| 21:19 Uhr

Fußball-WM in Russland
Bling-Bling statt „Allez les Bleus“

Jekaterinburg. Der Franzose Pogba stellt sich gern zur Schau. Dabei will er eigentlich auf dem Platz für Schlagzeilen sorgen – auch heute.

Neulich präsentierte Paul Pogba der Grande Nation seinen Reichtum. Und nun weiß Frankreich dank der TV-Doku „Pogba Mondial“, Pogbas Welt, dass der 105-Millionen-Mann seinem Anwesen einen Namen gegeben hat. Pogba führte stolz durch sein „Pog House“, zeigte sein „Pog Cinema“, den Fußball-Käfig „PP Arena“ mit riesigen Portraits des Besitzers an der Wand. Selbst der Einbauschrank mit den Naschereien trägt seinen Namen: „Pog Corner“. Kurzum: Pogbas Welt dreht sich vor allem um eine einzige Person: Paul Pogba selbst.


Ohne Not befeuerte der 25-Jährige so alle Klischees, die über ihn ohnehin im Umlauf sind. Protzig, eitel, selbstgefällig. Seine Kritiker bemängeln ja seit Jahren, dass Pogba lieber selber strahlt, als andere glänzen zu lassen. Mehr Bling-Bling als „Allez les Bleus“. Dabei sehnt sich der Mittelfeldstar von Manchester Uni­ted ja genau danach: ein Anführer zu sein, Dirigent, der Kitt des Teams.

„Ich habe gesagt, dass ich der Patron sein will – auf und neben dem Platz. Das ist eine Sache, die ich in meinem Herzen trage“, sagt Pogba vor Frankreichs zweitem Auftritt bei der WM in Russland heute (17 Uhr/ZDF) gegen Peru: „Es reicht aber nicht, dass man es nur sagt. Das sind Dinge, die sich letztlich auf dem Platz entscheiden.“



Aber genau dort scheint bei Pogba trotz aller Klasse für viele französische Fans viel zu oft noch die Diva durch. An guten Tagen kann er mit seiner Wucht das Team mitreißen, genau das sein, was er eigentlich will. An weniger guten kommt er als Eigenbrötler daher, der abseits der Gruppe sein Ding macht. Wie zuletzt am Montag im Training, als ihm Trainer Didier Deschamps zwei Mal ins Gewissen redete. Viele Anhänger sind auch irritiert, weil Pogba über sich selber gerne in der dritten Person spricht.

Doch Deschamps, als Spieler früher der komplette Gegenentwurf zu Pogba, setzt trotz aller Allüren auf seinen Star. „Er ist ein großartiger Spieler mit großartigem Potenzial“, sagt der 49-Jährige über Pogba, der das 2:1 zum Auftakt gegen Australien erzwungen hatte. Letztlich wurde der entscheidende Treffer aber nicht ihm zugeschrieben, sondern als Eigentor gewertet. Nun kann die Équipe Tricolore den Einzug ins Achtelfinale vielleicht schon perfekt machen, auch wenn die Offensiv-Maschine vor Pogba um Antoine Griezmann, Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé nur stotternd ins Turnier gestartet war.

Pogba wirbt um Geduld, schließlich ist der Weg ins angestrebte Finale lang. „Manchmal sollte man nicht zu streng mit uns sein“, sagt er, der relativ müde Auftritt gegen Australien hatte wenig Begeisterung ausgelöst. Ouest France etwa titelte: „Wir hatten die Kängurus nicht im Sack.“ Und der Sydney Morning Herald in Australien schrieb: „Eine tapfere Vorstellung der Socceroos kratzte den Lack der Franzosen ab. Ohne die Premiere des Videobeweises beim 2:1 hätte die Mannschaft möglicherweise für eine der größten Überraschungen der WM-Geschichte sorgen können.“

Insgeheim hofft Paul Pogba auch bei sich selbst auf etwas mehr Verständnis von den eigenen Fans. „Ich bin vom wichtigsten Transfer der Welt zum am meisten kritisierten Spieler geworden“, sagt der Superstar, der vor zwei Jahren für die damalige Weltrekordablöse von 105 Millionen Euro von Juventus Turin nach Manchester gewechselt war (überboten erst 2017 von Neymar/für 222 Millionen von Barcelona nach Paris). Dann schiebt er mit einem Grinsen hinterher: „Aber ich bin immer noch Erster.“