Brand entscheidet

Leipzig. Erst das Bad in der Menge, dann die Flucht aus der Halle und danach letzte Stunden des Bedenkens: Heute will Heiner Brand sein Schweigen beenden und die Entscheidung über seine Zukunft als Handball-Bundestrainer treffen

Leipzig. Erst das Bad in der Menge, dann die Flucht aus der Halle und danach letzte Stunden des Bedenkens: Heute will Heiner Brand sein Schweigen beenden und die Entscheidung über seine Zukunft als Handball-Bundestrainer treffen. Während die Nationalmannschaft mit dem 39:37-Erfolg am Samstag in Leipzig im Show-Spiel gegen internationale Bundesliga-Stars Imagepflege betrieb, sorgte der Gummersbacher mit seinem beharrlichen Schweigen für Rätselraten. "Uns hat er in seine Pläne nicht eingeweiht", sagte Reiner Witte, Präsident des Ligaverbandes HBL und Mitglied der "Task Force Nationalmannschaft".

Die Liga hat unterdessen mit ersten Beschlüssen den Weg zu Veränderungen geebnet. Von der kommenden Saison an soll es eine A-Jugend-Bundesliga geben, und die Bundesligisten steigen erst ab der dritten statt der zweiten Runde in den DHB-Pokal ein. Nun wird eineinhalb Wochen nach dem kläglichen elften Platz bei der WM in Schweden und der vorerst verpassten Teilnahme an einem Olympia-Qualifikationsturnier von der Liga auch ein schnelles Ende der Personaldiskussionen um den Bundestrainer gefordert. "Es darf keine Hängepartie sein. Handball-Deutschland hat ein Anrecht darauf, dass schnell eine Entscheidung kommt", sagte Witte.

Anscheinend aber sind weder ein Entgegenkommen der Clubs noch Beifallsbekundungen der Fans ausschlaggebend dafür, ob Brand Bundestrainer bleibt, ob dies bis zum Vertragsende am 30. Juni 2013 sein wird oder er vorher sein Amt aufgibt. Laut Witte wolle Brand dies "vom Abfragen seines Umfeldes" abhängig machen.

Liga und Deutscher Handballbund (DHB) ringen in Eintracht um Brands Bleiben. "Dass das Gesicht Heiner Brand für den deutschen Handball unbedingt zu erhalten ist, ist klar", erklärte Witte. Die Außenwirkung des 58 Jahren alten Gummersbachers wurde allen Beteiligten eindrucksvoll beim Allstar Game noch einmal vor Augen geführt. Brand stand im Blitzlichtgewitter, musste unzählige Autogramme schreiben und wurde von den 7532 Zuschauern in der Arena Leipzig mit stürmischem Applaus begrüßt. "Wir wollen den Bundestrainer, der der führende und angesehenste auch international ist, mit allen Mitteln halten", erklärte Verbands-Präsident Ulrich Strombach.

Unter Strombachs Führung hatte sich am Freitagabend die sechsköpfige Arbeitsgruppe "Unterstützung Nationalmannschaft" erstmals getroffen. Das Gremium mit Strombach, Brand, Witte und DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier sowie den Club-Managern Bob Hanning (Berlin) und Volker Zerbe (Lemgo) soll nach dem WM-Debakel kurz- wie langfristig Wege aus der Krise des Männer-Handballs finden. dpa