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Schießfehler verhindern besseres Resultat
Biathleten holen zum Abschluss Bronze

Erik Lesser, Benedikt Doll, Arnd Peiffer und Simon Schempp (v. l.) sprangen bei der Siegerehrung jubelnd aufs Podest. Für sie gab es zuerst die obligatorischen Kuscheltiere, ehe später die Bronzemedaillen folgen sollten.
Erik Lesser, Benedikt Doll, Arnd Peiffer und Simon Schempp (v. l.) sprangen bei der Siegerehrung jubelnd aufs Podest. Für sie gab es zuerst die obligatorischen Kuscheltiere, ehe später die Bronzemedaillen folgen sollten. FOTO: Hendrik Schmidt / dpa
Pyeongchang. Staffelgold-Favorit Deutschland liegt zwischenzeitlich in Führung, muss sich dann aber doch mit Platz drei trösten.

Es dauerte zwar eine ganze Weile, aber dann brach der Jubel doch noch aus Simon Schempp und den drei anderen „Bronze-Boys“ heraus. Euphorisiert vom versöhnlichen Olympia-Abschluss startete das Quartett noch im Biathlon-Stadion eine große Feier, die im Deutschen Haus zu später Stunde ihren Höhepunkt fand. „Wir haben unsere Medaille, das ist das Wichtigste“, sagte Schlussläufer Schempp: „Ich bin superhappy, dass es am Ende gereicht hat.“


Dass die Staffel des Deutschen Skiverbandes (DSV) eigentlich Gold gewinnen wollte, darüber sprach nach einem verrückten Rennen mit unzähligen Führungswechseln niemand mehr – es störte ja auch keinen. „Wir sind definitiv zufrieden, die Enttäuschung hält sich in Grenzen“, versicherte Erik Lesser, der den Startschuss für die Party gab.

Die hatten sich Schempp, Lesser, Benedikt Doll und Arnd Peiffer nicht nur aufgrund der Strapazen in den zwei zurückliegenden Wochen verdient. Vor allem das letzte Rennen in Pyeongchang kostete nicht nur Kraft, sondern angesichts einer schwachen Schießleistung auch mal wieder reichlich Nerven. „Es war so ein turbulenter Wettkampf und hat so viele Mannschaften zerbeutelt. Da hätte einiges passieren können“, sagte Schempp, der natürlich die Ereignisse des Vortags kannte. Da war die deutsche Frauen-Staffel als Gold-Favorit gestartet, die Aussichten waren noch deutlich rosiger als bei den Männern. Der achte Platz von Laura Dahlmeier und Co. war damit Warnung genug – und dennoch sah es so aus, als würde sich die Geschichte wiederholen.

Nach Lessers Gala-Vorstellung übernahm Doll als Führender, er baute zunächst den Vorsprung aus und fand sich nach zwei Strafrunden dann doch außerhalb der Podest­ränge wieder. „Das war ein Dämpfer“, sagte Doll, der Bronze in der Verfolgung geholt hatte „und sich nicht erträumt hätte, die Heimreise mit zwei Medaillen anzutreten.“

Die zweite Plakette hatte er vor allem Peiffer zu verdanken. Der Sprint-Olympiasieger, der die deutsche Mixed-Staffel zu Beginn der Woche mit einem Zitterhändchen vom Gold-Thron auf Platz vier geschossen hatte, lief zunächst auf den dritten Rang. Der Abstand zur Spitze war allerdings derart gering, dass Schempp sogar noch Gold hätte angreifen können. Fehler am Schießstand zerstörten diesen Plan, hinter Olympiasieger Schweden und den ebenfalls hoch gehandelten Norwegern erreichte der Massenstart-Zweite mit deutlichem Abstand das Ziel. Ohne die Schwächen der Konkurrenz wäre sogar die Medaille in großer Gefahr gewesen.



„Der eine hatte mehr, der andere weniger Glück. Wir sind zufrieden“, sagte Schempp, der nur deshalb eine entspannte Schlussrunde drehen durfte, weil Österreichs Dominik Landertinger ebenfalls patzte. „Der Landi“, sagte Lesser, „der hätte unsere Party noch vermiesen können.“ Er tat es aber nicht – und deshalb feierten die Deutschen.

Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier würde bei der Schlussfeier am Sonntag in Pyeongchang (12 Uhr MEZ) gerne die deutsche Fahne tragen. „Das ist wirklich etwas Besonderes“, sagte die Partenkirchnerin am Freitag im Deutschen Haus. Der Deutsche Olympische Sportbund wird am Samstag bekanntgeben, wer beim Einmarsch ins Olympiastadion das Team Deutschland anführen darf. Dahlmeier lässt ihre Zukunft indes weiter offen. Auch einen frühen Rücktritt, wie ihn einst Magdalena Neuner vollzogen hatte, schließt sie nach dem Ende der Winterspiele nicht aus. „Wie es weitergeht, das kann ich jetzt noch nicht so genau sagen. Es ist alles offen“, sagte die 24-Jährige. „Ich hinterfrage mich schon, was noch möglich ist. Aber ich möchte jetzt auch nicht zu viel über irgendein Karriereende nachdenken oder reden. Es kommt, wie es kommt.“ Ihr einstiges Vorbild Neuner hatte 2012 im Alter von nur 25 Jahren ihre Karriere beendet.