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Boxen
Eine Boxgala mit Hindernissen

 Hochkonzentriert boxt Alexander Lorch seinen Gegner aus.
Hochkonzentriert boxt Alexander Lorch seinen Gegner aus. FOTO: Erich Christoph-Borger
Uchtelfangen. Der saarländische Boxprofi Alexander Lorch hat seinen Kampf bei der Uchtelfanger Boxgala gewinnen können. Durch K.o. in der zweiten Runde. Zufrieden war dennoch nicht. Von Sebastian Zenner

Der Halbschwergewichts-Boxkampf von Alexander Lorch am Samstag in Uchtelfangen war gerade ein paar Minuten alt, da war er auch schon vorbei. Kurz nach Beginn der zweiten Runde setzte Lorch vom ASC Dudweiler einen linken Haken und Gegner Marko Mijatovic schoss gefühlt noch vor dem Einschlag zu Boden.


Es war nicht der einzige Kampf im Rahmen der etwas überfrachteten, sogenannten „Boxgala“ in der Sport- und Kulturhalle. So manches der insgesamt 17 Duelle ließ die 600 Zuschauerinnen und Zuschauer – darunter die prominenten Saar-Boxer Jürgen Doberstein, Senad Gashi und Mirco Martin – fragend zurück. Insbesondere die oft ungleiche Besetzung vieler Profikämpfe enttäuschte die hohen Erwartungen an die wenig glamouröse „Gala“. Skurriler Höhepunkt war der noch nicht einmal 20 Sekunden dauernde Kampf zwischen Bilgenur „Miss Bilgi“ Aras und Jessica Pickardt. Mit großem Engagement boxte Aras auf ihre offensichtlich überforderte Gegnerin ein, ehe Pickardts Trainer als Zeichen der Aufgabe das Handtuch in den Ring warf. Pickardt selbst wollte offenbar weiterkämpfen.

Marko Mijatovic wollte das nicht. „Ich habe direkt gemerkt, dass er mir unterlegen ist“, gab Alexander Lorch nach seinem zweiten Profikampf zu: „Ich wollte das aber nicht direkt beenden und vorher noch etwas Ringerfahrung mitnehmen. So konnte ich wenigstens eine komplette Runde absolvieren.“ Der 23-jährige Lorch ist eigentlich kein K.o.-Kämpfer, sondern hat seine Stärken im taktischen Boxen auf Distanz. Gerade am Anfang einer Karriere ist jede Minute im Ring eine wichtige Erfahrung. „Man hat gemerkt, dass er nicht mehr wollte“, stellte Lorch fest. Ohne die Veranstalter des Box-Teams Koblenz direkt kritisieren zu wollen, ergänzte er ganz allgemein: „Ein bisschen mehr Organisation hätten wir uns schon gewünscht.“



So wusste Lorch lange nicht, wer ihm im Ring gegenüberstehen würde. Ursprünglich sollte er gegen Ivan Sakic antreten, der allerdings kurzfristig verletzt ausfiel. Der vorgesehene Ersatzmann Zoran Petkovic erschien dann nicht zum öffentlichen Wiegen. Der dritte im Bunde war schließlich Marko Mijatovic. „Den Sieg nehme ich gerne mit, aber dafür hätte ich mich nicht acht Wochen lang vorbereiten müssen“, sagt Lorch Junior, der 2019 noch zwei Kämpfe absolvieren will. Wann der nächste stattfindet, steht noch nicht fest. Zunächst einmal steht nach fast drei Monaten Dauertraining Regeneration auf dem Programm.

Nach Alexander Lorch bestiegen noch Schwergewichtler Yakup Saglam und Supermittelgewichtler Cem Kurnazcan (beide FLP) den Ring. Nachdem sich Saglam gegen den deutlich leichteren Atan Sakic durchsetzte, sicherte sich Kurnazcan gegen Atin Karabet nach Punkten die Internationale Deutsche Meisterschaft.

Für die spektakulärsten Auftritte sorgten wenige Stunden zuvor Maurice Morio (FLP) und Heider Warda (ASC Dudweiler). Morio, genannt „Engel Gabriel“, marschierte mit Engelsflügeln dekoriert zu den Klängen des beliebten Hochzeitslieds „Ave Maria“ in die Halle und gewann seinen Kampf gegen Ivan Habbibi durch technischen K.o. in der dritten Runde. Warda kam zwar ohne Flügel zum Ring, brachte seinen klar unterlegenen Kontrahenten Schani Baki Sha aber schnell dazu, Sterne zu sehen. Ein Kuriosum bot auch der vom BC 1921 Neunkirchen organisierte Amateur-Teil: Beim Kampf zwischen David Abramischvili und Ali Ghalami ging beiden Boxern mehrmals der Mundschutz verloren. Abramischvili einmal zu oft – er wurde disqualifiziert. Sein Vater, der mehrfache georgische Meister und Meister der Sowjetunion Nukri Abramischvili, war darüber nicht sehr erbaut.

 Alexander Lorch nach seinem Kampf: Nach zwei Runden hatte er Marko Mijatovic auf den Brettern.
Alexander Lorch nach seinem Kampf: Nach zwei Runden hatte er Marko Mijatovic auf den Brettern. FOTO: Erich Christoph-Borger