| 23:21 Uhr

Fußball-WM in Russland
Brasilien ohne Probleme, Schweiz genügt ein 2:2

Thiago Silva (rechts, gelbes Trikot) wuchtet den Ball per Kopf zum 2:0 der Brasilianer gegen Serbien ins Tor von Vladimir Stojkovic.
Thiago Silva (rechts, gelbes Trikot) wuchtet den Ball per Kopf zum 2:0 der Brasilianer gegen Serbien ins Tor von Vladimir Stojkovic. FOTO: dpa / Rebecca Blackwell
Moskau. Rekord-Weltmeister trifft nach dem 2:0 gegen Serbien auf die Mexikaner, Eidgenossen im Achtelfinale gegen Schweden.

Rekord-Weltmeister Brasilien hat ein Desaster wie das von Titelverteidiger Deutschland souverän verhindert und sich durch ein 2:0 (1:0) gegen Serbien als Sieger der Gruppe E locker für die K.o.-Runde qualifiziert. Dort trifft die Seleção am Montag auf Mexiko. Serbien verpasste das historische erste Vorrücken ins Achtelfinale bei einer WM als eigenständige Nation.


Paulinho brachte Brasilien, das bislang nur 1930 und 1966 die Vorrunde nicht überstanden hatte, in Moskau nach genialer Vorarbeit von Philippe Coutinho in Führung (36.). Thiago Silva, der 2005 in Moskau bei Dynamo sein Geld verdient hatte, erzielte per Kopf das 2:0 (68.). Auch ein Unentschieden hätte die Seleção weitergebracht. „Für mich ist das Wichtigste, dass die Mannschaft gewonnen hat und dass wir als Erster aus der Gruppe herausgehen“, sagte Torschütze Paulinho, „wir hatten genug Selbstvertrauen.“ Die Serben waren von dem Sieg, der sie erstmals sicher in die K.o.-Runde geführt hätte, gegen den überlegenen Gegner weit entfernt.

Dabei hatte Brasilien vor 44 190 Zuschauern im Spartak-Stadion schnell eine Schrecksekunde wegstecken müssen. Champions-League-Sieger Marcelo von Real Madrid musste schon in der zehnten Minute mit Rückenproblemen ausgewechselt werden. Laut einer Mitteilung des brasilianischen Fußballverbandes CBF am Mittwochabend zog er sich einen Hexenschuss zu. Sein Einsatz gegen Mexiko ist fraglich. Doch auch ohne seinen Antreiber übernahm der Favorit schnell die Initiative. Die erste Chance des Spiels hatte Superstar Neymar, der in der 25. Minute mit einem Schuss aus spitzem Winkel Serbiens Torwart Vladimir Stojokovic zu einer Parade zwang.



Brasilien suchte immer wieder den kontrollierten Aufbau, spielte lieber einen Querpass mehr, um sich den Gegner zurechtzulegen. Dann erfolgte die Tempoverschärfung in die Spitze. So auch beim Führungstreffer: Philippe Coutinho schlug einen überragenden Pass auf Paulinho, der den Bruchteil einer Sekunde vor Stojkovic an den Ball kam und ihn am verdutzten Keeper vorbei ins Tor spitzelte. Die Führung der Seleção zur Pause war verdient, auch weil Neymar wesentlich konstruktiver spielte als noch beim mühsamen 2:0 gegen Costa Rica. Der teuerste Fußballer der Welt schlug gute Pässe in die Tiefe und stieß auf der linken Seite immer wieder in den Strafraum vor.

Nach der Pause suchten die engagierten Serben zunächst weiter vergeblich die Lücke in Brasiliens Defensive.. Nach gut einer Stunde hatten die Serben einige starke Minuten. Die größte Chance vergab Aleksandar Mitrovic (61.). Beim Kopfball des wuchtigen Stürmers rettete Thiago Silva für den schon geschlagenen Alisson vor der Linie. Trotz dieser Phase ließen die Brasilianer, die eine in allen Belangen reife Leistung zeigten, nie Zweifel am Sieg aufkommen – erst recht nicht nach dem 2:0. Nach einer Ecke von Neymar wuchtete Abwehrchef Thiago Silva den Ball per Kopf ins Tor.

Mit einer glanzlosen Leistung zog die Schweiz als zweites Team der Gruppe ins Achtelfinale ein. Die Eidgenossen trennten sich 2:2 (1:0) vom bereits zuvor ausgeschiedenen Costa Rica. Vor 43 319 Zuschauern in Nischni Nowgorod brachte Blerim Dzemaili die Mannschaft von Trainer Vladimir Petković in der 31. Minute mit einem Gewaltschuss in Führung, Josip Drmic erzielte den zweiten Treffer (88.). Kendall Waston (56.) und ein Eigentor von Yann Sommer beim Foulelfmeter von Bryan Ruiz (90.+3) bescherten den Lateinamerikanern die Treffer.

Die Schweiz darf am Dienstag in St. Petersburg gegen Schweden um das erste Viertelfinale seit der Heim-WM 1954 spielen. Fehlen werden dann allerdings die Abwehrspieler Fabian Schär und Stephan Lichtsteiner, die jeweils ihre zweite Gelbe Karte sahen. Gemeinsam mit Shaqiri und Xhaka hatte Kapitän Lichtsteiner beim 2:1 gegen Serbien für große Aufregung gesorgt, als das Trio die politisch aufgeladene Doppeladler-Geste zeigte. Alle drei hatten Glück, dass es bei Geldbußen blieb.