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„Betrug“, „verrückt“, „Wahnsinn“

„Betrug“, „verrückt“, „Wahnsinn“

Der Bundesligist FC Ingolstadt fühlt sich nach seiner 0:2-Niederlage bei Borussia Dortmund betrogen. Sogar BVB-Trainer Thomas Tuchel hält nach den Ereignissen ein Plädoyer für den Videobeweis im Fußball.

Pierre-Emerick Aubameyang bekam nicht mit, dass neben ihm die Vulkane ausbrachen. Mit dem breitesten Lächeln der Bundesliga kommentierte er seine Tore zum 2:0 (0:0) von Borussia Dortmund gegen den FC Ingolstadt. Zwei Meter weiter links brodelte es ungeheuer. Stinksauer zeterten Marvin Matip und Ramazan Özcan gegen Schiedsrichter Guido Winkmann, sprachen von "Betrug " und "Verarschung". Auch ihr Trainer war kaum zu beruhigen. "Das ist verrückt, ein Wahnsinn", sagte Ralph Hasenhüttl: "Wir sind bei drei Entscheidungen von enormer Tragweite klar benachteiligt worden. Wie soll ich das meinen Spielern erklären?"

Einen vermeintlichen Elfmeter inklusive Roter Karte gegen Mats Hummels hatte der Polizist aus dem 85 Kilometer von Dortmund entfernten Kerken nicht gegeben (29. Minute), einem spektakulären 25-Meter-Eigentor des BVB-Kapitäns zudem höchst umstritten die Anerkennung verweigert (67.). Die "Krönung" (laut Hasenhüttl) aus Ingolstädter Sicht aber war Aubameyangs Treffer zum 1:0 (77.) aus einer Abseitsposition.

Dabei hätte Ingolstadt dieses Gegentor hingenommen, hätte nicht die Stadionregie den Fehler begangen, das Tor auf der Videoleinwand einzuspielen. Das sahen Matip ("Wie kann Dortmund so dumm sein?") und seine Kollegen - und angeblich auch Winkmann. "Er hat gesagt: Ja, wir haben gesehen, dass es Abseits war. Und dass er das Tor nicht zurücknehmen kann - denn das wäre ein Videobeweis ", berichtete Torhüter Ramazan Özcan.

Das veranlasste sogar BVB-Trainer Thomas Tuchel, ein Plädoyer für den TV-Beweis zu halten. "Es kann nicht sein, dass die vier Schiedsrichter es nicht wissen, aber jeder im Stadion mit einem Smartphone weiß es zehn Sekunden später", sagte er: "Ich bin glühender Verfechter davon, jedes Tor zu überprüfen." Schiedsrichter Winkmann zeigte sich einsichtig: "Fakt ist, es ist Abseits. Fakt ist, es ist spielentscheidend."

Hasenhüttl sah weniger den Videobeweis als Thema - für ihn war Winkmann ein Hasenfuß, der vor den 80 000 BVB-Fans kniff. "Wenn wir einen Schiri gehabt hätten, der nur halb so mutig gewesen wäre, hätten wir etwas holen können", sagte er. Seine These: "Das Eigentor nimmt er zurück, weil ein Weltmeister sich aufregt." Hummels hätte andernfalls erneut eine Diskussion über sein Spiel erwartet - so konnte er die Szene gelassen betrachten. "Ein klares Foul", sagte er. Dario Leczano hatte ihn vor seinem Lupfer ins eigene Tor bedrängt. Winkmann erklärte, sein Assistent habe sofort "Foul, Foul, Foul!" gerufen. Im Nachhinein sei es eine sehr enge Entscheidung gewesen.

Doppeltorschütze Pierre-Emerick Aubameyang konnte das egal sein - und konnte sein breites Lächeln auch bei der Frage nach Gerd Müller zeigen. "Noch einmal 20 Tore? Das ist sehr, sehr viel", sagte Afrikas Fußballer des Jahres, der seine Saisontore 19 und 20 erzielt hat, "aber wer weiß?" Im Quervergleich mit dem "Bomber der Nation" liegt er sogar vorne: In Müllers unglaublicher 40-Tore-Saison 1971/1972 stand der Zähler nach 19 Spieltagen bei 18. Sollte "Auba" den Müller-Rekord knacken, würde sein Lächeln wohl noch breiter.