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Kolumne zum LSVS-Skandal
Bemerkenswerte Vorschläge für Mehreinnahmen

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Mitten in der Existenz-krise scheint beim Landessportverband für das Saarland ein neues Binnenklima zu entstehen. Das ist ein positives Signal, Kritiker wurden gerade in den vergangenen Wochen zu lange als Nestbeschmutzer angesehen. Von Mark Weishaupt
Mark Weishaupt

Der ganz große Druck vor der heutigen Gesamtvorstandssitzung beim Landessportverband für das Saarland ist raus. Gott sei Dank, werden viele sagen. Die Zusammenkunft von Vertretern vieler Sportfachverbände mit Innen- und Sportminister Klaus Bouillon, Innen-Staatssekretär Christian Seel und LSVS-Konsolidierungsberater Michael Blank könnte ein reinigendes Gewitter gewesen sein, das zumindest für heute Abend eine erträgliche Zusammenkunft und ein positives Zusammenarbeiten erwarten lässt.


Niemand der Fachverbands-Präsidenten, mit denen die SZ in den vergangenen Monaten Kontakt hatte, bestreitet die Tatsache, dass beim LSVS gespart werden muss – und zwar auch so, dass es weh tut. Alleine schon deswegen, weil viele von ihnen wissen: Wir haben selbst nicht allzu genau in den vergangenen Jahren hingeschaut, haben Fehler gemacht. Das gesteht auch der ein oder andere im persönlichen Gespräch ein. Aber: Vielen kommt es jetzt auf den Weg an. Wie saniert wird. Was genau eingespart wird. Warum etwas ausgelagert werden muss. Wer entlassen werden soll. Und diesen Weg möchte sich niemand aus der Politik diktieren lassen.

Es macht den Eindruck, als haben die vergangenen Tage neue Kräfte freigesetzt. Es ist beinahe mit Händen zu greifen, dass mancher Funktionär plötzlich merkt: Hier geht es um unseren Verband, unsere Dachorganisation. Jahre-, ja vielleicht sogar jahrzehntelang, wurde für den Gesamtvorstand mitgedacht. Die Vertreter wollen aber selbst denken, selbst entscheiden, vor allem ernst genommen werden. Nicht mehr als Nestbeschmutzer beschimpft werden, wenn eine kritische Anmerkung kommt. Ein gesundes Gesprächs-Klima war vom Präsidium gerade nach Bekanntwerden des LSVS-Skandals unterdrückt worden. Nun ändert sich das. Und das ist gut so. Diskussionen werden angestoßen, Ideen sprudeln, Vorschläge kommen – verblüffender und angenehmer Nebeneffekt in der so schlimmen Krise.



Beispielhaft dafür steht Patrick Müller, der Präsident des Saarländischen Bergsteiger- und Skiläufer-Verbandes. Müller stellte dieser Tage in einem Brief an Konsolidierungsberater Blank die Frage nach der „Generierung zusätzlicher Einnahmen durch Wahrnehmung der Eigentümer-Funktion bei Saartoto“. Der Landessportverband ist ja bekanntlich zu drei Siebtel an Saartoto beteiligt, die anderen vier Siebtel hält das Land.

Bei Saartoto, schreibt Müller, „ist es problemlos möglich, die Personalstruktur zu verschlanken. Die beiden Geschäftsführer-Positionen werden in den nächsten Jahren neu besetzt. Dies gibt die Gelegenheit, eine nicht mehr zu besetzen und die verbleibende Stelle mit einer kompetenten Person aus der freien Wirtschaft zu besetzen.“ Müllers einfache Schlussfolgerung: „Jede Einsparung in der Personalstruktur bei Saartoto führt zur Gewinnsteigerungen. Und diese führen zu 40 Prozent Mehreinnahmen beim LSVS – und noch viel besser – 60 Prozent im Haushalt des Saarlandes.“ Bei einem Haushalts-Notlageland wie das Saarland sollte sich die Politik doch mit diesem Vorschlag ausgiebig beschäftigen.