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BMW weiter auf Talfahrt

Monte Carlo. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen redete nach dem für seinen Formel-1-Rennstall enttäuschenden Monaco-Grand-Prix nicht um den heißen Brei herum, sondern Klartext: "Mehr war einfach nicht drin. Unser Auto war zu keinem Zeitpunkt in der Lage, um die vorderen Plätze mitzufahren Von SZ-Redakteur Walter Koster

Monte Carlo. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen redete nach dem für seinen Formel-1-Rennstall enttäuschenden Monaco-Grand-Prix nicht um den heißen Brei herum, sondern Klartext: "Mehr war einfach nicht drin. Unser Auto war zu keinem Zeitpunkt in der Lage, um die vorderen Plätze mitzufahren. Wir müssen das Entwicklungstempo erheblich steigern, um den eigenen Ansprüchen wieder gerecht zu werden."


Das Aufgeben seines Fahrers Robert Kubica nach Reifenschaden und Bremsproblemen sowie Platz elf von Nick Heidfeld, der ebenfalls mit dramatisch abgebauten Reifen zu kämpfen hatte, waren ein weiterer Rückschlag beim BMW-Versuch, Anschluss ans Mittelfeld zu finden. Nach sechs Grand Prix belegt das Team mit sechs WM-Zählern, die Heidfeld eingefahren hat, nur Platz acht in der Markenwertung.

Bereits in der Qualifikation blieben beide Fahrer gleich im ersten Abschnitt hängen. "Das ist natürlich sehr enttäuschend, zumal wir das Gefühl hatten, nach dem letzten Rennen in Barcelona einen Schritt nach vorne gemacht zu haben. Ein Aufwärtstrend war jedenfalls spürbar, aber doch nicht so groß wie erhofft", sagte Nick Heidfeld. Wie deprimierend die Situation für den Mönchengladbacher derzeit ist, beschrieb der 32-Jährige dann deutlich: "Man fährt sich auf gut Deutsch den Arsch ab, und was hinten rauskommt ist nicht annähernd zufriedenstellend."



Heidfelds Chef Theissen gibt seinen Fahrern jedenfalls Rückendeckung. "Erst wenn die Autos gut sind, reden wir über sie." Der Motorsport-Boss ist sich darüber im Klaren, dass die Vorstellung derzeit "sehr enttäuschend ist. Das sieht der Vorstand genau wie das Team. Wegen der aktuell schwachen Leistung das Formel-1-Engagement in Frage zu stellen, wäre aber zu kurz gedacht." Theissen verweist dabei darauf, dass es "im Spitzensport immer eine Wellenbewegung gibt. Darüber sind wir uns im Klaren. Bei uns ist nun nach drei Jahren kontinuierlichen Aufschwungs der erste Rückschlag da. Den müssen wir verkraften."

Was das BMW Sauber-Team noch vor sich hat, ist der Ferrari-Truppe in Monaco gelungen. Der italienische Rennstall hat den Weg zurück an die Spitze gefunden. Den Aufschwung deuteten Kimi Räikkönen und Felipe Massa bereits mit einer erstaunlich guten Form in der Qualifikation an. Im Rennen fuhren sie hinter dem Brawn-Mercedes-Doppelsieg auf die Plätze drei und vier. Auch wenn es zum Sieg nicht reichte - Ferrari hat bewiesen, dass das Team das Tränental zu Saisonbeginn verlassen hat.

"Ich bin sehr zufrieden", erklärte Massa. "Mein Auto war sehr konkurrenzfähig. Es ist offensichtlich, dass wir auf dem Weg nach vorn sind. Hoffentlich können wir bald wieder um Siege kämpfen." Etwas kritischer sieht Stallgefährte Räikkönen seinen Monaco-Auftritt: "Mit dem dritten Rang kann ich nicht zufrieden sein, weil ich immer gewinnen möchte. Aber dennoch ist dieses Ergebnis für das ganze Team nach dem schwierigen Saisonstart sehr zufriedenstellend. Ich bin froh, dass wir zurück an der Spitze sind." Der Finne ist zwar froh, aber längst noch nicht zufrieden: "Am Ende des mühsamen Weges sind wir noch nicht."

Hintergrund

Die Formel-1-Rennställe fordern im Streit mit dem Internationalen Automobilverband Fia einen Aufschub des neuen Regelwerks. Sollte die Fia zustimmen und die Königsklasse auch 2010 unter den bislang gültigen Regeln weiterfahren, wollen sich alle Teams im Gegenzug längerfristig an die Formel 1 binden. Das berichtete das Fachportal "autosport.com". Demnach beharren die Mitglieder der Teamvereinigung Fota in einem Brief an Fia-Präsident Max Mosley auf dem Wegfall der umstrittenen Budgetgrenze für das kommende Jahr. Am Sonntag deuteten sowohl Mosley als auch mehrere Teams an, dass eine Einigung in Sicht sei. Der Fia-Chef erklärte, das umstrittene Etatlimit von 45 Millionen Euro könne auch in Stufen über mehrere Jahre angestrebt werden. Für diese Woche wird ein weiteres Treffen erwartet. dpa

Auf einen Blick

Pressestimmen zum Rennen in Monaco:

"The Sun" (England): Jenson Button brauste zu einem magischen Monaco-Sieg.

"The Express" (England): Jenson Button sicherte sich mit einem Start-Ziel-Sieg einen Platz in den Geschichtsbüchern der Formel 1.

"Le Figaro" (Frankreich): Sebastian Vettel, der einzige Fahrer, der Button in dieser Saison die volle Punktzahl verwehrt hat, ist gestern im Fürstentum zusammengebrochen.

"Le Parisien" (Frankreich): Die Lehre von Monaco. Jenson Button scheint im Rennen um die WM unberührbar.

"El Mundo" (Spanien): Jenson Button wandelt mit seinen fünf Siegen in sechs Rennen auf den Spuren von Michael Schumacher.

"El Periódico" (Spanien): Button kann sich schon Gedanken machen, wohin er seinen WM-Titel platzieren möchte. Er gewann mit beeindruckender Leichtigkeit auf dem Olymp der Weltmeister. dpa