hat, der mindestens so groß ist wie sein Malus im letzten Jahr nach dem letzten Rennen - nämlich einen Punkt

Es geht auf die Zielgerade der Saison - warum hat Hamilton diesmal am Ende die Nase vorn?

Norbert Haug: Wenn wir es wüssten, müssten wir nicht fahren. Alle im Team arbeiten hart und voller Konzentration daran, dass Lewis am Ende einen Bonus hat, der mindestens so groß ist wie sein Malus im letzten Jahr nach dem letzten Rennen - nämlich einen Punkt. In den letzten sieben Rennen holte Lewis so viele Punkte wie beide Ferrari-Fahrer zusammen. Seit sieben Rennen führt er wieder in der Tabelle. Drei Rennen lang soll das so bleiben.

Welche Lehren haben Hamilton und das Team aus 2007 gezogen, als er vor dem drittletzten Rennen 13 Punkte Vorsprung hatte? Nun sind es sieben.

Haug: Lewis hatte gar 17 Punkte Vorsprung, als noch zwei Rennen zu fahren waren. Das Team machte einen Fehler beim vorletzten Rennen, Lewis kann ich da keinen Vorwurf machen. Das Getriebe setzte beim Finale über 30 Sekunden lang aus, als Lewis noch sieben Punkte Vorsprung hatte. Dadurch schaffte er nur Rang sieben und zwei Punkte. Wir haben uns nach einer mustergültigen Saison selbst geschlagen - aber so was passiert. Schauen Sie, was bei Ferrari in Singapur geschah. Das Weltmeister-Team ist deshalb aber keine Trottel-Mannschaft, sondern hat nur bewiesen, wie dicht Triumph und Niederlage zusammen liegen. Hero und Zero (Geld oder Null, Anm.d.Red.) ist manchmal eben keinen Millimeter voneinander getrennt.

Das Fuji-Rennen 2007 war vom Regen geprägt, Hamilton gewann das teils chaotische Rennen. Wie groß sind die Befürchtungen, dass es wieder einige Unwägbarkeiten geben könnte?

Haug: Mit dem Wetter beschäftigt man sich am besten am Morgen des Trainings - beziehungsweise des Renntages. Ändern kann man es eh nicht und es ist für alle gleich. Bereits bei vier von bisher 15 Rennen war in dieser Saison Regen im Spiel. Drei Mal fuhr Lewis als Erster über die Ziellinie.

Trotz einiger Strafen hat sich Hamilton an der Spitze behauptet. Wie schätzen Sie seine Leistung im Vergleich zum Vorjahr, seiner ersten Saison, ein?

Haug: Lewis hat in 32 Grand Prix mehr Punkte gemacht als jeder andere Fahrer im Feld. Das beweist seine Konstanz. In den letzten sieben Rennen, seit seinem Sieg in Silverstone, liegt er an der Tabellenspitze. Daraus jetzt Prognosen für die drei letzten Rennen abzuleiten, ist nicht mein Ding. Alles ist offen, aber eine bessere Chance als Lewis, den Titel zu gewinnen, hat keiner - eine gleich große vielleicht schon.

Haben Sie noch immer sechs Fahrer auf der Rechnung, die um den Titel kämpfen?

Haug: Ich habe alle auf der Rechnung, die mathematische Chancen haben. Alles andere wäre töricht. Wer hätte beispielsweise vor Singapur gedacht, dass Ferrari null Punkte machen wird, wo für dieses Team grundsätzlich das Maximum von 18 drin war?

Was spricht dafür, dass neun Jahre nach Mika Häkkinen Mercedes mit McLaren den WM-Fahrertitel holt?

Haug: Ganz sicher die vielen Vize-Weltmeisterschaften, als wir, oft knapp vorm großen Ziel geschlagen, Zweiter wurden. Und hoffentlich die Tatsache, dass Lewis auch 35 Mal kann, was er nach seinen 32 Grand Prix geschafft hat - nämlich der Fahrer mit den meisten Punkten in der WM zu sein. Das Quäntchen Glück brauchen wir bei allem Können dazu aber immer noch. Und wenn wir dieses haben sollten, dann ist dies verdient. Da bin ich mir sicher.