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Borussia Neunkirchen sieht sich „voll im Plan“

Neunkirchen. Rechtsanwalt Marc Herbert aus Saarbrücken hat als vorläufiger Insolvenzverwalter von Borussia Neunkirchen die Arbeit aufgenommen. Die Verantwortlichen der Borussia sehen sich auf einem guten Weg. Sebastian Zenner

Anfang der Woche wurde vom Amtsgericht Saarbrücken über Fußball-Oberligist Borussia Neunkirchen das Insolvenz-Eröffnungsverfahren angeordnet. Rechtsanwalt Marc Herbert aus Saarbrücken wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt (wir berichteten).

Das Eröffnungsverfahren ist die Vorstufe des eigentlichen Insolvenzverfahrens. Aufgrund der Regelung in der DFB-Spielordnung über den Zwangsabstieg ist es das Ziel der Beteiligten, ausnahmsweise die Insolvenzeröffnung zu verhindern. Ein Antrag auf Eigenverwaltung kann wegen der eingetretenen Zahlungsunfähigkeit der Borussia nur noch im eröffneten Insolvenzverfahren, also quasi bei feststehendem Zwangsabstieg erfolgen.

Der vom vorläufigen Insolvenzverwalter auszuarbeitende Insolvenzplan kann als groß angelegter Vergleich mit allen beteiligten Gläubigern verstanden werden. Die Insolvenzmasse , also die liquiden finanziellen Mittel des Vereins, soll dabei insoweit erhöht werden, dass sich die Gläubiger auf abschließende Teilrückzahlungen einlassen. Je höher diese Zahlung, desto größer ist die Chance auf Zustimmung der Gläubiger. Bei der ersten Insolvenz des Vereins vor zwölf Jahren zahlte der Verein zwischen 13 und 14 Prozent der etwa 1,56 Millionen Euro Schulden zurück - etwa 210 000 Euro. Der aktuelle Stand der Verbindlichkeiten ist mit 450 000 Euro deutlich geringer. "Unter zehn Prozent Forderungshöhe ist eine Zustimmung der Gläubiger in der Regel ausgeschlossen", weiß Marc Herbert. Der aktuell aufzubringende Betrag läge demnach bei mindestens 45 000 Euro.

15 000 bis 20 000 Euro da


Die liquiden Mittel des Vereins betragen vor dem Heimspiel am Samstag um 14.30 Uhr gegen die TSG Pfeddersheim zwischen 15 000 und 20 000 Euro. Die Einnahmen des Spieltags werden direkt dem Vereinskonto zugeführt, auf das im Moment nur Marc Herbert zugreifen kann. Diese Befugnis gilt auch für Verträge - mit Spielern, Trainer oder auch Sponsoren. Wie bei einem Unternehmen gehen die "Mitarbeiter", also im Verein die Spieler und Trainer vor. Die Frage, wie viele Gläubiger es überhaupt gibt, stellt sich erst zu einem späteren Zeitpunkt. Eine Rangfolge gibt es dabei nicht, stellt Herbert klar: "Öffentlich-rechtliche haben den gleichen Stellenwert wie private Gläubiger." Insolvenzverwalter sind prinzipiell Vertreter aller Gläubiger. "Aber die Insolvenzordnung sieht nicht nur die bestmögliche Befriedigung der Gläubiger vor", erklärt Herbert und ergänzt: "Direkt in §1 steht, dass auch der Erhalt des Unternehmens, in diesem Fall der Verein, Ziel sein sollte."

"Ich sehe uns voll im Plan", sagt Borussias 2. Vorsitzender Michael Krebs: "Wir sind zuversichtlich, dass wir gestärkt aus dieser Insolvenz herausgehen." Er und der 1. Vorsitzende Martin Bach führten derzeit "vielversprechende Verhandlungen" und hätten sogar zwei unterschriftsreife Verträge mit Neunkircher Unternehmen vorliegen. Beide laufen über drei Jahre und sollen einen "unteren fünfstelligen Betrag" einbringen. "Ich bin zuversichtlich, dass wir ein, zwei, wenn es sehr gut läuft, sogar drei Spiele gegen Bundesligisten auf die Beine stellen können", ergänzt Krebs. Die Einnahmen dieser Benefizspiele werden der Insolvenzmasse zugeführt.

Heute Spielersitzung

Heute Abend findet auf Einladung von Herbert eine Spielersitzung statt, bei der die aktuelle Situation besprochen werden soll. Wie schon vor einigen Wochen berichtet, stehen bei einem Großteil der Spieler seit gut zwei Monaten Gehaltszahlungen aus.