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Bernhard ist durch und durch optimistisch

Bernhard ist durch und durch optimistisch

Der Rennfahrer aus Homburg startet am Ostersonntag in die neue Langstrecken-Saison. Sein großes Ziel ist der Sieg in Le Mans.

Ein letztes Auftanken, bevor es mit Vollgas in die neue Saison geht. Timo Bernhard (36) genoss das vergangene Wochenende mit seiner Frau und den beiden Kindern zu Hause. Ein bisschen Laufen, Radfahren mit Sohnemann Paul (dreieinhalb), dann am Montag eine letzte Trainings-Einheit am Olympiastützpunkt. Heute geht es für den Homburger Porsche-Werksfahrer zum Saisonauftakt der Langstrecken-WM nach Silverstone (Rennstart ist an diesem Sonntag, 13 Uhr).

Bernhard fiebert dem Start entgegen. "Wir haben viel am Auto gearbeitet, viel getestet. Ich habe das Gefühl, dass in dieser Saison was gehen könnte - und ich hoffe, dass sich das am kommenden Wochenende bestätigt."

Valencia, Vallelunga, Paul Ricard, Monza. Dazu noch ein 30-Stunden-Dauertest im spanischen Aragon. Seit Jahresbeginn hat Bernhard einen wahren Test-Marathon abgespult, ist dabei mehr als 4000 Kilometer gefahren - umgerechnet einmal die Strecke Homburg-St. Petersburg und zurück. Immer mit Vollgas. Dazu ungezählte Stunden im Simulator, in Meetings mit den Ingenieuren und beim Fitness-Training. "Gefühlt war es die kürzeste Winterpause überhaupt", sagt Bernhard. Kein Wunder: Motor, Software, Aerodynamik - 60 Prozent des 900-PS-Porsche sind neu. "Das Grundkonzept blieb zwar gleich, aber wir haben viel Detailarbeit gemacht", erzählt Bernhard. Alles für ein Ziel: den Sieg in Le Mans. Denn das ist der große Traum von Bernhard. "Ich will unbedingt mit Porsche in Le Mans gewinnen", sagt Bernhard. 2010 triumphierte der Saarländer bei dem Rennen bereits in einem Audi, 2015 wurde er mit Porsche Weltmeister. "Aber ein Gesamtsieg mit Porsche in Le Mans wäre das größte. Davon träume ich, seit ich denken kann", sagt der Homburger. Keine andere Marke hat solch eine Tradition bei dem legendären Langstrecken-Klassiker wie Porsche.

Dreimal hat es Bernhard mit den Zuffenhausenern bisher probiert, drei Mal scheiterte er knapp. Einmal wurde er Zweiter, zwei Mal gingen Kleinigkeiten am Auto kaputt und warfen ihn zurück. Doch aller guten Dinge sind ja vielleicht vier. Und ein Sieg beim Rennen an der Sarthe würde sich doppelt lohnen. "Es wäre gleichzeitig auch der Grundstein für den WM-Titel. Für Le Mans gibt es die doppelte Punktzahl. Wer da gewinnt, kann nur noch schwer eingeholt werden", weiß Bernhard.

Nun also eine neue Chance. Bei den letzten Testfahrten vor der Saison in Monza trafen die Konkurrenten Toyota und Porsche erstmals aufeinander. Dabei waren die Japaner mit ihrer Bestzeit eine Sekunde schneller. Bernhard ist dennoch nicht beunruhigt. "Die Zeiten sagen noch nicht so viel aus. Die haben ein Qualifikationstraining simuliert, wir nicht", sagt Bernhard: "Im Renntempo waren wir sehr, sehr ähnlich." Nach dem Rückzug von Audi gehen in diesem Jahr nur noch zwei Werks-Teams in der Top-Kategorie der Langstrecken-WM an den Start. Ist es dadurch einfacher geworden? "Nein", sagt Bernhard.

Neu sind nicht nur die Autos - bei Porsche gab es über Winter auch einen Umbruch im Fahrerkader. Überraschend wurden bei dem Auto, das den WM-Titel einfuhr, gleich zwei der drei Fahrer gewechselt. Weltmeister Neel Jani geht nun mit Audi-Neuzugang André Lotterer und Nick Tandy an den Start. Einige Experten glauben, dass dieses neue Team das absolut schnellste Trio der Serie ist. Bernhard lässt diese Einschätzung kalt. "Na, das werden wir ja sehen", sagt der Homburger und grinst vielsagend. Auch Teamchef Andreas Seidl wundert sich: "Man muss sich ja nur mal anschauen, welches in den vergangenen Jahren die stärkste Aufstellung war: Timo Bernhard, Brendon Hartley und Mark Webber haben mehr Rennen gewonnen als alle anderen." In der Tat siegten Bernhard und Co. in den vergangenen beiden Jahren bei fast der Hälfte aller Rennen, nämlich bei acht von 17. Eine beeindruckende Bilanz.

Ex-Formel-1-Pilot Webber trat zwar nach der vergangenen Saison vom Motorsport zurück, eine Schwächung des Teams muss das aber nicht bedeuten. Ersatzmann Earl Bamber (Neuseeland) hat bereits 2015 für Porsche den Gesamtsieg in Le Mans geholt - und gilt als mindestens so schnell wie Webber. Timo Bernhard kennt den 26-Jährigen schon lange - 2014 war Bamber der Fahrer in Bernhards Carrera-Cup-Team. Der Homburger geht die Saison daher durch und durch optimistisch an. "Earl ist ein schneller und cleverer Junge. Brendon und ich sind ja schon wie ein altes Ehepaar, und Earl hat sich ganz wunderbar eingefügt. Läuft!"